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Weil er die Spur zu Osama bin Laden legte: Arzt muss ins Gefängnis

Shakil Afridi täuschte eine Impfaktion vor und half so mit, Osama bin Laden zu finden. Nun muss er wegen Hochverrats 33 Jahre in Haft. Die Beziehungen zwischen Pakistan und den USA werden damit noch schlechter.

Anwohner und Journalisten vor dem Haus Osama bin Ladens einen Tag nach seiner Tötung. (16. Mai 2012)
Anwohner und Journalisten vor dem Haus Osama bin Ladens einen Tag nach seiner Tötung. (16. Mai 2012)
Keystone

Den Beziehungen zwischen Islamabad und Washington droht eine neue Eiszeit: Nach seiner mutmasslichen Mithilfe bei der Jagd auf Al-Kaida-Chef Osama bin Laden muss ein pakistanischer Arzt wegen Hochverrats für 33 Jahre in Haft. Shakil Afridi muss laut dem Urteilsspruch ausserdem eine Strafe von umgerechnet rund 3300 Franken zahlen, wie ein Regierungsvertreter in der Khyber-Region erklärte. Sollte er dies nicht tun, werde die Gefängnisstrafe um weitere dreieinhalb Jahre aufgestockt.

Afridi soll als Leiter eines Impfprogramms dem US-Geheimdienst CIA beim Sammeln von DNA-Spuren geholfen haben, die Beweise für Bin Ladens Anwesenheit in Abbottabad liefern sollten. Dort tötete eine US-Spezialeinheit den Extremistenführer im Mai vergangenen Jahres. Kurz nach der Kommandoaktion wurde Afridi in der Khyber-Region festgenommen und vor Gericht gestellt. Der Prozessbeginn wurde allerdings nie bekannt gegeben.

«Nationale Interessen»

Das Urteil gegen Afridi erging nach dem Recht der halbautonomen Stammesregionen Pakistans (FCR). Menschenrechtsorganisationen kritisieren, dass das Justizsystem betroffenen Verdächtigen kein rechtsstaatliches Verfahren garantiert. So gibt es kein Recht auf eine Verteidigung, eine Beweisführung oder eine Zeugenbefragung.

Ranghohe US-Regierungsvertreter hatten die Freilassung Afridis gefordert und argumentiert, seine Arbeit habe sowohl pakistanischen wie amerikanischen Interessen gedient. Das sahen pakistanische Behörden jedoch anders: «Er arbeitete für einen ausländischen Geheimdienst. Wir kümmern uns um unsere nationalen Interessen», erklärte ein pakistanischer Geheimdienstmitarbeiter.

Stimmung auf dem Tiefpunkt

Das US-Verteidigungsministerium ging in einer Stellungnahme allenfalls indirekt auf den Fall Afridi ein. «Jeder, der die Vereinigten Staaten bei der Suche nach Osama bin Laden unterstützte, arbeitete nicht gegen Pakistan. Er oder sie ging gegen die al-Qaida vor», erklärte Pentagon-Sprecher George Little vor Journalisten.

Mit dem Urteil gegen Afridi dürften sich die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Washington und Islamabad weiter verschlechtern. Diese erreichten zuletzt im November ihren Tiefpunkt, als bei einem US-Militärschlag im Grenzgebiet zu Afghanistan 24 pakistanische Soldaten getötet wurden. Die USA bezeichneten den Vorfall als bedauerlichen Unfall, was die pakistanische Streitkräfte jedoch zurückwiesen. In einer Reaktion schloss Islamabad die NATO-Versorgungsrouten nach Afghanistan, seitdem muss das Militärbündnis auf Transitrouten durch Russland und Zentralasien ausweichen.

Shakil Afridi kann nach Regierungsangaben innerhalb von zwei Monaten gegen das Urteil in Berufung gehen.

(dapd)

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