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Auch John McCain beschwört die Veränderung

Bei seiner Antrittsrede als Präsidentschaftskandidat der Republikaner kritisierte John McCain die eigene Partei und gab sich als unabhängiger Reformer. Nur so kann er siegen.

Vor einem Jahr, im September 2007, tingelte John McCain abgeschlagen und nahezu aussichtslos durch den Präriestaat Iowa – ein in die Jahre gekommener republikanischer Präsidentschaftsbewerber, dem es an Geld und Wählern mangelte. Nach einem furiosen Comeback aber nahm der Senator aus Arizona am Donnerstagabend beim Republikanischen Parteitag in der Doppelstadt Minneapolis St. Paul «dankbar» die Nominierung seiner Partei zum Präsidentschaftskandidaten an.

In einer stellenweise monotonen Rede appellierte McCain vor den Delegierten des Parteitags weniger an seine Partei als vor allem an parteilose Wechselwähler und gab sich zu diesem Zweck als ein Reformer aus, der weder seiner Partei noch dem Washingtoner Establishment verpflichtet sei. Ihm gehe es nur um das Wohl des Landes, versicherte McCain. Dem «Parteiengezänk» in der Hauptstadt sagte er den Kampf an, da dadurch dringend benötigte Reformen blockiert würden.

Obwohl die Republikanische Partei seit acht Jahren das Weisse Haus besetzt und über sechs der letzten acht Jahre über Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses verfügte, stand die Rede des Senators ganz im Zeichen von Veränderung und Wechsel – womit McCain dieselben Schlagworte aufgriff wie sein demokratischer Rivale Barack Obama. Der republikanische Präsidentschaftskandidat betonte, er habe bewiesen, dass er über die Parteigrenzen hinweg politische Brücken zu schlagen im Stande sei.

Tatsächlich hatte McCain sowohl bei der später gescheiterten Einwanderungsreform als auch bei der Reform der Wahlkampffinanzierung mit den Demokraten und gegen seine eigene Partei gearbeitet. Er habe «die Narben», um dies zu beweisen, sagte McCain vor dem Parteitag. Seine eigene Partei kritisierte der Senator: «Wir sind gewählt worden, um Washington zu verändern, aber haben es zugelassen, dass Washington uns verändert hat.»

Zehn Millionen innert 24 Stunden

Präsident Bush erwähnte der republikanische Präsidentschaftskandidat nur in einem einzigen Satz, während er Senator Obama und dessen Anhängern versicherte, trotz aller Unterschiede «Respekt und Bewunderung» für sie zu hegen. Sein demokratischer Konkurrent sei allerdings «ein Neuling», so McCain. Über seine am Mittwoch mit grosser Begeisterung gefeierte Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin sagte McCain unter neuerlichem Jubel, er könne kaum warten, «bis ich sie in Washington vorstelle».

Erneut beschäftigte sich der 72-jährige Senator in seiner Rede am Donnerstag mit seiner fünfjährigen Gefangenschaft während des Kriegs in Vietnam und klang zuweilen, als stehe er nicht an der Schwelle zum Präsidentenamt, sondern am Ende einer langen und ehrenhaften Karriere. Erst gegen Schluss, als McCain seine Zuhörer in der Halle und vor den Fernsehern aufforderte, sie sollten «aufstehen und kämpfen», kam Schwung in seine Rede, die klar überschattet wurde von der kämpferischen Ansprache seiner Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin am Vortag.

Die Reaktionen auf McCains Rede fielen entsprechend zwiespältig aus. Unter anderem wurde bemängelt, dass sich der Senator nicht genügend vom politischen Katechismus der Republikaner abgesetzt habe. Präsident Bushs früherer Redenschreiber Michael Gerson wertete die Ansprache als «ziemlich enttäuschend»; andere Kommentatoren beharrten indes darauf, dass McCain bei seinem Werben um Wechselwähler den richtigen Ton gefunden habe.

Das Lager des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama gab unterdessen bekannt, dass nach der von heftigen Angriffen auf den Demokraten bestimmten Rede von John McCains Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin innerhalb von 24 Stunden zehn Millionen Dollar Spendengelder eingegangen seien.

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