Papst ernennt Jesuiten zum Nachfolger von Hardliner Müller

Glaubenschef Gerhard Ludwig Müller ist wegen anhaltender Differenzen vom Papst entlassen worden. Müllers Nachfolger kommt aus Spanien.

Überraschender Entscheid: Papst Franziskus trennt sich offenbar von Gerhard Ludwig Müller, Kurienkardinal und Präfekt der Glaubenskongregation.

Überraschender Entscheid: Papst Franziskus trennt sich offenbar von Gerhard Ludwig Müller, Kurienkardinal und Präfekt der Glaubenskongregation.

(Bild: Getty/Giuseppe Giccia)

Michael Meier@tagesanzeiger

Unruhe in der obersten Etage des Vatikans. Am Donnerstag wurde bekannt, dass Kurienkardinal George Pell wegen Pädophilievorwürfen sein Amt als Finanzchef des Vatikans bis auf weiteres niederlegt. Gestern meldeten verschiedene italienische und deutsche Blogs, Papst Franziskus habe einen andere zentrale Figur im Vatikan entlassen: Den aus Deutschland stammenden Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der römischen Glaubenskongregation und damit oberster Glaubenswächter der römischen Kirche. Der Vatikan bestätigte die Trennung am Samstagmorgen. Ob der eine Abgang mit dem anderen zu tun hat, steht noch nicht fest. Müllers Glaubenskongregation ist für die Aufarbeitung aller Missbrauchsfälle in der Kirche zuständig. Möglich, dass Franziskus Müller entlässt, weil er die Fälle nicht entscheiden genug an die Hand nahm und mit gewissen fehlbaren Klerikern zu gnädig war.

Gegen die Öffnung gestemmt

Papst Franziskus hatte Müller von seinem Vorgänger Papst Benedikt XVI. übernommen, der selber viele Jahre lang Glaubenspräfekt war. Zwischen dem äusserst konservativen Müller und dem lateinamerikanischen Papst hatte die Chemie von Anfang an nicht gestimmt. Der frühere Dogmatik-Professor deutscher Zunge stemmte sich mit Vehemenz gegen die minime Öffnung der katholischen Ehelehre, wie sie die Weltbischofssynode 2014 und 2015 und Papst Franziskus in seinem Schreiben Amoris laetitia festhielten: In Ausnahmefällen dürfen wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion empfangen. Müller hielt indes klar an der herkömmlichen Lehre fest, wonach die Ehe unauflöslich ist und infolgedessen die Wiederverheirateten von den Sakramenten ausgeschlossen bleiben.

Bei der zweiten Bischofssynode zu Ehe und Familie im Herbst 2015 gehörte Müller zu den 13 Kardinälen, die in einem berühmt gewordenen Brief gegen die Leitung der Synode und deren Reformwünsche protestierten. Glaubenspräfekt Müller beobachtet auch äusserst skeptisch, wie Franziskus sich bemühte, sich Schritt für Schritt mit den traditionalistischen Pius-Brüdern auszusöhnen und sie in die Kirche zurückzuholen. Müller, selber äusserst konservativ, ging schon als Bischof von Regensburg auf Distanz zu den dort ansässigen Lefebvristen und ihrem Priesterseminar.

Ein ungewöhnlicher Schritt

Mit der Entlassung wartete das Kirchenoberhaupt den Ablauf der vorerst auf fünf Jahre befristeten Amtsperiode Müllers ab. Eigentlich hätte er den von Benedikt übernommenen Kardinal bei Amtsantritt im März 2013 entlassen können. So oder so ist die Entlassung völlig ungewöhnlich.

Allerdings wird schon seit langem über die Ablösung Müllers als Chef der Glaubenskongregation spekuliert. Zum Nachfolger ernannte Papst Franziskus Kurienerzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer. Der 73-jährige Spanier ist wie der Papst selbst Mitglied des Jesuitenordens. Er war bisher Sekretär der Glaubenskongregation.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt