Zum Hauptinhalt springen

Karzai will den Taliban vergeben

Afghanistan sucht mit einer Friedenskonferenz den Ausweg aus der Gewaltspirale. Derweil plant das US-Militär den Bau einer Kommandozentrale für Spezialeinsätze.

Neue Ansätze: Hamid Karzai hält eine Rede an der Friedenskonferenz in Kabul.
Neue Ansätze: Hamid Karzai hält eine Rede an der Friedenskonferenz in Kabul.
Keystone

Wegen der Anschläge bei der Friedensversammlung in Afghanistan sind am Sonntag der Innenminister und der Geheimdienstchef des Landes zurückgetreten. Beide hätten keine zufriedenstellenden Erklärungen dafür geliefert, wie es trotz schwerer Sicherheitsvorkehrungen zu den Angriffen in Kabul habe kommen können, teilte das Büro von Präsident Hamid Karzai mit. Zwei Tage nach dem Ende der sogenannten Friedens-Dschirga zog der Staatschef unterdessen erste Konsequenzen und ordnete eine Überprüfung der Haftgründe für alle Taliban-Kämpfer an.

Karzai habe die Rücktrittsgesuche von Innenminister Hanif Atmar und Geheimdienstchef Amrullah Saleh angenommen, teilte die Präsidialverwaltung mit. Saleh sagte, es habe ein «schwieriges Gespräch» mit dem Präsidenten gegeben. Karzai traue ihm und Innenminister Atmar nicht mehr zu, für die Sicherheit nationaler Veranstaltungen zu sorgen. Das Innenministerium leitet nach Angaben von Karsais Büro künftig Atmars Stellvertreter Munir Mangal, zum Geheimdienstchef wurde Ibrahim Spinsada ernannt.

Als Ehepaar verkleidete Attentäter

Mindestens zwei Taliban-Kämpfer hatten am Mittwoch die Friedenskonferenz trotz strenger Sicherheitsmassnahmen mit Raketen angegriffen. Keiner der 1'500 Delegierten wurde verletzt, die Angreifer wurden bei einem Feuergefecht mit Sicherheitskräften getötet. Die Taliban hatten sich nach Angaben des Innenministeriums als Ehepaar verkleidet und unter ihrer Kleidung Waffen versteckt. Sie seien fast zwei Kilometer zu Fuss unterwegs gewesen, ohne dass sie durchsucht wurden, sagte ein Ministeriumssprecher.

Karzai wies das Justizministerium in einem Dekret vom Sonntag an, die Taliban-Häftlinge freizulassen, wenn sich der Verdacht gegen sie nicht erhärten lasse. Er reagiert damit auf eine Empfehlung der Teilnehmer der Friedens-Dschirga, die am Freitag in Kabul zu Ende ging. Sie hatten ihre Empfehlung allerdings auch auf die Häftlinge in US-Gefängnissen bezogen, die der Präsident in seinem Dekret nicht erwähnte.

USA planen neue Kommandozentrale für Spezialeinheiten

Das US-Heer plant unterdessen den Bau einer 100 Millionen Dollar teuren Kommandozentrale für Spezialeinheiten im Norden Afghanistans. Das Projekt in der Stadt Masar-i-Scharif gilt als Beleg für die wachsende Bedeutung von verdeckten Einsätzen im Kampf gegen Terroristen und Aufständische. Laut der auf einer Website der US-Regierung veröffentlichten Ausschreibung sind Unterkünfte für die Soldaten, ein Trainingsgebiet, eine Sanitätsstation und eine Befehlszentrale geplant.

Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 haben Spezialeinheiten bei den US-Streitkräften stetig an Bedeutung gewonnen. US-Präsident Barack Obama will den Etat dafür im kommenden Jahr bis auf 9,8 Milliarden Dollar erhöhen.

Im Süden und Osten Afghanistans wurden am Sonntag fünf NATO-Soldaten getötet, wie die Allianz mitteilte. Zwei britische Soldaten kamen nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums am Freitag in der Provinz Helmand bei einem Feuergefecht mit Taliban-Kämpfern ums Leben. In der Stadt Kandahar wurde bei einem Bombenanschlag auf das Büro des Provinzgouverneurs am Samstag ein Polizist getötet, weitere 14 Menschen wurden nach Behördenangaben verletzt.

Mordanklage gegen US-Soldaten

Wegen des Todes von drei Zivilpersonen in Afghanistan wurde gegen einen US-Soldaten Mordanklage erhoben. Das teilten die US-Streitkräfte am Freitag mit. Wie es hiess, wurde gegen insgesamt zehn Mitglieder einer in Fort Lewis im US-Staat Washington stationierten Heereseinheit ermittelt.

ddp/jak

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch