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Der Coup von Johnsons Brexit-Partner

Als Verräter Brutus stellte Boris Johnson heute Michael Gove hin. Tatsächlich schoss dieser den Blondschopf mit einer spitzen Bemerkung und seiner Kandidatur aus dem Premier-Rennen.

Da hat einer gewonnen: Michael Gove (l.) an einer Pressekonferenz mit Boris Johnson. (Archiv)
Da hat einer gewonnen: Michael Gove (l.) an einer Pressekonferenz mit Boris Johnson. (Archiv)
AFP

Er sei «widerstrebend zu dem Schluss gekommen», dass der ehemalige Londoner Bürgermeister Johnson nicht in der Lage sei, die notwendige Führerschaft zu übernehmen oder ein geeignetes Team für die anstehenden Herausforderungen zu bilden, erklärte Michael Gove heute Morgen.

Der 48-jährige Justizminister in der Regierung von David Cameron hatte soeben – zur allgemeinen Überraschung – seine Kandidatur im Rennen um die Nachfolge des scheidenden Premiers bekannt gegeben. Für Politbeobachter in London war rasch klar: Damit stellt sich Gove gegen die zu diesem Zeitpunkt noch erwartete Kandidatur Johnsons.

Brutus von «Julius Cäsar»

Boris Johnson quittierte die Salve Goves gegen ihn später mit Auszügen aus Shakespeares Drama «Julius Cäsar» - und wies Gove die Rolle des Verräters Brutus zu.

Gove war, solange er noch mit Johnson in der Brexit-Kampagne zusammenwirkte, als ein künftiger Finanzminister unter einem Premierminister Johnson gehandelt worden. Er habe bislang stets gesagt, dass er nicht selbst Regierungschef werden wolle, erklärte der Justizminister am Donnerstagmorgen. Seit dem mehrheitlichen Votum der Briten für den EU-Austritt vor einer Woche hätten «die Ereignisse» aber schwer auf ihm «gelastet».

Der nüchternere, intellektuellere Brexiter

Der ehemalige «The Times»-Journalist war unter Cameron bis 2014 Bildungsminister, nach der Wahl 2015 leitete er das Justizressort. Gove ist ein enger Freund und langjähriger Weggefährte Camerons - seine Entscheidung, dem Brexit-Lager beizutreten, war ein schwerer Schlag für den Tory-Chef. Im Gespann mit Brexit-Wortführer Boris Johnson galt Gove als der nüchternere, intellektuellere Vertreter der «Leave»-Kampagne.

Mit seinem Coup am Morgen läutete Gove dann den Verzicht des ehemaligen Londoner Bürgermeisters Johnson auf seine eigene Kandidatur ein.

«... dass ich nicht die Person sein kann»

Johnson sagte am Mittag bei der Bekanntgabe seines Verzichts auf eine Kandidatur, nach Beratungen mit Kollegen und angesichts der Verhältnisse im Parlament sei er zu dem Schluss gekommen, «dass ich nicht die Person sein kann», die diese Aufgabe übernimmt. Nach dem Brexit-Votum waren Johnson gute Chancen auf Camerons Nachfolge eingeräumt worden. Doch tauchte er tagelang ab und erklärte dann in einer Zeitungskolumne, dass der Austritt Grossbritanniens aus der EU «keine Eile» habe.

Video – Häme und Humor über Johnsons Absage:

Nun hat der scheidende britische Premierminister David Cameron fünf Anwärter auf seine Nachfolge als Chef der regierenden Konservativen und damit auch als Regierungschef. Das Bewerberfeld wird nun zunächst per Abstimmung der Tory-Abgeordneten verkleinert. Über die verbleibenden zwei Kandidaten sollen dann die rund 150'000 Parteimitglieder per Briefwahl abstimmen. Voraussichtlich am 9. September soll der neue Regierungschef bekannt gegeben werden. Bildstrecke – Grossbritannien sagt goodbye

Brexit-Zeitplan bleibt auch nach Gerichtsurteil unverändert: PremierministerinTheresa May, hier während ein Pressekonferenz in London. (2. November 2016)
Brexit-Zeitplan bleibt auch nach Gerichtsurteil unverändert: PremierministerinTheresa May, hier während ein Pressekonferenz in London. (2. November 2016)
Keystone
Die Kläger argumentierten, dass das Ergebnis des Referendums über den EU-Austritt rechtlich nicht bindend sei: Brexit-Gegner demonstrieren vor dem High Court in London.
Die Kläger argumentierten, dass das Ergebnis des Referendums über den EU-Austritt rechtlich nicht bindend sei: Brexit-Gegner demonstrieren vor dem High Court in London.
AP Photo/Frank Augstein, Keystone
Politische Verkehrsführung: Die Wegweiser zu den Wahllokalen sind nicht zu übersehen. Hier in Westlondon. (23. Juni 2016)
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Toby Melville, Reuters
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(afp/dapd)

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