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Lee Myung Baks Geduld ist zu Ende

Nach den Angriffen von Nordkorea steht Lee Myung Bak innenpoitisch unter Druck. Der südkoreanische Staatschef wendet sich nun mit harschen Worten an seinen Nachbarn.

Südkorea hat die von Nordkorea angegriffene Insel Yeongpyeong zum Sperrgebiet erklärt: Ein südkoreanisches Schiff bereitete sich derweil auf einen möglichen Angriff vor.
Südkorea hat die von Nordkorea angegriffene Insel Yeongpyeong zum Sperrgebiet erklärt: Ein südkoreanisches Schiff bereitete sich derweil auf einen möglichen Angriff vor.
Reuters
Wuchtige Erscheinung: Der amerikanische Flugzeugträger USS Washington nahm am Manöver im Gelben Meer teil.
Wuchtige Erscheinung: Der amerikanische Flugzeugträger USS Washington nahm am Manöver im Gelben Meer teil.
Keystone
Die Idylle trügt: Yeonpyeong ist zwar eine beschauliche Insel, aber seit Jahrzehnten umstritten.
Die Idylle trügt: Yeonpyeong ist zwar eine beschauliche Insel, aber seit Jahrzehnten umstritten.
Keystone
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Nach Nordkoreas Artillerieangriff in der vergangenen Woche hat der südkoreanische Staatschef Lee Myung Bak dem kommunistischen Nachbarland mit Vergeltung gedroht. «Ich kann nicht umhin, meine Wut über die Brutalität des Regimes im Norden auszudrücken», sagte Lee am Montag in einer Fernsehansprache. Er werde dafür sorgen, «dass der Norden den Preis für jede seiner Provokationen bezahlen wird».

Der Granatenangriff Nordkoreas auf die Insel Yeonpyeong am vergangenen Dienstag sei eine Provokation, welche die vorherigen übersteige. «Einen militärischen Angriff gegen Zivilisten zu verüben, ist ein unmenschliches Verbrechen, das selbst in Zeiten des Kriegs verboten ist», sagte Lee. Die Südkoreaner wüssten nun, «dass jede Toleranz und jede zusätzliche Geduld (gegenüber Pyongyang) nur zu noch stärkeren Provokationen führt».

Druck lastet auf Lee

Es war die erste Ansprache des südkoreanischen Präsidenten an die Nation seit dem Angriff. Lee steht innenpolitisch unter Druck, weil seine Reaktion auf den Angriff vielfach als zu schwach kritisiert wurde. Laut einer am Montag veröffentlichten Umfrage sind vier Fünftel der Befragten der Ansicht, die Regierung in Seoul hätte deutlich schärfer reagieren sollen, zwei Drittel bewerten das Krisenmanagement negativ.

Zum Vorschlag Chinas, Anfang Dezember eine Dringlichkeitssitzung der sechs Staaten abzuhalten, die normalerweise an den Verhandlungen zum nordkoreanischen Atomprogramm teilnehmen, äusserte sich der Präsident nicht. China, der einzige Verbündete Nordkoreas, hatte den Artillerie-Angriff nicht verurteilt.

Derweil setzten die südkoreanische und die US-Marine im Gelben Meer ihr viertägiges Seemanöver fort. Mit elf Kriegsschiffen, darunter der US-Flugzeugträger «George Washington», und mehr als 7000 Soldaten handelt es sich um das grösste Seemanöver, das die beiden Staaten jemals in der Region abgehalten haben. Die Marine-Übung, bei der mit scharfer Munition Angriffe und Gegenwehr simuliert werden, war bereits vor der nordkoreanischen Attacke angesetzt worden.

«An den Rand eines Krieges gefährt»

Der Befehlshaber der US-Truppen in Japan, Patrick Stackpole, sagte in Tokio, mit der Übung werde «die Fähigkeit zur Verteidigung Südkoreas unter Beweis gestellt». Nordkorea bezeichnete das Manöver als «eine Provokation und ein Verbrechen». Die Region werde dadurch an «den Rand eines Krieges geführt», hiess es in einer Erklärung der offiziellen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA.

Das Manöver wird in sicherer Entfernung von der zwischen beiden koreanischen Staaten umstrittenen Demarkationslinie im Gelben Meer abgehalten. Nordkorea hatte am vergangenen Dienstag 170 Granaten auf die nahe der Demarkationslinie gelegene Insel Yeonpyeong abgefeuert; 90 fielen ins Meer, 80 weitere schlugen ein und versetzten die Bevölkerung in Panik. Vier Südkoreaner, zwei Soldaten und zwei Zivilisten, starben bei dem Angriff, dessen Ausmass grösser war als das aller anderen Angriffe seit dem Ende des Koreakrieges (1950-1953).

Die Beziehungen zwischen Südkorea und dem kommunistisch regierten und von wirtschaftlichem Niedergang geprägten Nordkorea sind insbesondere wegen des Atomprogramms des Nordens gespannt. Das Verhältnis wurde durch den Untergang eines südkoreanischen Kriegsschiffs weiter belastet, das nach Einschätzung internationaler Experten im März durch einen nordkoreanischen Torpedo versenkt wurde.

AFP/mrs

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