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Er fälschte Waffenbeweise, jetzt will er Premier werden

Das Rennen um die Nachfolge des irakischen Ministerpräsidenten Nouri al-Maliki hat begonnen. Ein Kandidat ist der Mann, der die USA in den Krieg gegen den Irak führte.

Er will im Irak an die Macht: Ahmed Chalabi.
Er will im Irak an die Macht: Ahmed Chalabi.
Mohammed Jalil, Keystone

Er verkaufte der Bush-Administration eine Liste mit angeblichen Massenvernichtungswaffen und trieb so die Amerikaner in den Krieg gegen den Irak. Jetzt will Ahmed Chalabi selber den irakischen Ministerpräsidenten Nouri al-Maliki beerben. Seine Chancen sind intakt, schreibt die «New York Times». Vor der US-Invasion 2003 war Chalabi berüchtigt für seinen Einfluss bei Amerikas Neokonservativen. Zu Chalabis engen Vertrauten gehörte unter anderem Ex-Vizepräsident Dick Cheney, auch George W. Bush vertraute auf seinen Rat.

Chalabi präsidierte den Irakischen Nationalkongress, eine Dachorganisation des Widerstands gegen Saddam Hussein. Bezahlt von der Regierung, gab er den Amerikanern Dokumente, welche die angebliche Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak beweisen sollten. Wie sich später herausstellte, waren die Dokumente gefälscht.

Er plauderte US-Staatsgeheimnisse aus

Nach der US-Invasion im Irak begann Chalabis Stern bald zu sinken. Wegen Betrug bei der Petra-Bank, der drittgrössten jordanischen Bank, wurde er 2003 zu einer Busse von 340 Millionen US-Dollar verurteilt, schreibt der «New Yorker». Anstatt die Busse zu bezahlen, floh er ins Exil nach London. Ein Jahr später fanden die Amerikaner heraus, dass Chalabi dem Iran ein Staatsgeheimnis ausgeplaudert hat. Gemäss der «New York Times» hat er iranischen Offiziellen verraten, dass die US-Geheimdienste den Geheimdienst-Code der Iraner geknackt hatten.

In den letzten Jahren haben die Parteien im Irak Meetings abgehalten, um mögliche Nachfolgekandidaten von Nouri al-Maliki in Position zu bringen. Dabei ist auch der Name des ehemals Verstossenen Chalabi gefallen. Sein Vorteil: In den letzten Jahren hat er beste Beziehungen zu wichtigen Entscheidungsträgern aufgebaut. So ist er ein Freund von Ayatollah Ali al-Sistani geworden, dem religiösen Führer der Schiiten. Im Gegensatz zu Kandidaten, die Maliki nahestehen, muss er keine politische Verantwortung für die Streitigkeiten zwischen Schiiten und Sunniten übernehmen, die den Irak in den letzten Jahren zerrissen haben.

So könnte Chalabi der Kandidat werden, mit dem sich alle Gruppen, Sunniten, Schiiten und Kurden arrangieren können. Auf Chalabis zweifelhafte Vergangenheit angesprochen, sagt ein schiitischer Politiker gegenüber der «New York Times»: «Wer den Tod gesehen hat, hat vor hohem Fieber keine Angst mehr.»

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