Nordkorea huldigt Diktator Kim Jong-un

Bei einer pompösen Feier zu Ehren des verstorbenen «Geliebten Führers» liess dessen Sohn und aktuelle Machthaber Kim Jong-un sich vor allem selbst feiern – nicht zuletzt, um von internen Problemen abzulenken.

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Zum zweiten Todestag des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong-il haben Armee und Partei seinem Sohn und Nachfolger Kim Jong-un gehuldigt. In feierlichen Reden schworen mehrere Spitzenfunktionäre dem Machthaber unbedingte Loyalität.

Das Staatsfernsehen übertrug die Zeremonie live aus der Hauptstadt Pyongyang. Die Aufnahmen zeigten zehntausende Militär- und Parteikader, die zunächst minutenlang schweigend und mit unbewegter Miene auf den Einzug Kims warteten, um dann mit donnerndem Applaus zu seinen Ehren aufzustehen.

«Grosse Fortschritte»

«Wir sollten als Kämpfer das Herz der Partei mit unseren Leben beschützen», rief das protokollarische Staatsoberhaupt Kim Jong-nam in seiner Eröffnungsrede. «Wir kennen niemanden ausser dem grossen Genossen Kim Jong-un.»

Unter dem seit Ende 2011 amtierenden Machthaber habe das kommunistische Land «grosse Fortschritte» erzielt, sagte Kim Jong-nam. In diese Periode fielen unter anderem der erfolgreiche Start eines Satelliten in die Erdumlaufbahn sowie der mittlerweile dritte und bislang wirkungsstärkste Atomtest im Februar.

Warnung an Südkorea

«Wir werden das Schicksal mit unserem verehrten Oberbefehlshaber teilen, mit ihm leben und sterben, bis zum allerletzten Moment», gelobte Nordkoreas Armeechef Choe Ryong-hae und schickte eine Warnung an Südkorea hinterher. «Wenn der Feind auch nur einen Funken über unserem Mutterland versprüht, werden unsere Soldaten sofort losstürmen, um alle Eindringe auszulöschen und die Wiedervereinigung zu erzwingen.»

Die Veranstaltung in Pyongyang fand nur wenige Tage nach der Hinrichtung von Kims Onkel Jang Song-taek statt. Der frühere Vize-Vorsitzende des Nationalen Verteidigungsausschusses war damit betraut gewesen, den unerfahrenen Sohn des 2011 verstorbenen Machthabers Kim Jong-il als dessen Nachfolger aufzubauen, fiel dann aber in Ungnade. Er wurde in einem kurzen Militärprozess wegen Landesverrats zum Tode verurteilt.

Jangs Ehefrau Kim Kyong-hui durfte ihren Einfluss im Staatsapparat offenbar behalten und wurde laut der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA zum Mitglied des Komitees für Staatsbegräbnisse ernannt. Bei der Zeremonie war sie aber nicht zu sehen.

Ehefrau wieder in der Öffentlichkeit

Schon gestern hatten zahlreiche Nordkoreaner ein Meer aus Blumen vor den Riesenstatuen von Kim Jong-il und Staatsgründer Kim Il-sung in Pyongyang niedergelegt. Kim Jong-un besuchte laut KCNA mitsamt Ehefrau Ri Sol-ju das Mausoleum seines verstorbenen Vaters. Ri ist seit Oktober nicht mehr öffentlich aufgetreten, weshalb spekuliert wurde, ob sie möglicherweise ebenfalls in Ungnade gefallen sein könnte.

Durch Jangs Hinrichtung befinde sich die Macht in Nordkorea nun vollkommen in Kim Jong Uns Händen, sagte Cheong Seong-jang von der Denkfabrik Sejong im südkoreanischen Seoul. Kim, der auf etwa 30 Jahre geschätzt wird, hatte die Führung des abgeschotteten Landes kurz nach dem Tod seines Vaters im Dezember 2011 übernommen.

Seitdem hat er beständig daran gearbeitet, seine Position zu festigen. So tauschte er die alte Garde in Pyongyang grösstenteils aus. Den Führungsstab der Armee besetzte er sogar viermal um. Zum Vergleich: Während der 17-jährigen Herrschaft seines Vaters wurden die Posten insgesamt dreimal neu vergeben.

ajk/AP

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