«Sie schlugen mich und meine Frau»

In einem Interview äussert sich der chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng über die Schikanen während seines Hausarrestes, seine Pläne und die Angst um seine Familie.

  • loading indicator

Er wolle China so schnell wie möglich verlassen, mit seiner ganzen Familie, sagt der blinde chinesische Menschenrechtsaktivist Chen Guangcheng im Interview mit dem«Spiegel». Es gebe in China keine Garantien für Bürgerrechte.

Den Versprechen seiner Regierung, ihn als normalen Bürger zu behandeln, vertraue er nicht: Es gebe so viele Unsicherheiten, er sei nicht frei. Chen sagte ausserdem, er fürchte um die Sicherheit seiner Mutter und seiner Brüder.

Chen hatte in seinem Dorf nach vier Jahren Gefängnis zusammen mit seiner Frau, seiner Tochter und seiner Mutter unter Hausarrest gestanden. Der 40-Jährige hatte Probleme mit den örtlichen Behörden bekommen, weil er Zwangsabtreibungen öffentlich gemacht hatte. Er schildert im Interview auch seine Erlebnisse während des 18-monatigen Hausarrests: Die Wächter hätten die Familie gewaltsam daran gehindert, das Haus zu verlassen und seien ihnen auf Schritt und Tritt gefolgt. «Die Leute von der Staatssicherheit brachen in unser Haus ein, sie schlugen mich und meine Frau.»

Auslöser einer diplomatischen Krise

Vor zwei Wochen entkam Chen aus dem Hausarrest und suchte Zuflucht in der Pekinger US-Botschaft. Seit dem letzten Mittwoch hält er sich in einem Krankenhaus in Peking auf. Allerdings habe er die Botschaft nicht freiwillig verlassen: Seine Frau und seine Kinder seien als Druckmittel benutzt worden, um ihn dazu zu zwingen.

Nachdem Chen die Botschaft verlassen hatte, boten ihm die Behörden an, ein Studium in China aufzunehmen. Doch das Interesse daran hat er verloren: «Vergessen wir das, es ist sinnlos», sagt er im Interview.

Der Fall Chen hat laut «Spiegel» eine diplomatische Krise zwischen den USA und China ausgelöst. Die chinesische Regierung habe es als Einmischung in die inneren Angelegenheiten aufgefasst, dass die Amerikaner Chen sechs Tage lang in der Botschaft aufgenommen hatten.

fko

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt