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Ghadhafi bricht sein Wort und greift Misrata an

Die libysche Armee hat in Misrata ihre Kämpfe gegen die Rebellen fortgesetzt. In der Hafenstadt waren Explosionen zu hören. Die Rebellen dürfen sich aber über eine Spende freuen.

Erfolgreicher Schlag für Ghadhafi: Ein Treibstoffdepot in Misrata geht in die Luft. (7. Mai 2011)
Erfolgreicher Schlag für Ghadhafi: Ein Treibstoffdepot in Misrata geht in die Luft. (7. Mai 2011)
AFP
Libysche Aufständische verladen in Benghazi Waren für Misrata. (7. Mai 2011)
Libysche Aufständische verladen in Benghazi Waren für Misrata. (7. Mai 2011)
AFP
Ghadhafi-treue Soldaten lassen sich auf einer geführten Pressetour der Regierung fotografieren. (28. März 2011)
Ghadhafi-treue Soldaten lassen sich auf einer geführten Pressetour der Regierung fotografieren. (28. März 2011)
Reuters
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Entgegen früherer Angaben sagte der libysche Vizeaussenminister Chaled Kaim, die Regierungstruppen hätten sich aus der rund 200 Kilometer östlich von Tripolis gelegenen Stadt Misrata nicht zurückgezogen. «Sie haben lediglich ihre Operationen eingestellt.»

In den nächsten 48 Stunden solle den einheimischen Stämmen Zeit gegeben werden, eine «friedliche Lösung» zu finden.

«Falsches Spiel»

Der militärische Sprecher des oppositionellen Nationalen Übergangsrats, Omar Bani, bezeichnete diese Ankündigung als «Trick». Ghadhafi spiele ein «wirklich falsches Spiel», sagte er AFP. Ghadhafis Truppen hätten sich vielmehr hinter die Frontlinie zurückgezogen und bereiteten sich auf neue Angriffe vor.

Zwei Soldaten, die von den Rebellen gefangengenommen wurden, sagten AFP, die Ghadhafi-Truppen seien dabei, Misrata zu verlieren. Viele Armeemitglieder seien «nicht mit dem einverstanden, was vor sich geht», sagte der 25-jährige Misbah Mansuri. «Man hat uns den Befehl gegeben, jeden zu töten, der die Strasse überquert, auch Frauen und Kinder.»

Bei den anhaltenden Kämpfen kamen nach Spitalangaben am Sonntag mindestens drei Menschen ums Leben. Am Samstag waren mehr als 28 Menschen getötet worden. Nach Angaben von Rettungskräften wurde auch ein französischer Journalist von einem Irrläufer schwer verletzt. Nach Angaben von Kollegen arbeitet er für «alternative Blogs».

Angespannte humanitäre Lage

Mehr als 1400 Flüchtlinge aus Misrata trafen am Sonntag an Bord zweier Schiffe in Benghazi ein. Bei den Evakuierten handelte es sich nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) vor allem um ausländische Arbeiter.

Manche von ihnen hätten vier bis fünf Wochen in notdürftigen Lagern am Hafen der heftig umkämpften Stadt im Westen des Landes verbracht, sagte Javier Cepero vom IKRK. Derzeit seien noch zwischen 2000 und 3000 Menschen im Hafengebiet Misratas und warteten auf ihre Evakuierung.

Die humanitäre Lage in der Stadt blieb äusserst angespannt. Die Wasserversorgung lag weiter lahm. Es fehle an Geräten, Personal und Medikamenten, sagte ein Arzt. «Wir operieren in all unseren Einheiten wie am Fliessband.»

Mehrere Tote in Sirte

Die amtliche Nachrichtenagentur Jana berichtete von Nato-Luftangriffen auf «zivile und militärische Ziele» in Tripolis und vier weiteren Städten, darunter Ghadhafis Geburtsort Sirte. Dabei seien mehrere Menschen getötet und verletzt worden. AFP- Korrespondenten berichteten von mehreren schweren Explosionen am Samstagabend in Tripolis.

Mit dem ersten Angriff einer US-Kampfdrohne hat Washington am Wochenende sein militärisches Engagement in Libyen wieder verstärkt. Ein Pentagonsprecher bestätigte den Angriff am Samstag (Ortszeit), nannte aber keine weiteren Einzelheiten.

Schwieriges Zudrehen des Geldhahns

Die internationalen Bestrebungen, Ghadhafi den Geldhahn zuzudrehen, laufen einem Bericht der «Los Angeles Times» zufolge in einigen Teilen der Welt ins Leere. Obwohl die USA und die Europäische Union bereits 60 Milliarden Dollar eingefroren haben, scheuten sich viele Länder mit starken wirtschaftlichen Beziehungen zu Libyen, Guthaben von Ghadhafi zu sperren, berichtete die Zeitung. Dazu gehörten die Türkei sowie Kenia und andere afrikanische Länder.

Seit Beginn der Widerstandsbewegung Mitte Februar habe Ghadhafi Milliarden an US-Dollar aus dem Ausland zurück nach Tripolis transferieren können, berichtete das Blatt unter Berufung auf nicht näher genannte Behördenvertreter. Die genaue Höhe sei nicht bekannt, da Ghadhafi vermutlich in viele Unternehmen und Finanzinstitutionen investiert habe, die seine Beteiligung nicht offenlegten.

Kuwait spendet Millionen

Kuwait hat den Aufständischen in Libyen umgerechnet 160 Millionen Franken gespendet. Dieses Geld werde dem Nationalen Übergangsrat helfen, einen Teil der Löhne der Angestellten zu zahlen, sagte Übergangsrats-Chef Mustafa Abdel Dschalil am Sonntag in Kuwait.

Die Aufständischen benötigten dringend Unterstützung. Kuwaits Aussenminister Scheich Mohammed Sabah al-Salem Al Sabah kündigte an, Kuwait werde über den Übergangsrat «umfassende und dringende humanitäre Hilfe leisten».

Frankreich, Gambia, Italien und Katar sind bislang die einzigen Staaten, die den Nationalen Übergangsrat als legitime Regierung Libyens anerkannt haben.

AFP/ sda/pbe

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