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18 Monate Haft für Cameron-Vertrauten Coulson

Abhörskandal bei «News of the World»: Die Richter haben das Strafmass für den verurteilten ehemaligen Chefredaktor Andy Coulson bekannt gegeben – und begründet.

Tiefer Fall: Andy Coulson vor der Bekanntgabe des Strafmasses beim Gericht in London. (4. Juli 2014)
Tiefer Fall: Andy Coulson vor der Bekanntgabe des Strafmasses beim Gericht in London. (4. Juli 2014)
Keystone

In der Abhöraffäre um die britische Boulevardzeitung «News of the World» ist der ehemalige Chefredakteur und Ex-Regierungssprecher Andy Coulson zu 18 Monaten Haft verurteilt worden. Richter John Saunders gab das Strafmass am Freitag am Londoner Strafgericht Old Bailey bekannt. Coulson war bereits vergangene Woche für schuldig befunden worden, gemeinsam mit anderen Journalisten die Mailboxen von Prominenten, Politikern und Verbrechensopfern abgehört zu haben.

Coulsons Mitangeklagte Greg Miskiw und Neville Thurlbeck wurden zu sechs Monaten Haft verurteilt, ein weiterer Reporter, James Weatherup, zu vier Monaten auf Bewährung und gemeinnütziger Arbeit. Der Privatdetektiv Glenn Mulcaire, der die meisten Abhöraktionen durchgeführt hatte, erhielt sechs Monate auf Bewährung. Sie hatten sich alle schuldig bekannt.

Coulson trage die Hauptschuld an den massiven Abhöraktionen während seiner Chefredakteurszeit von 2003 bis 2007, sagte Richter Saunders. «Er wusste davon. Er förderte es, als er es eigentlich stoppen sollte.»

Guter Leumund reduziert Strafe

Er sei sich bewusst, dass es Empörung darüber geben werde, dass im ersten grossen Prozess im britischen Abhörskandal die Strafen so milde ausfallen, sagte Saunders weiter. Das Höchstmass für das Abhören von Telefonen liege aber bei zwei Jahren, egal wie viele Opfer es gebe. Die Strafe für Coulson habe er reduziert, weil er guten Leumund bewiesen habe, indem er anderen geholfen habe und weil der Fall so lange gebraucht habe, bis er vor Gericht kam.

Coulsons Vorgängerin als Chefredakteurin der mittlerweile eingestellten «News of the World», Rebekah Brooks, und vier weitere Angeklagte wurden in dem Fall freigesprochen. Das Boulevardblatt gehörte dem Medienimperium von Rupert Murdoch an.

Regierung in Bedrängnis

Mit den illegalen Abhörtaktiken sicherte sich die einst meistverkaufte Zeitung des Landes exklusive Geschichten über die Reichen und Mächtigen. Der Skandal erfasste die gesamte britische Medienlandschaft und brachte auch die Regierung in Bedrängnis. Coulson wurde nach seinem Rücktritt bei der Zeitung nämlich Kommunikationsdirektor von Premier David Cameron. Der Regierungschef erklärte in einer Reaktion: «Niemand steht über dem Gesetz.»

Das achtmonatige Verfahren gegen Coulson und seine Mitangeklagten war eines der längsten und teuersten in der britischen Justizgeschichte. Coulson wird in einem zweiten Prozess auch der Bestechung von Polizisten beschuldigt. Dieses Verfahren wird aber neu aufgerollt, nachdem sich die Geschworenen bei zwei Anklagepunkten gegen Coulson nicht auf ein Urteil hatten einigen können.

(AP)

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