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Zehntausende Japaner ohne Strom, Gas und Wasser

Nach dem neuerlichen Erdbeben im Nordosten des Landes sind in dem betroffenen Gebiet noch immer 260'000 Menschen ohne Elektrizität. Derweil führt die Regierung Grenzwerte für Strahlung bei Lebensmitteln ein.

Im AKW Onagawa war nach dem Nachbeben ein Wasserleck entdeckt worden. Das Kraftwerk ist seit der Tsunami-Katastrophe abgeschaltet.
Im AKW Onagawa war nach dem Nachbeben ein Wasserleck entdeckt worden. Das Kraftwerk ist seit der Tsunami-Katastrophe abgeschaltet.
Keystone
Die Scheibe bei einem Autohändler ist in Brüche gegangen.
Die Scheibe bei einem Autohändler ist in Brüche gegangen.
AFP
Nach dem Erdbeben fiel in mehreren Städten der Strom aus. (8. April 2011)
Nach dem Erdbeben fiel in mehreren Städten der Strom aus. (8. April 2011)
Reuters
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Zahlreiche Haushalte sind von der Gas- und Wasserversorgung abgeschnitten. Bei dem Beben der Stärke 7,1 vom Donnerstag kamen drei Menschen ums Leben. Aus dem schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima werden keine zusätzlichen Probleme aufgrund des Erdstosses gemeldet. Dort pumpen Arbeiter weiter Stickstoff in die Kammer eines Reaktors, um das Risiko einer Wasserstoffexplosion zu verringern. Ausserdem leitet die Betreiberfirma Tepco weiterhin radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer. Damit soll Platz für die Lagerung stärker verstrahlten Wassers geschaffen werden. Die Arbeiten sollen am Sonntag abgeschlossen werden.

Die Regierung kündigte am Freitag neue Strahlungsgrenzwerte für Reis an. Bauern dürfen ausserdem in Gebieten mit zu hoher Cäsium-Strahlung keinen Reis mehr anbauen. Bislang betrifft dies lediglich zwei Orte im Dorf Iitate, 40 Kilometer von dem Atomkraftwerk entfernt. Die Landwirte sollen für den Ausfall entschädigt werden. Die Regierung habe schnell entscheiden müssen, da man sich in der Pflanzzeit befinde, sagte Landwirtschaftsminister Michihiko Kano. Die Präfektur Fukushima ist das viertwichtigste Reisanbaugebiet in Japan. Vor wenigen Tagen hatte die Regierung erstmals auch Strahlungsgrenzwerte für Fisch festgelegt.

Rationierung von Lebensmitteln und Wasser

Am Freitag hoben die Behörden das Verkaufsverbot für einzelne Feldfrüchte aus bestimmten Gebieten auf. Spinat und die Gemüseart Kakina aus der Präfektur Gunma sowie Milch aus dem am weitesten vom Kraftwerk entfernten Teil von Fukushima dürfen nun wieder angeboten werden. In zahlreichen Supermärkten in der Region gingen wegen eines Ansturms von Käufern nach dem jüngsten Beben Grundnahrungsmittel und Wasser aus; vielerorts wurde daraufhin die Menge der Einkäufe pro Person begrenzt. Auch an Tankstellen bildeten sich lange Schlangen.

Gewaltige Pumpe aus den Vereinigten Staaten

Ein russisches Frachtflugzeug vom Typ Antonow AN-124 landete am Freitag in Atlanta in den USA, um eine 86 Tonnen schwere Riesenpumpe nach Japan zu bringen. Die umgebaute Betonpumpe soll dort zur Kühlung des havarierten Atomkraftwerks eingesetzt werden. Die von Putzmeister America, einem Tochterunternehmen von Putzmeister aus Deutschland, gebaute Pumpe hat einen 60 Meter langen Auslegerarm und kann aus bis zu drei Kilometern ferngesteuert werden. So können auch bislang nur schwer zu erreichende Teile des AKWs Fukushima mit Wasser gekühlt werden.

Falls nötig, könnte die Pumpe auch eingesetzt werden, um das AKW einzubetonieren. Nach dem Atomunglück von Tschernobyl 1986 schickte Putzmeister elf Betonpumpen in die Ukraine. Die Pumpe aus Atlanta und eine weitere aus Los Angeles sollten am Samstag nach Japan gebracht werden.

China: Lebensmittel-Einfuhren bereits untersagt

China verbot unterdessen Lebensmitteleinfuhren aus zwölf Gebieten in der Nähe von Fukushima. Es handele sich um eine reine Vorsichtsmassnahme um zu verhindern, dass verstrahlte Lebensmittel ins Land gelangen, berichtete am Samstag die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Die Importe aus anderen Teilen Japans würden zudem auf Radioaktivität getestet. Radioaktive Teilchen, die aus Fukushima stammten, wurden in vielen Teilen Chinas nachgewiesen.

dapd/raa

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