Zum Hauptinhalt springen

«Unser Kampfgeist ist zusammengebrochen»

Ghadhafi führe seine Truppen in die Irre und behaupte, sie würden den Krieg gegen das Terrornetz al-Qaida führen, berichtet ein gefangener Soldat. Doch nun würden viele der Kämpfer desertieren.

Erfolgreicher Schlag für Ghadhafi: Ein Treibstoffdepot in Misrata geht in die Luft. (7. Mai 2011)
Erfolgreicher Schlag für Ghadhafi: Ein Treibstoffdepot in Misrata geht in die Luft. (7. Mai 2011)
AFP
Libysche Aufständische verladen in Benghazi Waren für Misrata. (7. Mai 2011)
Libysche Aufständische verladen in Benghazi Waren für Misrata. (7. Mai 2011)
AFP
Ghadhafi-treue Soldaten lassen sich auf einer geführten Pressetour der Regierung fotografieren. (28. März 2011)
Ghadhafi-treue Soldaten lassen sich auf einer geführten Pressetour der Regierung fotografieren. (28. März 2011)
Reuters
1 / 23

Bei Nato-Luftangriffen ist heute Montag ein Militärkomplex des libyschen Machthabers Muammar al Ghadhafi bei Tripolis schwer beschädigt worden. Ein mehrstöckiges Gebäude auf dem Gelände Bab al Asisija wurde zerstört, an einer Empfangshalle entstanden schwere Schäden. Nach Angaben eines Sicherheitsbeamten wurden dabei vier Menschen leicht verletzt. Der Aufenthaltsort Ghadhdafis zum Zeitpunkt des Angriffs war unklar.

Mindestens zwei Raketen trafen am Morgen den Militärkomplex. Das Geräusch der einschlagenden Flugkörper war noch Kilometer von dem Gelände entfernt zu hören. Aus den Trümmern des zerstörten Gebäudes stieg noch immer Staub auf, als Reporter nach Mitternacht am Ort des Geschehens eintrafen. Von einem Gebäude, das Ghadhafi nach Angaben von Wachleuten als Bibliothek und Büro nutzte, war nach dem Angriff nur noch ein Haufen aus verbogenem Metall und zerbrochenen Betonplatten übrig. Dutzende Ghadhafi-Anhänger kletterten auf die Ruinen, hissten die grüne Nationalflagge Libyens und versprachen Ghadhafi ihre Unterstützung.

Mindestens 32 Tote in Misrata

In Misrata dauerten die Kämpfe unterdessen an. Nachdem der stellvertretende Aussenminister Chaled Kaim die fast zweimonatige Belagerung der Rebellenhochburg für beendet erklärt hatte, kam es am Sonntag erneut zu heftigen Gefechten zwischen Aufständischen und libyschen Regierungstruppen. Die Stadt wurde Augenzeugenberichten zufolge von mehr als 70 Raketen der Ghadhafi-treuen Streitkräfte getroffen. Bei dem Beschuss einer Wohngegend seien zehn Menschen getötet worden, darunter auch fünf Mitglieder einer Familie, sagte ein Arzt, der aus Furcht vor Repressalien seinen Namen nicht genannt wissen wollte. Am Wochenende kamen in Misrata mindestens 32 Menschen ums Leben, Dutzende weitere wurden verletzt.

Am Sonntag eroberten die Rebellen das grösste Krankenhaus der Stadt, das bislang den Regierungstruppen als Stützpunkt gedient hatte. «Die Truppen Ghadhafis sind nun in den Vororten von Misrata und setzen Raketenwerfer ein», sagte ein Bewohner der umkämpften Stadt.

Mehr als 1400 Flüchtlinge aus Misrata trafen am Sonntag an Bord zweier Schiffe in der Rebellenhochburg Benghazi ein. Bei den Evakuierten handelte es sich nach Angaben des Roten Kreuzes vor allem um ausländische Arbeiter. Manche von ihnen hätten vier bis fünf Wochen in notdürftigen Lagern am Hafen der heftig umkämpften Stadt im Westen des Landes verbracht, sagte Javier Cepero vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz.

Ghadhafi-Kämpfer berichtet von Deserteuren

Derzeit seien noch zwischen 2000 und 3000 Menschen im Hafengebiet Misratas und warteten auf ihre Evakuierung, sagte Cepero. Das libysche Rote Kreuz versuche die Menschen mit Lebensmitteln und Medizin zu versorgen. Aufgrund der Kämpfe sei dies aber schwierig.

Ein gefangener Soldat der libyschen Streitkräfte sagte, die Moral der Regierungstruppen sei schlecht. «Unser Kampfgeist ist zusammengebrochen. Die Einheiten an der Front sind geflohen und haben uns allein gelassen», sagte der 25-Jährige. Den Regierungssoldaten sei gesagt worden, sie kämpften gegen das Terrornetzwerk al-Qaida. «Sie haben uns in die Irre geführt», sagte der Gefangene.

Ghadhafis Sohn Saif al Islam erklärte hingegen «Millionen Libyer» stünden hinter seinem Vater und der Nato-Einsatz sei zum Scheitern verurteilt. «In der Geschichte hat kein Land mit Spionen, Verrätern und Kollaborateuren einen Sieg errungen», sagte er der amtlichen Nachrichtenagentur Jana. «Nato – ihr seid Verlierer.»

Nato will Angriffe auf Kommandozentralen forcieren

Nach dem Luftangriff auf den Militärkomplex Bab al Asisija erklärte ein Nato-Sprecher in Brüssel, das Militärbündnis nehme nun vermehrt Kommando- und Kontrolleinrichtungen des Ghadhafi-Regimes ins Visier.

In Washington forderten Mitglieder des Streitkräfteausschusses im US-Senat verstärkte Luftangriffe auf den innersten Zirkel des Gaddafi-Regimes. Der libysche Machthaber «muss jeden Tag aufwachen und sich fragen: 'Wird das mein letzter sein?'», sagte Senator Lindsey Graham dem Fernsehsender CNN.

dapd/miw

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch