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USA forcieren Anti-IS-Kampf nach Anschlägen

Die US-Regierung reagiert auf die jüngsten Terrorakte und verspricht mehr Druck auf den IS. Der irakische Präsident verschärft sein Sicherheitskonzept.

Ungeheure Zerstörung: Die Detonation einer Autobombe riss bei diesem Gebäude in Bagdad die ganze Front weg. (4. Juli 2016)
Ungeheure Zerstörung: Die Detonation einer Autobombe riss bei diesem Gebäude in Bagdad die ganze Front weg. (4. Juli 2016)
Ahmad al-Rubaye, AFP
Zwei grosse Anschläge in kurzer Zeit in Bagdad: Im Zentrum der irakischen Hauptstadt detonierte im belebten Geschäftsviertel Karada eine Autobombe. (3. Juli 2016)
Zwei grosse Anschläge in kurzer Zeit in Bagdad: Im Zentrum der irakischen Hauptstadt detonierte im belebten Geschäftsviertel Karada eine Autobombe. (3. Juli 2016)
Khalid Mohammed, AFP
Die Feuerwehrleute kämpfen gegen die Flammen. (3. Juli 2016)
Die Feuerwehrleute kämpfen gegen die Flammen. (3. Juli 2016)
Hadi Mizban, Keystone
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Nach den verheerenden Anschlägen in Bagdad sagen die USA der Terrormiliz Islamischer Staat einmal mehr den Kampf an. Die jüngsten Attacken bestärkten Washington nur in der Entschlossenheit, die irakischen Sicherheitskräfte beim Vorgehen gegen den IS zu unterstützen, erklärte Ned Price, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats im Weissen Haus, am Sonntag. Auch die US-Bemühungen um eine Beseitigung der IS-Terrornetzwerke und deren Führer würden forciert.

In der Nacht zum Sonntag haben Extremisten bei zwei Anschlägen in Bagdad mindestens 120 Menschen getötet und 203 weitere verletzt. Im Zentrum der irakischen Hauptstadt detonierte in dem belebten Geschäftsviertel Karada eine Autobombe und riss 115 Menschen in den Tod, 187 wurden verletzt. Der IS bekannte sich und erklärte, der Anschlag habe Schiiten gegolten. Bei einem zweiten Anschlag im Osten der Stadt kamen fünf weitere Menschen ums Leben, 16 wurden verwundet. Für diese Bluttat übernahm zunächst niemand die Verantwortung, doch trug sie nach Einschätzung von Beobachtern ebenfalls die Handschrift des IS.

Schlimmster Gewaltakt seit einem Jahr

Die jüngsten Angriffe trafen den Irak kurz vor dem Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan, wenn junge Menschen und Familien nach Sonnenuntergang die Strassen der Hauptstadt säumen. Es war der schlimmste Gewaltakt im Irak seit Juli 2015. Damals hatte ein Bombenanschlag in der Provinz Dijala mindestens 115 Menschen das Leben gekostet.

Unter den Opfern waren viele Frauen und Kinder, die sich in einem mehrstöckigen Einkaufszentrum und einer Vergnügungshalle aufgehalten hatten, wie ein Polizeisprecher sagte. Dutzende seien verbrannt oder erstickt.

«Es war wie ein Erdbeben»

Der 35-jährige Strassenverkäufer Karim Sami sagte: «Es war wie ein Erdbeben.» Er habe einen Feuerball und eine gewaltige Bombenexplosion gesehen. Einer seiner Freunde sei ums Leben gekommen, einer sei verletzt worden, ein dritter werde noch vermisst.

Kummer und Trauer über die Gewaltakte entluden sich bei vielen Irakern in Wut auf Ministerpräsident Haidar al-Abadi, der Stunden nach dem Attentat den Tatort besuchte. In Videos in sozialen Netzwerken war zu sehen, wie er von einer aufgebrachten Menge beschimpft wurde. Steine, Benzinkanister und Schuhen flogen auf seinen Konvoi. Später sprach Abadi in einer Erklärung von einer «schmerzlichen Tragödie», die «Irakern der Freude über ihre Siege über den verwerflichen IS in Falluja beraubt» habe.

Vor rund einer Woche war die zentralirakische Stadt aus den Fängen der Extremistengruppe befreit worden. Sie kontrolliert aber immer noch Mosul, die zweitgrösste Stadt des Irak, sowie weite Landstriche im Norden und Westen des Landes.

IS rächt sich an Zivilisten

Der UN-Gesandte im Irak, Jan Kubis, verurteilte den Anschlag als abscheulich und feige. Der IS räche sich mit der Ermordung von Zivilisten offenbar für seine Verluste auf dem Schlachtfeld.

Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, der Anschlag zeige, dass der IS nicht davor zurückschrecke, im Namen seiner Ideologie unschuldige Kinder, Mütter und Väter zu ermorden.

Abadi verschärft Sicherheitsvorkehrungen

Der irakische Regierungschef Haider al-Abadi gab am Sonntagabend unter anderem Anweisungen, dass Sicherheitskräfte nicht länger gefälschte Sprengstoffdetektoren einsetzen dürfen, die ein britischer Geschäftsmann vor mehreren Jahren an den Irak verkauft hatte.

Die schwarzen Plastikgeräte haben einen Pistolen-artigen Griff und eine kleine Antenne, mit der angeblich Sprengstoff aufgespürt werden kann. Tatsächlich sind die angeblichen Detektoren jedoch völlig nutzlos, wurden aber dennoch weiterhin von vielen Beamten benutzt. Stattdessen gab Abadi den Einsatz anderer Geräte zum Aufspüren von Sprengsätzen in Fahrzeugen in Auftrag.

Handyverbot an Kontrollstellen

Sicherheitsleute an Kontrollstellen dürfen zudem künftig während ihrer Arbeit keine Mobiltelefone mehr benutzen. Die Aufklärung aus der Luft soll verstärkt werden, die Koordination zwischen Sicherheitskräften in der Hauptstadt verstärkt und Kontrollposten neu organisiert werden.

SDA/chi

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