Zum Hauptinhalt springen

Viele Tote bei Raketeneinschlag auf Hochzeitsfeier

Gäste einer Hochzeit warten vor einem Haus auf die Braut – dann schlägt eine Rakete ein. Mindestens 28 Menschen werden getötet. Offenbar haben afghanische Soldaten das Geschoss abgefeuert.

Auch Kinder sind unter den Verletzten: Nach Polizeiangaben wurden mindestens 26 Zivilisten getötet. Mehr als 40 Menschen seien verletzt worden. (1. Januar 2015)
Auch Kinder sind unter den Verletzten: Nach Polizeiangaben wurden mindestens 26 Zivilisten getötet. Mehr als 40 Menschen seien verletzt worden. (1. Januar 2015)
AFP

Nach Ende des Isaf-Kampfeinsatzes in Afghanistan erschüttert ein tödlicher Raketentreffer bei einer Hochzeitsfeier das Land. Mindestens 28 Menschen kamen um, 51 weitere wurden verletzt, wie die Polizei in der südlichen Provinz Helmand mitteilte. Die Rakete wurde den Angaben zufolge offenbar von afghanischen Soldaten abgefeuert. Nun werde ermittelt, ob dies in einem Gefecht mit den Taliban geschah oder willkürlich.

Die Rakete traf die Hochzeitsgesellschaft am späten Abend, als sie vor einem Haus im Bezirk Sangin auf die Braut wartete, wie der Polizeivizechef der Provinz, Bascha Gull, sagte. Unter den Opfern waren viele Frauen und Kinder. Der örtliche Stammesführer Tadsch Mohammed präsentierte 35 Leichen, doch die Polizei bestätigte zunächst nur 28 Todesfälle.

«Neun meiner Kinder werden vermisst»

Abdul Haleem, ein Cousin der Braut und gleichzeitig Gastgeber der Feier, sagte: «Neun meiner Kinder werden vermisst. Ich habe gerade Teile von Körpern eingesammelt», sagte Haleem. «Ich weiss nicht, ob sie zu meinen Kindern oder jemand anderem gehören.»

Der zwölfjährige Abdullah Jan wusste auch heute nicht, wo seine Mutter ist. Die Frau war zur Begrüssung der Braut nach draussen gegangen. «Ich rannte hinterher zur Tür, als ich einen Knall hörte und mich ein Blitz wie Feuer traf», sagte Abdullah in einer Klinik. Seine Beine waren gebrochen und er hatte Verbrennungen.

Ermittler prüfen nach Gulls Worten die Abläufe an zwei Armee-Checkpoints in der Nähe. Direkt nach dem Raketentreffer hatte es geheissen, es habe Gefechte zwischen Sicherheitskräften und den Taliban gegeben. Gull sagte, die üblicherweise binnen 24 Stunden abgehaltenen Begräbnisse für die Opfer seien verschoben worden, um die Ursache des Raketenbeschusses zu klären.

Der Armeechef der Provinz, Sultan Mahmud, äusserte sich zurückhaltend. Nach bisherigen Ermittlungsergebnissen sei vom Norden und vom Süden aus einer Distanz von drei Kilometern mit Artillerie auf das Haus gefeuert worden. «Wir sehen keine Hinweise, dass die Taliban aus einer solchen Distanz schiessen können», sagte der General.

Im Tal wird Mohn angebaut

In Sangin war es seit dem Abzug ausländischer Truppen immer wieder zu Kämpfen gekommen. Im Tal des Helmand-Flusses wird Mohn angebaut. Die Sicherheitsverantwortung liegt dort seit sechs Monaten bei afghanischen Kräften. Zum 1. Januar 2015 sind die 350000 Polizisten und Soldaten überall im Land auf sich gestellt. Die Nato, die ihren Kampfeinsatz zum Jahreswechsel beendete, hat nur noch 13500 Soldaten als Berater, Ausbilder und für Spezialeinsätze im Land.

Präsident Aschraf Ghani warb in einer Fernsehansprache bei seinen Landsleuten um Unterstützung für die Sicherheitskräfte und würdigte den Beginn der vollen Souveränität des Landes. Noch vor einem Jahr hätten internationale Experten nicht an einen friedlichen Übergang geglaubt, doch sei er erfolgreich abgeschlossen worden.

Die Zahl der Attacken und Opfer war in den vergangenen Wochen gestiegen. 2014 wurden rund 5000 afghanische Soldaten und Polizisten getötet, 10'000 Zivilisten wurden Schätzungen zufolge getötet oder verletzt.

AP/bru

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch