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Flüchtlinge auf Lampedusa treten in Hungerstreik

Wegen der ihrer Ansicht nach unhaltbaren Bedingungen auf der Mittelmeer-Insel verweigern tunesische Flüchtlinge seit heute die Nahrung. Italien kündigt Härte an.

Solche Szenen sollen verhindert werden: Ein Flüchtlingsboot aus Tunesien kommt auf Lampedusa an. (7. Mai 2011
Solche Szenen sollen verhindert werden: Ein Flüchtlingsboot aus Tunesien kommt auf Lampedusa an. (7. Mai 2011
Keystone
Entkräftet: Eine Gruppe von afrikanischen Flüchtlingen auf Lampedusa. (30. April 2011)
Entkräftet: Eine Gruppe von afrikanischen Flüchtlingen auf Lampedusa. (30. April 2011)
Keystone
Die italienische Küstenwache hat ihre Präsenz vor der Insel Lampeduas verstärkt.
Die italienische Küstenwache hat ihre Präsenz vor der Insel Lampeduas verstärkt.
Keystone
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Eine Gruppe tunesischer Migranten, die mit Flüchtlingsbooten die Insel Lampedusa erreicht haben, ist heute in einen Hungerstreik getreten. Damit protestierten sie gegen unmenschliche Bedingungen auf der Insel, auf der sich 5500 Migranten befinden.

Die meisten Flüchtlinge konnten nicht in dem einzigen Auffanglager der Insel untergebracht werden und müssen in Zeltlagern übernachten. Die Migranten protestierten wegen den schwierigen hygienischen Bedingungen und den langen Wartezeiten für die Mahlzeiten. Sie verlangten, aufs Festland geführt zu werden.

In den vergangenen 24 Stunden erreichten rund 2000 Migranten die Insel. Ein Boot mit 388 Tunesiern traf heute in Lampedusa ein. Inzwischen wächst die Sorge wegen eines aus Libyen abgefahrenen Schlauchboots mit 68 Migranten an Bord. Das Boot hatte per Satellitentelefon bei einer humanitären Organisation in Italien um Hilfe gebeten. Die Migranten berichteten, das Boot befinde sich 60 Seemeilen von den libyschen Küsten entfernt, ohne Treibstoff und Lebensmittel. Seit dem Anruf fehle jede Spur des Flüchtlingsbootes, berichteten italienische Medien.

EU um Unterstützung gebeten

Italiens Innenminister Roberto Maroni berichtete, dass seit Jahresbeginn 18'000 Migranten auf Lampedusa eingetroffen seien. 13'000 seien in Auffanglagern in Italien untergebracht worden. «Wir sind zur Zwangsabschiebung bereit, sollte sich Tunesien in den nächsten Tagen nicht für die Rückübernahme der Migranten einsetzen», sagte Maroni in einem Interview mit der Mailänder Tageszeitung «Corriere della Sera». Die Migranten aus Tunesien seien keine Flüchtlinge.

Maroni bemängelte, dass sich Tunesien verpflichtet habe, Massnahmen gegen die Abfahrt der Migranten von seinen Küsten zu ergreifen, die Massenabfahrten seien jedoch nicht gestoppt worden. Maroni appellierte auch an die EU: «Die ganze EU muss sich um die Frage der Flüchtlinge aus Nordafrika kümmern», so der Innenminister.

Ein Teil der Migranten aus Lampedusa wurden im neu errichtete Flüchtlingsdorf Mineo unweit der sizilianischen Stadt Catania untergebracht. Gegen das neue Flüchtlingsdorf demonstrierten Aktivisten der Rechtspartei «La Destra».

Rom schickt sechs Schiffe

Italiens Behörden wollen nun möglichst viele afrikanische Flüchtlinge von der hoffnungslos überfüllten Mittelmeer-Insel Lampedusa in andere Landesteile bringen. Dazu schickt Rom sechs Schiffe auf den Weg zu der Insel.

Die fünf Passagierschiffe sowie das bereits zum Flüchtlingsabtransport eingesetzte Marineschiff «San Marco» haben Platz für rund 10'000 Menschen und werden am Mittwoch in Lampedusa eintreffen, wie das italienische Innenministerium am Montag mitteilte.

SDA/oku

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