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Überflutete Seelen

Nirgends forderte der Tsunami mehr Opfer als in der indonesischen Provinz Aceh. Wo nur noch Ruinen waren, stehen heute neue Häuser. Was in den Überlebenden kaputtging, lässt sich kaum wieder instand setzen.

Gaya Triana hat nichts vergessen, das Trauma ist ein treuer Begleiter. Sie weiss noch, wie sie dachte, das sei der Weltuntergang. Sie weiss noch, wie sie rannte. Die ganze Familie rannte, Gaya, ihre Eltern, ihre Schwester, ihre zwei Brüder, nur Sri Rahayu, die Kleinste, nicht, die war irgendwo mit einer Freundin unterwegs. Sie rannten vor dem Wasser weg, das plötzlich wie eine Sturmflut in ihre Siedlung getost kam. Sie rannten zu den Nachbarn. Deren Haus war höher gebaut als ihr eigenes. Es gab eine steinerne Treppe aussen am Haus, die führte zu einer Terrasse im ersten Stock. Dort würden sie sicher sein.

Aber das Wasser kam hinterher. Als Gaya den Treppenabsatz erreichte, war das Wasser schon da. Als sie oben auf der Terrasse stand, war auch die bereits von dieser schwarzen Drecksbrühe über- schwemmt, und noch längst war deren Ausbreitungsdrang nicht befriedigt. Gaya und ihre Mutter kletterten auf die Balustrade und klammerten sich an einem Pfeiler fest, höher ging es nun nicht mehr, aber die Flut stieg und stieg. Sie stieg Gaya, damals 22 Jahre alt, bis an die Hüfte, bis an die Brust, bis an den Hals, die Strömung zog und zerrte an der jungen Frau, Stromkabel, die im Wasser trieben, erwürgten sie fast.

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