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Kims Neffe in Frankreich unter Polizeischutz

Der Teenager studiert an einer Eliteuni in Frankreich. Und bezeichnete seinen Onkel Kim Jong-un in einem Interview einmal als Diktator.

Gut ausgebildet und weltoffen: Kim Han-sol kritisierte Nordkoreas Führer in einem Fernsehinterview.
Gut ausgebildet und weltoffen: Kim Han-sol kritisierte Nordkoreas Führer in einem Fernsehinterview.
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Nordkoreas Herrscher Kim Jong-un ist sein Onkel, der verstorbene Diktator Kim Jong-il sein Grossvater. Diese Verwandtschaft rückte den 19-jährigen Kim Han-sol jetzt in den Fokus der Öffentlichkeit. Kim Han-sol studiert an der renommierten Universität Science Po in der nordfranzösischen Stadt Le Havre. Am Montagabend wurde er auf dem Campus von Polizisten abgeholt und zu seinem Wohnheim begleitet. Die französische Polizei patrouillierte zudem auf dem Gelände und hielt Reporter südkoreanischer Medien davon ab, Fotos zu machen. Dies berichtet die «South China Morning Post», Hongkongs grösste englischsprachige Tageszeitung.

Angeblich war Kim Han-sol nach der Hinrichtung von Kim Jong-uns Onkel abgetaucht. Kürzlich bat er darum, seinen Namen vom Briefkasten des Wohnheims zu entfernen, um die Medien fernzuhalten. Es wird spekuliert, dass Kim Han-sols Kritik am nordkoreanischen Regime der Grund für den Polizeischutz ist. 2012 hatte er seinen Onkel Kim Jong-un im finnischen Fernsehen als Diktator bezeichnet.

Grossvater «gerne kennengelernt»

Das Interview führte Elisabeth Rehn, die ehemalige Verteidigungsministerin Finnlands. Ihr gegenüber beschreibt Kim Han-sol seine Kindheit in Nordkorea als sehr isoliert. Er wurde in Pyongyang geboren, seine Familie zog aber nach wenigen Jahren auf die chinesische Insel Macao. Sein Vater war aus Nordkorea verbannt worden, weil er 2001 versucht hatte, mit einem gefälschten Pass nach Japan einzureisen. Angeblich, um dort das Disneyland zu besuchen.

Als Kind wusste Kim Han-sol nicht, dass er Teil der nordkoreanischen Herrscherdynastie ist. Weder seinen Grossvater Kim Jong-il noch seinen Onkel Kim Jong-un hat er je persönlich getroffen. Er hätte seinen Grossvater aber gerne kennengelernt, sagte Kim Han-sol im Interview: «Ich war sehr neugierig und hätte gerne gewusst, wie er als Person war.»

Dass ein Mitglied der nordkoreanischen Herrscherdynastie sich in der Öffentlichkeit äussert, ist sehr selten. Noch dazu derart kritisch, wie Kim Han-sol dies tat. Bereits im Jahr 2011 hatten südkoreanische Medien Kim Han-sols Facebook und Twitter-Accounts aufgespürt und seine Einträge veröffentlicht. Der Teenager brachte darin mehrmals seine Schuldgefühle betreffend die Rolle seiner Familie zum Ausdruck.

«Ich habe südkoreanische Freunde»

Nach seinen Plänen gefragt, sagte der Teenager im Interview, er habe immer davon geträumt zurückzugehen und die Situation in Nordkorea zu verbessern. Auch wünsche er sich eine Vereinigung von Nord- und Südkorea. «Ich habe südkoreanische Freunde. Es macht mich traurig, dass ich sie zu Hause nicht besuchen kann.» In den Sommerferien fliege er jeweils zurück, um Verwandte zu besuchen.

Derzeit ist Kim Han-sol in seinem ersten Jahr des Europa-Asien-Programms an der renommierten Universität Science Po. Er spricht fliessend Englisch, lernt im Studium aber auch Französisch und mindestens eine andere asiatische Sprache wie Chinesisch oder Japanisch.

Zum Zeitpunkt des Fernsehinterviews studierte Kim Han-sol noch am United World College in Bosnien. Die internationale Schule hat das Ziel, junge Menschen zu mehr Toleranz und Verantwortung zu erziehen. Seine Eltern hätten einen einfachen Lebensstil gepflegt, sagte Kim Han-sol. Laut seiner Mutter, damit er ein besseres Verständnis für die nordkoreanische Bevölkerung bekomme.

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