Dieser Häftling wollte als seine eigene Tochter fliehen

Versteckt unter einer Gummimaske war Clauvino da Silva auf dem Weg in die Freiheit, aber dann geriet der Drogenhändler in Panik.

Muss sich seiner Maskierung vor laufender Kamera entledigen: Clauvino da Silva. Video: AP
Sandro Benini@BeniniSandro

Hätte Clauvino da Silva im entscheidenden Moment die Ruhe bewahrt, wäre ihm womöglich eine der bemerkenswertesten Fluchten in der Geschichte des internationalen Gefängniswesens geglückt. Der 42-jährige Drogenboss mit dem Spitznamen «O Baixinho» (der Kleine) nutzte seine geringe Statur sowie einige Utensilien, um als seine eigene Tochter verkleidet die Freiheit zu suchen.

Am Samstag hatte die 19-jährige Ana Gabriele ihren Vater in der Haftanstalt Gabriel Ferreira Castilho in Rio de Janeiro besucht und ihm ihre Kleider überlassen. Als die Besuchszeit zu Ende war, trug der Häftling enge Jeans, Brille, ein rosarotes T-Shirt mit dem Aufdruck angebissener Donuts, einen BH – und vor allem eine Gummimaske sowie eine Perücke mit langen schwarzen Haaren.

Sein Plan war, dem Gefängnis durch den Haupteingang zu entkommen. Immerhin schaffte er es inmitten zahlreicher Angehöriger bis zu jenem Punkt, an dem die Besucher beim Verlassen der Haftanstalt ihren Pass oder ihre Identitätskarte zurückerhalten. Dann jedoch wurde er laut brasilianischen Medien nervös, verhielt sich auffällig, weckte den Verdacht der Wärter. Auf einem von der Gefängnisverwaltung veröffentlichten Video ist zu sehen, wie er nach gescheitertem Fluchtversuch seine Verkleidung nach und nach ablegt und seinen Namen sagt.

Seine Tochter könnte ihm nun hinter Gitter folgen

Als einer der Anführer der mächtigen Gang «Comando Vermelho» (Rotes Kommando) sitzt Clauvino da Silva eine Freiheitsstrafe von fast 74 Jahren ab. 2013 konnte er fliehen, damals noch auf eher konventionelle Weise: durch die Kanalisation. Er liess sich aber schnell wieder einfangen. Für den jüngsten Fluchtversuch erhält er höchstens eine Disziplinarstrafe, weil er keine Gewalt angewendet und niemanden bedroht hat. Brasilianischen Medien zufolge wurde er aber in einen Hochsicherheitstrakt verlegt.

Da Silvas Tochter hingegen könnte wegen Beihilfe zur Flucht mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden. Ausserdem ermitteln die Behörden gegen sieben weitere Personen, unter ihnen eine schwangere Frau. Sie wird verdächtigt, die Verkleidungsutensilien ins Gefängnis geschmuggelt zu haben. Denn während sich Besucher brasilianischer Haftanstalten oft einer strengen Leibesvisitation unterziehen müssen, bleibt dies Schwangeren erspart. Bisher zumindest.

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