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Nur leben darf man hier nicht

Auf dem Bikini-Atoll haben die USA Atombombentests durchgeführt. Nun gehört es zum Weltkulturerbe. Die Inselgruppe ist heute vor allem ein Paradies für Taucher.

In den 40er- und 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts erlangte das Bikini-Atoll traurige Berühmtheit. Das Atoll, das zu den Marshall-Inseln im westlichen Pazifischen Ozean gehört, war Schauplatz von Atombombenversuchen der amerikanischen Armee. Diese führte zwischen 1946 und 1958 mehr als 20 Tests durch – mit verheerenden Folgen für Mensch und Umwelt. Die Atombombentests, die zum Wettrüsten des Kalten Kriegs gehörten, veränderten das Leben der Bewohner Bikinis auf dramatische Weise.

Trügerische Rückkehr in den Siebzigern

Die 167 Menschen, die damals auf dem Atoll lebten, wurden von der US-Navy kurzerhand auf das rund 200 Kilometer entfernte Rongerik-Atoll umgesiedelt. 1958 mussten die Menschen des Bikini-Atolls zum zweiten Mal umziehen, diesmal von Rongerik auf die Insel Kili, die fast 700 Kilometer weiter südlich liegt. Im Juni 1968 verkündete der damalige US-Präsident Lyndon B. Johnson den Insulanern, sie könnten jetzt zurückkehren. Die Atomenergiebehörde gab das ehemalige Testgelände frei.

Viele ehemalige Bikini-Bewohner kehrten daraufhin in ihre Heimat zurück – nicht wissend, dass sie sich in eine nukleare Falle begaben. Erst im Jahre 1975 wurde bekannt, dass die Nahrung gefährlich hohe radioaktive Belastungen aufwies. Wieder mussten die Menschen Bikini verlassen. Bis heute warten sie auf eine Rückkehr in die Heimat. Verstrahlte Kokosnüsse, kontaminierte Böden und verseuchtes Grundwasser sind schuld daran, dass die evakuierten Ureinwohner andernorts leben müssen. Laut Wissenschaftlern könnte es bis 2040 dauern, ehe sich Menschen wieder auf dem Bikini-Atoll ansiedeln können.

Trotzdem wieder Tourismus

Seit Ende der Atomtests haben die USA mehr als eine Milliarde Dollar in die heute eigenständigen Marshall-Inseln investiert. Das Geld ist unter anderem in die Sanierung von verstrahlten Atollen wie Bikini geflossen. Bikini kann ohne Gesundheitsgefahren betreten und besichtigt werden, das Meer in der Lagune ist weitgehend sauber. Aber: Dauerhaft aufhalten kann sich niemand auf dem Atoll.

Immerhin: In den letzten 15 Jahren hat es sich zu einer touristischen Destination entwickelt. Vor allem Taucher sind fasziniert – nicht zuletzt wegen der bunten und exotischen Korallenriffe. Interessant ist das Bikini-Atoll vor allem für Wracktaucher. Zur Auswahl hat man 15 japanische und amerikanische Schiffe, die alle zu mit Korallen dekorierten Tauchspots geworden sind. Am bekanntesten ist USS Saratoga, ein 300 Meter langer Flugzeugträger, grösser als die Titanic. Auch die Strände des sichelförmigen Atolls sind traumhaft schön. Immerhin diente die Insel einem französischen Modeschöpfer als Namenspate für seinen zweiteiligen Badeanzug, das berühmte Bikini.

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