Zum Hauptinhalt springen

EU-Politiker in ZKB-Filiale verhaftet

Nach einem Bankbesuch nahm die Polizei einen tschechischen EU-Abgeordnete fest. Er wollte offenbar 350 Millionen Euro abheben. Ein Komplize sitzt noch immer.

Ist sich keiner Schuld bewusst: EU-Parlamentarier Miloslav Ransdorf. (Archiv)
Ist sich keiner Schuld bewusst: EU-Parlamentarier Miloslav Ransdorf. (Archiv)
Keystone

Der Europaabgeordnete Miloslav Ransdorf marschierte am Donnerstag in Begleitung von drei Slowaken in eine Filiale der Zürcher Kantonalbank (ZKB) und wollte sich umgerechnet 350 Millionen auszahlen lassen – offenbar mit gefälschten Papieren. Den spektakulär hohen Betrag bestätigte laut Medienberichten der slowakische Innenminister Robert Kalinak.

Mit seinem Anliegen kam Ransdorf aber nicht weit. Er wurde verhaftet, zusammen mit den drei anderen Männern. Auf Anfrage will die ZKB keine Auskunft über den Fall geben. Offen lässt sie auch, ob der EU-Politiker den Hauptsitz an der Bahnhofstrasse aufgesucht hat.

«Die Bank stellte fest, dass die Ausweise nicht der Wirklichkeit entsprachen und rief die Polizei», sagte Innenminister Kalinak der Agentur CTK zufolge. Zwei der Verdächtigen aus dem Quartett seien wegen Betrugs- und Steuerdelikten vorbestraft.

Nachrichtenlose Kontos?

Der Vorsitzende der tschechischen Kommunisten (KSCM), Vojtech Filip, verlangte von Parteimitglied Ransdorf eine Erklärung. «Er hat dort keine Parteiaufgabe erfüllt», sagte er im Sender CT. Seiner Ansicht nach könnte sich der Fall um nachrichtenlose Konten von Juden aus dem Zweiten Weltkrieg drehen. Es bestehe ein Interesse daran, diese Vermögenswerte ihren ursprünglichen Besitzern oder deren Erben zuzuordnen. Der 62-jährige Ransdorf sitzt seit 2004 für die tschechischen Kommunisten (KSCM) im Europaparlament.

Wie Corinne Bouvard, Sprecherin des zuständigen Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich sagt, sind neben Ransdorf zwei weitere Männer bereits vergangene Woche wieder auf freien Fuss gesetzt worden. Für den vierten Mann aus dem Quartett ist ein Antrag auf Untersuchungshaft gestellt worden. Über den Grund für den Haftantrag und die Entlassung von Ransdorf und seiner Begleiter kann Bouvard keine Details bekannt geben, da das Verfahren laufe.

«Ich habe ein reines Gewissen»

Es ist nicht das erste Mal, dass Ransdorf ins Kreuzfeuer der Kritik gerät: Bereits im Jahr 2013 versuchte er, sich in die Anwesenheitsliste des EU-Parlaments einzutragen, um den Tagesbeitrag von 300 Euro abzusahnen. Als Reporter den Tschechen entlarvten und ihn darauf ansprachen, wurde dieser handgreiflich.

Der neuste Fall ist nun Sache der Staatsanwaltschaft. Der EU-Parlamentarier ist inzwischen wieder auf freiem Fuss und nimmt zum ersten Mal Stellung zu seinem mysteriösen Bankbesuch: Er habe lediglich im Auftrag eines Bankkunden, dessen Initialen V. H, seien, gehandelt. Die Vollmacht habe er dann der Bank vorgelegt. Den Vorwurf, die Vollmacht könnte gefälscht sein, wies er strikt zurück: «Ich habe ein reines Gewissen.»

Handgreiflich gegen einen Reporter: Miroslav Ransdorf reagiert grob, als er von einem holländischen TV-Journalisten mit dem Vorwurf konfrontiert wird, 300 Euro an Sitzungsgeld erschlichen zu haben.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch