Botschaft in Tokio versorgt Schweizer mit Jodtabletten

Wegen der Strahlengefahr ist in Japan die Nachfrage nach Kaliumiodid angestiegen. Doch in der Hauptstadt sind die Tabletten kaum erhältlich. Schweizer Bürger in Japan haben Glück.

Für alle Fälle: Eine thailändische Krankenschwester bereitet am Flughafen von Bangkok die Verteilung von Jodtabletten an Reisende nach Japan vor.

Für alle Fälle: Eine thailändische Krankenschwester bereitet am Flughafen von Bangkok die Verteilung von Jodtabletten an Reisende nach Japan vor.

(Bild: Reuters)

Jan Knüsel

Durch die täglichen Katastrophenmeldungen aus Fukushima ist in Japan die Nachfrage nach Jodtabletten stark gewachsen. Selbst in der vom Katastrophenreaktor weit abgelegenen Präfektur Ishikawa seien die an Lager befindlichen Jodtabletten in gewissen Apotheken bereits ausverkauft, wie die «Fukui Shimbun» berichtet. Die Apotheker würden die Tabletten an Menschen abgeben, die in die Krisenregion gehen würden. Einen Teil der vorbeugenden Präparate werde man nun direkt in den Nordosten schicken, heisst es in derselben Zeitung.

Das Gesundheitsministerium hat für rund 380'000 Direktbetroffene der Katastrophe Kaliumiodid an Lager, schreibt die «Sankei Shimbun». Ein Grossteil wurde den Zufluchtsorten bereits zugestellt. Derzeit genüge der Vorrat. In den Tokioter Apotheken ist die Nachfrage nach den Tabletten ebenfalls angestiegen. Da diese für den Notfall zurückgehalten werden, seien diese jedoch kaum erhältlich. «Die Apothekerin hat mir keine Tabletten geben wollen», berichtet ein 29-jähriger in der Hauptstadt lebender Japaner gegenüber DerBund.ch/Newsnet.

Andere sehen jedoch keinen Grund zum voreiligen Handeln. «Ich selbst besitze keine Jodtabletten, die Regierung hat auch diesbezüglich keine Anordnungen gegeben», erklärt Yusuke Ishimatsu, der im Norden Tokios lebt, rund 170 Kilometer vom Gebiet des Reaktorunfalls entfernt.

Abgabe an Reisende

Die Schweizer Vertretung in der japanischen Hauptstadt hat derweil mit der Verteilung von Jodtabletten an ihre Landsleute begonnen, erklärt der Botschafter Urs Bucher gegenüber «Radio 24». Die Tabletten würden am Schalter abgegeben oder auch per Expresspost verschickt. In den letzten 24 Stunden hätten sie bereits über 250 solche Pakete verteilt. Ein Paket reiche jeweils für zwei Personen (mehr dazu in unserem News-Ticker).

Auch in Schweizer Apotheken wird vereinzelt nach Jodtabletten gefragt. «Wir haben ein bis zwei Packungen an Kaliumiodid an Personen verkauft, die ins östliche China und nach Japan reisen», erklärt Guido Brun von der St. Peter Apotheke in Zürich gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Er stützt sich dabei auf eine Mitteilung des Schweizerischen Apothekerverbandes und der Verbindung der Schweizerischen Ärzte FMH, die einen Verkauf von Jodtabletten an Reisende in gefährdete Regionen ausdrücklich erlaubt.

Von einer vorsorglichen Einnahme wird abgeraten

«Jodtabletten kann man in Schweizer Apotheken kaufen, aufgrund der – aus heutiger Sicht – fehlenden Bedrohung raten wir aber davon ab. Jodtabletten sollten zudem nur auf behördliche Anweisung eingenommen werden, eine ‹vorsorgliche› Einnahme ist auf keinen Fall angebracht», schreibt Karl Küenzli vom Apothekerverband.

Die St. Peter Apotheke hat laut Brun noch ungefähr 20 Packungen Kaliumiodid von einer früheren Lieferung an Lager. Grössere Mengen könnten erst morgen oder nächste Woche bestellt werden. Auch der Versand von Jodtabletten an Verwandte oder Freunde nach Japan wird vom Apothekerverband erlaubt.

Panikkäufe in China

In anderen Ländern hat der Ansturm auf das Medikament bereits begonnen. Beim grössten Hersteller in den USA sind Kaliumiodidtabletten bereits komplett ausverkauft, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Das Unternehmen Anbex teilte am Mittwoch mit, es habe seit dem Beginn der Krise Tausende Bestellungen für sein Medikament Iosat erhalten. Fleming Pharmaceuticals schrieb auf ihrer Internetseite, dass das Unternehmen rund um die Uhr arbeite, um die Lieferungen nach Japan bewältigen zu können.

Auch in China ist es zu Panikkäufen gekommen. Eine Mitarbeiterin eines Supermarktes in der südchinesischen Stadt Guangzhou sagte, die Nachfrage nach Salz sei derart gestiegen, dass die Filiale es nun rationiere. Der Zeitung «China Daily» zufolge waren Jodtabletten in vielen Apotheken bereits ausverkauft. Das chinesische Radio berichtete allerdings, die in Jodsalz enthaltene Menge sei zu gering, um die Schilddrüse im Ernstfall zu schützen.

DerBund.ch/Newsnet

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