Japans Wirtschaft hart getroffen

Nach dem Erdbeben in Japan, das einen Tsunami ausgelöst hatte, zeichnen sich vielfältige Störungen des Wirtschaftslebens der weltweit drittgrössten Volkswirtschaft ab. Eine Übersicht:

Im Vollbrand: Eine Ölraffinerie in der Stadt Shiogama ist nicht mehr zu retten. (13. März 2011)

Im Vollbrand: Eine Ölraffinerie in der Stadt Shiogama ist nicht mehr zu retten. (13. März 2011)

(Bild: Keystone)

Finanzmärkte:

Die Bank von Japan will «ihr Äusserstes tun, um die Stabilität der Finanzmärkte zu gewährleisten». Bis Sonntag versorgte sie 13 Finanzinstitute mit insgesamt rund 55 Milliarden Yen (624 Millionen Franken) Sonderhilfen, damit die Branche den Anforderungen nach dem Beben gewachsen ist.

Für Montag will die Zentralbank einem Medienbericht zufolge den Markt mit zusätzlicher Liquidität versorgen. Die Zinsen liegen bereits de facto bei Null. Am Montag sollen alle Bereiche der Zentralbank nach deren Angaben normal geöffnet sein. Auch die Tokioter Aktienbörse sollte den Handel wie gewohnt aufnehmen.

Atomkraft:

Die Atomstromproduktion in Japan wurde durch das Beben und den Tsunami in etwa halbiert: Nach dem Beben schalteten sich sieben Siedewasserreaktoren in der Anlage Fukushima Daiichi sowie dem benachbarten Werk Fukushima Daini automatisch ab. Beide Anlagen werden von Tokyo Electric Power Co (Tepco) betrieben. Insgesamt wurden in Folge des Bebens automatisch elf Reaktoren in vier Atomkraftwerken abgeschaltet, betroffen sind drei Betreiberfirmen.

Versorger:

Tepco rechnete mit Engpässen bei der Stromversorgung und wollte die Menschen auf Stromausfälle vorbereiten. Andere Stromanbieter halfen Tepco aus, die Lieferengpässe für Millionen Haushalte zu überbrücken. Tokyo Gas teilte mit, die Gasversorgung für Zehntausende Haushalte habe unterbrochen werden müssen.

Industrie:

Der weltgrösste Autohersteller Toyota stellt am Montag den Betrieb in all seinen zwölf Fabriken ein. Auch andere Autobauer sind betroffen: Nissan setzte die Produktion an allen seinen vier Autofertigungsstandorten in Japan aus.

In zwei Werken war es zu kleineren Bränden gekommen. Honda teilte mit, ein 43-jähriger Mitarbeiter sei an einem Forschungsstandort der Firma ums Leben gekommen, als ein Gebäude einstürzte. 30 Menschen wurden verletzt. Vier heimische Fabriken und ein Forschungszentrum sollten am Montag ebenfalls geschlossen bleiben.

Der Elektronikriese Sony unterbrach die Produktion in sechs Werken in der betroffenen Region. Eine Fabrik wurde überschwemmt, die anderen fünf wurden den Angaben nach nicht schlimmer beschädigt.

Auch europäische Firmen berichteten von Einschränkungen wegen Stromausfällen oder der Evakuierung ihrer Mitarbeiter, darunter der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline sowie der Waadtländer Lebensmittelriese Nestlé.

Versicherer:

Experten schätzen den versicherten Schaden durch die Ereignisse vorerst auf mindestens 15 Milliarden Dollar.

pbe/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt