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Ghadhafi will desertierende Rebellen offenbar nicht bestrafen - IKRK zieht ab

Regierungstreue Soldaten beschossen heute die Stadt Adschdabija im Osten. Ghadhafi soll ehemaligen Kämpfer der Rebellen Geld bieten. Derzeit berät in New York der Weltsicherheitsrat über ein Flugverbot.

Ghadhafis Truppen in der Offensive: Rebellen und Zivilisten fliehen aus Ajdabiyah.
Ghadhafis Truppen in der Offensive: Rebellen und Zivilisten fliehen aus Ajdabiyah.
Reuters
Der libysche Machthaber Ghadhafi droht in einer TV-Ansprache den Aufständischen im Osten des Landes. (15. März 2011)
Der libysche Machthaber Ghadhafi droht in einer TV-Ansprache den Aufständischen im Osten des Landes. (15. März 2011)
AFP
Medizinischer Notstand in Ras Lanuf: Ärzte kümmern sich in einem Spital um einen Verletzten. (8. März 2011)
Medizinischer Notstand in Ras Lanuf: Ärzte kümmern sich in einem Spital um einen Verletzten. (8. März 2011)
AFP
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Libyens Machthaber Muammar al-Ghadhafi versucht die aufständische Opposition in dem nordafrikanischen Land weiter in die Enge zu treiben. Heute beschossen regierungstreue Truppen Augenzeugen zufolge die von den Aufständischen kontrollierte Stadt Adschdabija.

Am westlichen Stadtrand von Adschdabija fielen laut Augenzeugen vier Granaten auf einen Kreisverkehr und verletzten fünf Menschen. Aufständische sagten der Nachrichtenagentur AFP, es seien auch besetzte Einrichtungen des Militärs angegriffen worden. In den vergangenen Tagen eroberte die regierungstreue Armee mehrere libysche Städte aus den Händen der Protestbewegung zurück. Es wurde erwartet, dass sie die Protesthochburg Bengasi ihr nächstes Ziel sei.

Deserteure sollen nicht bestraft werdens

Heute griffen Ghadhafi-treue Soldaten die von den Aufständischen kontrollierte Kleinstadt Suara 120 Kilometer westlich von Tripolis an, wie aus Regierungskreisen verlautete. Die Gegenwehr sei nicht gross. Auch eine Quelle in der Opposition und ein Bewohner von Suara bestätigten den Angriff.

Laut einem Bericht des Staatsfernsehens sollten desertierte Soldaten nicht bestraft werden, wenn sie sich den Regierungstruppen stellten. Wer sich wieder von den «bewaffneten Banden» abwende und seine Waffen abliefere, gehe straffrei aus, liess das Militär mitteilen. Zahlreiche Armeeangehörige hatten sich nach dem Beginn der Proteste gegen Machthaber Ghadhafi Mitte Februar den Aufständischen angeschlossen.

Weitere Sanktionen erlassen

Indes erliess nach zahlreichen westlichen Staaten auch Russland Sanktionen gegen die libysche Führung. Ghadhafi und seine Familie dürften russischen Boden nicht betreten, hiess es laut Nachrichtenagentur Interfax in einem Dekret von Präsident Dmitri Medwedew.

Zudem seien Finanzgeschäfte mit der libyschen Herrscherfamilie verboten. Italien stellte eine Bank mit engen Beziehungen zu Libyen unter staatliche Kontrolle, wie die Zentralbank in Rom mitteilte.

Weltsicherheitsrat tagt in New York

Auf Drängen der Arabischen Liga kommt der Weltsicherheitsrat seit 15 Uhr MEZ (10 Uhr Ortszeit) zur Erörterung eines möglichen Flugverbots über Libyen zusammen. Nach Auskunft der Vereinten Nationen sollten die Beratungen des höchsten Uno-Gremiums hinter geschlossenen Türen stattfinden.

Lynn Pascoe, Untergeneralsekretär für politische Fragen, wollte den Rat zunächst über den jüngsten Stand zu Libyen informieren. In diplomatischen Kreisen wurde am Montagmorgen (Ortszeit) ausgeschlossen, dass es umgehend zu einem Beschluss über die Flugverbotszone kommen würde.

IKRK zieht Libyen-Personal teilweise zurück

Das IKRK hat wegen Sicherheitsbedenken einen Teil seines Personals aus dem Osten Libyens versetzt. Das IKRK habe sich aus Adschdabija zurückgezogen und 20 Delegierte nach Benghasi umquartiert, sagte ein IKRK-Sprecher.

«Wegen der Eskalation der Gefechte haben wir das Personal aus Tobruk aus Sicherheitsgründen abgezogen», sagte der Sprecher des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK), Christian Cardon, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Acht Delegierte liess das IKRK am Montag in Benghasi stationiert, fünf in Tobruk, nahe an der Grenze zu Ägypten. In Adschdabija, 160 südlich von Benghasi, war das IKRK bis Freitag anwesend.

AFP/pbe

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