Trump sendet aus Singapur weitere Twitter-Attacken gegen Partner

Der US-Präsident bereitet sich auf den Gipfel mit Kim Jong-un vor. Zeit zum Twittern findet er immer noch.

Kaum in Singapur eingetroffen, hallt es wieder aus Trumps Social-Media-Kanälen: Die Limousine des US-Präsidenten im asiatischen Stadtstaat. (10. Juni 2018)

US-Präsident Donald Trump hat am Montag mit einer Serie von Twitter-Nachrichten erneut Nato-Verbündete wegen deren Überschüssen im Handel mit den USA angegriffen. «Nicht fair gegenüber dem amerikanischen Volk! $800 Milliarden Handelsdefizit», lautete eine Nachricht.

Die USA trügen nahezu die gesamten Kosten der Nato und schützten damit «viele der Länder, die die USA im Handel abzocken und lachen.» Die EU erwirtschafte einen Überschuss von 151 Milliarden Dollar und solle deutlich mehr für das Militär ausgeben, forderte Trump.

«Glaubt irgendjemand, dass das Sinn ergibt?»

Weiter erklärte Trump, Deutschland bringe nur ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die Nato auf, während es bei den USA vier Prozent eines viel höheren BIP seien. «Glaubt irgendjemand, dass das Sinn ergibt?», fragte der US-Präsident.

Trump hält sich derzeit in Singapur auf, wo er am Dienstag mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un zusammentreffen will. Am Samstag hatte Trump nach einem Treffen der sieben führenden Industriestaaten für einen Eklat gesorgt. Ebenfalls über Twitter liess er die gemeinsame Erklärung der G7-Staats- und Regierungschefs für einen fairen Handel nachträglich platzen.

Merkel versteht die Welt nicht mehr

Trump begründete dies mit «falschen Erklärungen» des Gastgebers, Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau. Am Montag warf er Kanada erneut vor, sich damit zu brüsten, vom Handel mit den USA zu profitieren.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierte die zurückgezogene Zustimmung von US-Präsident Trump zur gemeinsamen Erklärung der G7-Staaten scharf. Dies sei ein «einschneidender Schritt» für die Staatengruppe, sagte Merkel gestern Abend in der ARD-Sendung «Anne Will».

Die deutsche Autobranche ist besorgt über die Entwicklung im Handelsstreit mit den USA. Derzeit werde eine «Politik der Abschottung und des Protektionismus verfolgt», sagte der Chef des Autoverbands VDA, Bernhard Mattes, der «Süddeutschen Zeitung». Die EU bereite gerade eine Antwort auf die neuen US-Strafzölle vor. Allerdings könnten Zölle auf US-Produkte wiederum neue Gegenreaktionen der USA provozieren. Der Verband der Automobilindustrie befürworte eine generelle Absenkung von Schutzzöllen, sagte Mattes. Er sei für freien und fairen Handel und sehe die Lösung in der Fortsetzung der Verhandlungen: Dabei könnten die Zölle abgeschafft und auf beiden Seiten des Atlantiks gegenseitige Standards gesetzt werden.

sda/afp/dpad

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