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Ghadhafis Truppen nehmen Misrata unter heftigen Beschuss

In der libyschen Rebellenenklave Misrata sind mindestens 30 Menschen durch Angriffe der Regierungssoldaten getötet worden. Derweil griff die Nato Ghadhafis Residenz in Tripolis an.

Erfolgreicher Schlag für Ghadhafi: Ein Treibstoffdepot in Misrata geht in die Luft. (7. Mai 2011)
Erfolgreicher Schlag für Ghadhafi: Ein Treibstoffdepot in Misrata geht in die Luft. (7. Mai 2011)
AFP
Libysche Aufständische verladen in Benghazi Waren für Misrata. (7. Mai 2011)
Libysche Aufständische verladen in Benghazi Waren für Misrata. (7. Mai 2011)
AFP
Ghadhafi-treue Soldaten lassen sich auf einer geführten Pressetour der Regierung fotografieren. (28. März 2011)
Ghadhafi-treue Soldaten lassen sich auf einer geführten Pressetour der Regierung fotografieren. (28. März 2011)
Reuters
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Wohnviertel in Misrata würden massiv mit Raketen beschossen, sagte ein Mitarbeiter einer oppositionellen Radiostation dem Fernsehsender Al- Arabija. Am Montag seien rund 30 Menschen getötet, und 60 Menschen verletzt worden. Misrata liegt im Westen des nordafrikanischen Landes, rund 200 Kilometer von der Hauptstadt Tripolis entfernt, und wird seit Wochen von den Soldaten des Machthabers Muammar al-Ghadhafi belagert.

Flugzeuge der NATO hätten am frühen Montagmorgen offensichtlich Angriffe geflogen, berichtete ein Arzt dem US-Nachrichtensender CNN. Bereits am Sonntag seien in der Stadt mindestens 16 Menschen getötet und 71 verletzt worden. Ein Augenzeuge sagte, Ghadhafis Truppen hätten die Stadt unter starken Beschuss genommen. Alle fünf Minuten seien Explosionen zu hören gewesen.

Regierungssprecher Mussa Ibrahim sagte nach CNN-Angaben, die Armee habe den am Samstag angekündigten Rückzug aus Misrata fortgesetzt. Dabei sei das Militär von Rebellen angegriffen worden und habe sich zur Wehr gesetzt. Ein Bewohner der Stadt sagte CNN, am Sonntag seien mindestens vier Menschen getötet worden.

Raketen in Misrata

Ein Rebellenkämpfer in Misrata sagte einem der neuen libyschen Fernsehsender, ein verletzter Soldat, der ihnen in die Hände gefallen sei, habe erklärt, die Truppen hätten tatsächlich den Befehl zum Abzug bekommen, aber nur, um bei einem geplanten Raketenbeschuss keine Opfer in den eigenen Reihen zu riskieren.

Am Sonntag seien mehrere Grad-Raketen auf Misrata abgeschossen worden. Die Stadt ist derzeit nur auf dem Seeweg zu erreichen. Die Versorgungslage ist sehr schlecht. Tausende afrikanische Gastarbeiter, Dutzende verletzte Kämpfer und Zivilisten wurden per Schiff in Sicherheit gebracht.

Ghadhafis Residenz angegriffen

Die NATO hat derweil bei Angriffen auf Tripolis in der Nacht auf Montag das Areal von Machthaber Muammar al-Ghadhafi beschossen. Wie der britische Sender BBC unter Berufung auf Regierungsbeamte und Augenzeugen berichtete, wurden mehrere Gebäude beschädigt. In den betroffenen Räumen soll Ghadhafi Konferenzen abgehalten haben. Unklar blieb, wo sich der Machthaber zum Zeitpunkt des Angriffs aufhielt. Nach Angaben eines Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP wurde das Büro von Ghadhafi beim Beschuss komplett zerstört und ein angrenzender Konferenzsaal teilweise.

Ein Regierungssprecher verurteilte den Angriff als Versuch, den Machthaber zu töten, wie es im arabischen Nachrichtensender Al-Jazeera hiess. 15 Menschen seien schwer verletzt worden. Es wurde am frühen Morgen noch nach Vermissten gesucht. Mindestens zwei Raketen trafen am Morgen den Militärkomplex. Das Geräusch der einschlagenden Flugkörper war noch kilometerweit vom Gelände entfernt zu hören.

Ein Gebäude, das Ghadhafi nach Angaben von Wachleuten als Bibliothek und Büro nutzte, war nach dem Angriff nur noch ein Haufen aus verbogenem Metall und zerbrochenen Betonplatten. Dutzende Ghadhafi-Anhänger kletterten auf die Ruinen, hissten die grüne Nationalflagge Libyens und taten Ghadhafi ihre Unterstützung kund.

Nach lauten Explosionen in Tripolis sei das Programm von drei Fernsehsendern in der Nacht für rund eine halbe Stunde ausgefallen, hiess es bei BBC. Nach AFP-Angaben waren die Detonationen in Tripolis die heftigsten sei dem Beginn des internationalen Kampfeinsatzes in Libyen.

Erdölproduktion stockt

Die Aufständischen in Libyen werden ihre Erdölproduktion nach eigenen Angaben noch mindestens vier Wochen lang nicht steigern können. So lange werde die Reparatur von Gerät dauern, sagte der Leiter der Ölförderung, Wahid Bughaigis, am Sonntag. Erst nach der Instandstellung könne Öl aus den Feldern Messla und Sarir im Osten Libyens gepumpt werden, sagte Bughaigis. Die Aufständischen gegen Staatschef Muammar al-Gaddafi haben in ihrer Hochburg Benghasi nach seinen Angaben die Stromerzeugung um 25 Prozent zurückgefahren, um Brennstoff und Geld zu sparen.

Mit Hilfe des Golfstaats Katar hatten die Aufständischen kürzlich den Verkauf von einer Million Barrel Öl abschliessen und damit umgerechnet rund 114 Millionen Franken lösen können. Ein Barrel entspricht rund 159 Litern.

SDA/jak

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