Russische Oligarchen sind hier nicht mehr willkommen

Zu spät haben Russlands Oligarchen bemerkt, wie sich die Stimmung im Westen gegen sie wendet.

Die Oligarchen Viktor Vekselberg (links) und Oleg Deripaska während eines russisch-österreichischen Wirtschaftsforums in Wien. Bild: Keystone

Die Oligarchen Viktor Vekselberg (links) und Oleg Deripaska während eines russisch-österreichischen Wirtschaftsforums in Wien. Bild: Keystone

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Es sind nur drei russische Oligarchen, die laut der britischen «Financial Times» von der nächsten Konferenz des World Economic Forum ausgeladen werden. Ihre Wirkung wird die Ausladung aber unter den vielen milliardenschweren Landsleuten und Geschäftspartnern von Viktor Vekselberg, Oleg Deripaska und Andrei Kostin nicht verfehlen.

Dass die Botschaft «Ihr seid nicht mehr willkommen» ausgerechnet aus dem Herzen Europas kommt, kommt für die Russen unerwartet. Eine derart feindliche Stimmung kannten sie bis jetzt nur aus den USA und Grossbritannien.

Im übrigen Europa spürten die Oligarchen hingegen viel Rückenwind. Und das nicht nur, wenn sie auf ihren superlangen Luxusjachten im Mittelmeer kreuzten. Auf ihren Partys in Davos oder Monaco stellten sich westliche Unternehmen an, um Verbindungen zu knüpfen, die in Businesspartnerschaften münden sollten. Banken in der Schweiz und der EU nahmen das Geld der Russen, ohne dessen Ursprung zu hinterfragen. Es gab nichts, was sie in Europa nicht kaufen konnten: Immobilien, Industriebetriebe, Kunst und Fussballclubs.

Nun ist es ausgerechnet ihr Schirmherr im Kreml, der für strengen Gegenwind sorgt.

Bleiben sie Putin treu, verlieren sie nicht nur Vermögen sowie Geschäftsbeziehungen im Westen.

Okkupation der Krim, Krieg in der Ostukraine, Bombardements in Syrien, Einmischung in die US-Präsidentenwahlen, Spionage bei internationalen Organisationen, Giftanschläge in Grossbritannien: Das Sündenregister, das der Westen Wladimir Putin anlastet, ist lang, und die USA ziehen die Konsequenzen – sie klagen mutmassliche Spione an, sie verhängen Einreiseverbote, sie sperren Bankkonten, sie untersagen Geschäfte mit russischen Firmen. Die Sanktionen zielen auf Putin und sein Umfeld im Kreml, sie treffen aber vor allem die Oligarchen.

Deripaska, Vekselberg und Co. sind für russische Kriegshandlungen und Spionage nicht verantwortlich. Es ist unwahrscheinlich, dass Putin um ihr Einverständnis gebeten oder sich mit ihnen beraten hätte. Das enge Verhältnis zum Kreml wird ihnen jetzt dennoch zum Verhängnis.

Es gibt keine Lösung, bei der sie gut aussteigen würden. Bleiben sie Putin treu, verlieren sie nicht nur Vermögen sowie Geschäftsbeziehungen im Westen. Sie müssen ständig mit einer Verhaftung bei Reisen nach London oder New York rechnen. Distanzieren sie sich hingegen vom russischen Präsidenten, droht ihnen ein grausames Schicksal in ihrer Heimat, ebenfalls mit Verhaftung und Vermögensentzug. Der tiefe Fall des ehemaligen Oligarchen Michail Chodorkowski ist für sie eine Warnung: Was der ehemalige Geheimagent Putin wirklich hasst, ist Illoyalität und Verrat.


Chelsea-Besitzer Roman Abramovitch musste sich vor der Freiburger Justiz wegen einer Firmen-Pleite verantworten. Video: sda

Die Kontinentaleuropäer waren im Umgang mit den Russen bisher wesentlich zurückhaltender. Einzelne Regierungen, wie jene in Wien und Budapest, zeigen immer noch eine Nähe zum Kreml, die an ein Liebesverhältnis erinnert. Aber die Ausladung des WEF ist ein deutliches Signal für Oligarchen, dass auch in Europa andere Zeiten anbrechen. So haben sie sich das nicht vorgestellt.

Sie wollten die Vanderbilts und Rockefellers des 21. Jahrhunderts werden. Männer, die sich vom Image der dubiosen Rohstoffhändler befreien und als Philanthropen in den Kreis der westlichen Wirtschaftselite aufsteigen. Auf diesem Weg sind sie gescheitert. Sie gelten als Putins Günstlinge. Den Verdacht der kriminellen Machenschaften werden sie nicht los.

Die Kehrtwende der monegassischen Staatsanwaltschaft

Wie schnell der Wind drehen kann, spürte unlängst der Milliardär Dimitri Rybolowew, als die Polizei vor seiner Villa in Monaco stand und ihn verhaftete. Dem Kunstsammler und Besitzer des Fussballclubs AC Monaco droht eine Anklage wegen Korruptionsverdacht. Die monegassische Staatsanwaltschaft hatte bis dahin gegen Rybolowews Gegner, einen Genfer Kunsthändler, ermittelt. Nun macht der Staatsanwalt eine Kehrtwende und nimmt den Russen ins Visier.

Von grosser Charakterstärke zeugt diese Wende der Justiz ebenso wenig, wie die Ausladungen des WEF. Offenbar handeln Europäer erst, wenn der Druck aus den USA zu gross wird. Anderseits sollte das gerade russische Oligarchen nicht überraschen. Vom europäischen Opportunismus haben sie jahrelang profitiert. Dass die Stimmung dreht, haben sie zu spät bemerkt.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 08.11.2018, 22:03 Uhr

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