Zum Hauptinhalt springen

Satelliten-Telefone, zwei Mercedes und jede Menge Leibwächter

Nordkoreas Diktator Kim Jong-il ist in Russland unterwegs, mit seinem mysteriösen Zug, der als Staatsgeheimnis gilt. Das Gefährt schützt ihn seit Jahren vor Anschlägen – dank Hightech-Ausrüstung und militärischer Hilfe.

Gemütlich: Kim Jong-il signiert auf dem Boot das Buch für Ehrengäste. (21. August 2011)
Gemütlich: Kim Jong-il signiert auf dem Boot das Buch für Ehrengäste. (21. August 2011)
Keystone
Willkommen in Russland: Kim Jongi-il auf einem roten Teppich im Bahnhof von Bureya im Osten von Sibirien am 21. August 2011.
Willkommen in Russland: Kim Jongi-il auf einem roten Teppich im Bahnhof von Bureya im Osten von Sibirien am 21. August 2011.
Keystone
...wenn Kim Jong-il den Zug verlässt oder betritt.
...wenn Kim Jong-il den Zug verlässt oder betritt.
Keystone
1 / 6

Die Aussenhülle soll komplett gepanzert sein, die Fenster sind klein – gemütlich wirkt der Zug des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-il beileibe nicht, doch er verlässt ihn auf seinen Reisen nur ungern, wie es in Presseberichten heisst. Und in seinem Heimatland ausschliesslich an jenen rund 20 Bahnhöfen, die für einen Aufenthalt des «Geliebten Führers», der angeblich unter Flugangst leidet, besonders ausgestattet wurden.

Wenig ist bekannt über den Zug, der immer dann auf Pressebildern erscheint, wenn Kim eine seiner Auslandsreisen unternimmt – sei es nach China, wie etwa im April 2004, oder nach Russland, wie dieser Tage. Doch die englischsprachige Ausgabe von «The Chosun Ilbo», eine der grössten Zeitungen in Südkorea, berichtete im November 2009 über Details der Privatkomposition – unter Berufung auf Quellen wie die Geheimdienste von Südkorea und der USA und auf Angaben von Überläufern aus dem Regime des Nachbarlandes.

Eine Regierungszentrale auf Stahlrädern

Demnach sind im Inneren des Zuges Konferenzräume für den Herrscher und seine Mitarbeiter eingerichtet, ein Saal für Audienzen und mehrere Schlafgemächer. TV-Geräte mit Flachbildschirmen sollen ebenso zur Ausstattung gehören wie Satellitentelefone, mit denen der Stab des Diktators die Kommunikation auf Reisen sicherstellen kann. Für den Fall, dass Kim den Zug verlassen muss, stünden zwei Mercedes-Limousinen bereit.

Und jede Menge Zugbegleiter, so berichtete die Zeitung weiter, um Leib und Leben von Kim zu schützen. Bei Reisen innerhalb von Nordkorea würden regelmässig Dutzende Agenten vorausgeschickt, um die geplanten Haltestationen und die Umgebung nach Bomben zu untersuchen. Daneben würden Helikopter vom russischen Typ MI-17, Transportflugzeuge der Armee und andere Maschinen eingesetzt, um die Sicherheit zu gewährleisten und die Logistik des reisenden Regierungschefs zu unterstützen.

Feine Verpflegung für mehrwöchige Reisen

Zuweilen zählen weitere Züge zum Kim-Konvoi. Neben «The Chosun Ilbo» berichtet auch die «Los Angeles Times», dass schon zwei «Dummy-Züge» eingesetzt wurden, um mögliche Planer eines Anschlags zu verwirren. Einer für die Aufklärung fahre voraus, wie die südkoreanischen Journalisten schrieben, und einer, der für Sicherheitsaufgaben ausgerüstet sei, folge dem Hauptzug. Allerdings sei das nicht bei allen Reisen der Fall.

Weil der Zug aus Sicherheitsgründen oft nur mit durchschnittlich rund 60 Stundenkilometern unterwegs ist, dauern Kims Auslandsreisen weitaus länger als gewöhnliche Diplomatentrips – doch Langeweile kommt offenbar schon dank des Proviants nicht auf. In einem Buch mit dem Titel «Orient Express: Across Russia with Kim Jong-il» berichtet der russische Regierungsmitarbeiter Konstantin Pulikovski von lebenden Hummern und Kisten mit feinen Bordeaux- und Beaujolais-Weinen, die eigens aus Paris eingeflogen worden seien.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch