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Mutter Courage aus Pakistan

Die pakistanische Menschenrechtlerin Asma Jahangir wird mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

In ihrer Heimat nennt man Asma Jahangir liebevoll «kleine Heldin». Foto: Wikipedia
In ihrer Heimat nennt man Asma Jahangir liebevoll «kleine Heldin». Foto: Wikipedia

Sie könnte die Grossmutter von Malala sein, dem Mädchen, das den Friedens­­- nobelpreis 2014 erhalten hat. Und in einem gewissen Sinn ist Asma Jahangir das auch: Die zierliche Anwältin lebt Zivilcourage in Pakistan seit Jahrzehnten vor. Sie hat es zu ihrem Beruf gemacht, die Machtlosen in der Islamischen Republik zu verteidigen: die vergewaltigte Frau, die des Ehebruchs angeklagt ist, oder den christlichen Jungen, dem Gotteslästerung vorgeworfen wird wegen eines Graffito.

Wenn sie es für angezeigt hält, prangert sie auch die Anmassungen der Mächtigen an – allen Morddrohungen und anderen Einschüchterungsversuchen zum Trotz. Den Ehrendoktor der Hochschule St. Gallen und zahlreiche andere internationale Auszeichnungen hat «die kleine Heldin», wie sie in ihrer Heimat liebevoll genannt wird, schon erhalten. Heute kommt der alternative Nobelpreis hinzu. Und morgen Diens­- tag wird Asma Jahangir an der Univer­­sität Zürich über «Die Menschenrechte in einem unsicheren Umfeld» reden.

«Dass nach Malala erneut eine Pakistanerin international für ihr humanitäres Engagement ausgezeichnet wird, ist kein Zufall», sagt Philippe Welti, Schweizer Ex-Botschafter und Stiftungsrat des Preises. Es ist auch ein Alarmsignal, was die Lebensumstände in Pakistan und das Versagen der Politik betrifft. «Ich kann mich an keinen Monat erinnern, in dem das Land nicht von Krise zu Krise gegangen wäre», so Asma Jahangir gegenüber Redaktion Tamedia. Früher hätten Aktivisten riskiert, von der Regierung inhaftiert zu werden, heute liefen sie Gefahr, vom organisierten Verbrechen, militanten Islamisten oder einem Mob umgebracht zu werden.

Dass gesellschaftlicher Fortschritt trotz allem möglich ist, hat sie bewiesen. Als junge Anwältin kämpfte sie gegen eine Regelung, wonach Zeugenaussagen von Frauen nur halb so viel wert sein sollten wie jene von Männern. Ihre Forderungen wurden als westliche Ideen und unverträglich mit einer muslimischen Gesellschaft abgetan. Das islamische Strafrecht gilt in Pakistan zwar noch immer. Aber heute sprechen alle Parteien über die Rechte der Frauen. In manchen Landesteilen leben die Frauen noch immer wie Gefangene in den eigenen vier Wänden. Und Malala wurde mit 15 von Taliban über den Haufen geschossen, weil sie sich für die Bildung von Mädchen starkmachte in einem Blog.

Bodyguards mit Kalaschnikows bewachen Asma Jahangir zu Hause in Lahore. Nicht nur sie selbst, auch ihre Familie wird bedroht – und dennoch macht sie weiter: «Ich habe keine andere Wahl», sagt sie. «Ich kann doch nicht einfach zuschauen.» Das fand auch ihr Vater, als das pakistanische Militär die Unabhängigkeitsbewegung in Bangladesh mit Waffengewalt zu unterdrücken suchte. Der Spitzen­beamte a. D. prangerte das Blutbad an. Das brachte ihn ins Gefängnis – und weckte ihr Interesse an Rechtsfragen. Sie war 18, als sie mit Unterstützung brillanter Juristen eine Eingabe gegen die widerrechtliche Inhaftierung machte und recht bekam.

Wir müssen für eine bessere Gesellschaft kämpfen – diese Botschaft möchte Asma Jahangir gern an die nächste Generation weitergeben. Ihr Preisgeld plant sie entsprechend einzusetzen: für ein Onlineradio.

«Human Rights in an Unsafe Environ­ment»: Philippe Welti im Gespräch mit Asma Jahangir. 2. Dezember, 18.30 Uhr, in der Aula der Universität Zürich. Eintritt frei.

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