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Wenn Wunderwaffen vom Himmel fallen

Drohnen sollen in Zukunft herkömmliche US-Kampfjets ersetzen. Doch die geheimen Afghanistan-Protokolle zeigen jetzt: Die Hightech-Geräte stürzen häufig ab. Die Bergungsmissionen sind für Soldaten eine tödliche Gefahr.

Killerdrohnen namens Predator oder Reaper der US-Air-Force verbreiten in Afghanistan und im Irak Angst und Schrecken. Rund 20 Predator-Drohnen fliegen derzeit ständig über das bergige Gelände Afghanistans. Die Drohnen werden teilweise von Soldaten in gekühlten Containern nahe von Las Vegas gesteuert. Es gibt sie in allen Grössen: Die Raven können die Soldaten beispielsweise wie ein Modellflugzeug in die Luft schicken und damit um Ecken und hinter Häuser sehen.

Barack Obama intensiviert den Drohnenkrieg laufend: Das US-Verteidigungsministerium gibt dieses Jahr nach offiziellen Angaben 5,4 Milliarden US-Dollar für die Entwicklung, den Bau und den Einsatz von unbemannten Kampfsystemen aus – den grössten Anteil davon für Drohnen. Mittlerweile werden mehr Soldaten für die Steuerung von Drohnen ausgebildet als für das Cockpit selbst. Bis 2015 sollen die Roboter bereits 15 Prozent der Streitkräfte ausmachen, wie die Nachrichtenagentur «Pressetext» schrieb.

Drohnenfliegen als Masterstudium

Experten sehen gar das Ende von herkömmlichen Piloten beim Militär, der F-35-Kampfjet würde womöglich der letzte bemannte US-Jet sein. Im US-Staat Indiana herrscht gemäss «Pressetext» in der Drohnenindustrie Goldgräberstimmung. Universitäten bieten die Ausbildung zum Drohnenflieger als Masterstudium an.

Doch durch die veröffentlichten Afghanistan-Protokolle über Wikileaks werden die als neue Wunderwaffe gefeierten Drohnen entzaubert. Die Superwaffen sind störanfällig, wie der «Spiegel» schreibt und sich dabei auf Unfallberichte des US-Verteidigungsministeriums beruft.

Zu früh im Krieg eingesetzt

Gemäss dem deutschen Nachrichtenmagazin sind bereits 38 «Predator»- und «Reaper»-Drohnen im Kampfeinsatz in Afghanistan und im Irak abgestürzt. Insgesamt gibt die US-Luftwaffe 79 Drohnen-Unglücke zu.

Die Entwicklung der Drohnen ging sehr schnell – offenbar zu schnell. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 musste das moderne Kriegsgerät sofort einsatzbereit sein. «Die Drohnen waren damals gar nicht fertig für den Kriegseinsatz», sagt Travis Burdine, Manager der Air Force Unmanned Aircraft Systems Taskforce.

Wenn eine Drohne abstürzt, sorgt sich das US-Militär darum, dass die hochkomplexe Computerelektronik und die Datenbanken nicht in falsche Hände fallen. Um dem Feind keine wertvollen Informationen zu überlassen, folgt beinahe jedem Drohnenabsturz eine aufwendige Bergungsaktion.

«Wir versuchen den Vogel zu retten»

Eigentlich sollten die Drohnen das Leben von US-Soldaten schützen, nun bedeutet die Bergung von abgestürzten Fluggeräten aber ganz neue Gefahren für die Männer im Einsatz, wie folgender Auszug aus einem geheimen Bericht der Afghanistan-Protokolle in der aktuellen Ausgabe des «Spiegels» zeigt:

«17. Oktober 2009: Die afghanische Nationalarmee erhielt Informationen, dass sich ungefähr 20 Aufständische in einem ausgetrockneten Flussbett nach Süden bewegten. Um etwa 14 Uhr wurde eine Drohne Raven gestartet und flog direkt bis zu unserem Stützpunkt. Wir sahen keinen Feind im Flussbett. Während die Raven ungefähr 300 Meter vom Stützpunkt entfernt umkehren wollte, verlor sie plötzlich an Höhe und stürzte ab.»

Soldaten konnten das Fluggerät nicht bergen

Danach wurde es hektisch: «Wir versuchten unverzüglich, eine Fusspatrouille zu organisieren, um den Vogel zu retten. An der Patrouille sollen sechs US-Soldaten und 40 afghanische Soldaten teilnehmen. Wir verlangten Luftunterstützung, um den Absturzort und die Raven kontrollieren zu können. Während wir das vorbereiteten, bekamen die afghanischen Soldaten kalte Füsse und beschlossen, die Patrouille nicht mitzumachen. Wir versuchten eine Patrouille zu Fuss und im Fahrzeug zusammenzustellen, die die Raven bergen könnte. Es waren Informationen eingelaufen, dass die Drohne von Aufständischen abgeschossen worden war, dass ein Anschlag in der Nähe geplant und der Vogel schon durch das Flussbett zum Haus eines Taliban-Kommandeurs geschleppt wurde.»

Zwar machte sich die Patrouille zur Rettung des teuren Fluggeräts noch auf den Weg, musste aber schon bald abbrechen, weil es mehrere Berichte über geplante Anschläge auf sie gab.

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