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18-jähriger Putin-Kritiker stirbt an Überdosis

Wlad Kolesnikow prangerte öffentlich die Rolle Russlands im Ukraine-Konflikt an. Selbst sein Grossvater wandte sich von ihm ab. Am Ende verlor der junge Kritiker jede Hoffnung.

Starb an einem Cocktail aus Medikamenten und Alkohol: Der 18-jährige Wlad Kolesnikow.
Starb an einem Cocktail aus Medikamenten und Alkohol: Der 18-jährige Wlad Kolesnikow.
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Gegen seine Politik wehrte sich der junge Mann: Wladimir Putin an einer Pressekonferenz in Moskau.
Gegen seine Politik wehrte sich der junge Mann: Wladimir Putin an einer Pressekonferenz in Moskau.
AFP
Selbst sein eigener Grossvater stellte sich gegen ihn.
Selbst sein eigener Grossvater stellte sich gegen ihn.
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«Wenn ich mich in zwei bis sechs Tagen nicht melde, bin ich tot.» Das war die letzte Nachricht, die die Journalistin Claire Bigg von Wlad Kolesnikow erhielt. Er habe eine tödliche Dosis genommen, heisst es in der WhatsApp-Nachricht vom 25. Dezember. Tatsächlich war der 18-jährige Russe wenig später tot. Die Polizei bestätigte, dass der junge Kreml-Kritiker an einem Cocktail aus Alkohol und Medikamenten ums Leben kam.

Claire Bigg von «Radio Free Europe»stand seit längerem mit Kolesnikow in Kontakt. Sie beschreibt ihn als «einfachen Jungen, der die Rolle seines Landes im Ukraine-Konflikt missbilligte». Trotz seiner jungen Jahre wagte Kolesnikow den offenen Protest gegen Wladimir Putin. «Putin sitzt mit seiner Herde von Kriminellen am Tisch und regiert das Land. Und das mit der Hilfe von sehr wirksamer Propaganda», sagte er einst im Interview mit dem Radiosender «Radio Svoboda».

Verprügelt wegen T-Shirt

Auch in der Schule hielt er sich nicht mit der Kritik an der Regierung zurück. Anfang Juni ging er mit einem T-Shirt, das ein Ukraine-Flagge zeigte, in die Schule. Daraufhin wurde er von seinen Klassenkameraden verprügelt und der Schule verwiesen. Auch sein Grossvater stellte ihn vor die Tür und schickte ihn vom Moskauer Vorort Podolsk zu Kolesnikows Vater in eine Provinzstadt. Der Grossvater soll ihm dabei gedroht haben, ihm «den Hals umzudrehen», sollte er je wieder zurückkehren, schreibt Bigg.

Er hätte nie gedacht, was das Tragen von Kleidern für Auswirkungen haben könne, schrieb Kolesnikow der Journalistin. Sein Vater habe ihn nicht unterstützt. Und auch die Polizei habe ihm Angst gemacht. «Sie haben mich eine Stunde lang gedemütigt», beschrieb er die Situation. Sie würden keinen Finger rühren, wenn ihm etwas passiere, sollen die Beamten gesagt haben. «Am liebsten hätten sie mir selbst ins Gesicht geschlagen», so Kolesnikow.

«Es gibt hier nichts mehr für mich»

Bigg beschreibt, dass der junge Kreml-Kritiker immer mehr die Hoffnung in seinen Kampf verlor. Er sei verzweifelt gewesen. «Es gibt hier nichts mehr für mich. Ich bin nicht in der Lage, meine Arbeit zu Ende zu bringen», schrieb er am 14. Dezember. Bigg habe ihn davon abhalten können, sich etwas anzutun. Zumindest vorerst. Elf Tage später nahm sich Kolesnikow das Leben.

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