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Hauptsache, keine Frau

Nach dem Rücktritt des alten Kaisers Akihito will die Demokratische Partei wieder weibliche Thronfolgerinnen zulassen. Für viele Japaner unvorstellbar.

Kaiser Akihito wohnt einer Sitzung des japanischen Oberhauses bei. Foto: Kim Kyung-Hoon (Reuters)
Kaiser Akihito wohnt einer Sitzung des japanischen Oberhauses bei. Foto: Kim Kyung-Hoon (Reuters)

Der japanische Kaiser Akihito darf nun definitiv zurücktreten. Nach dem Kabinett hat am Freitag auch das Parlament seinem Wunsch entsprochen und ein Gesetz verabschiedet, das es dem 83-Jährigen erlaubt, in den Ruhestand zu gehen. Der Kaiser hatte die Regierung von Premier Shinzo Abe vor einem Jahr mit diesem Wunsch überrumpelt. Er sehe sich, sagte er damals, in Zukunft irgendwann nicht mehr in der Lage, sein dichtes Programm an Repräsentationspflichten zu erfüllen, seine Gesundheit lasse nach. Den Zeitpunkt des Rücktritts wird die Regierung festlegen, vermutlich auf den 23. Dezember 2018, seinen 85. Geburtstag. Als 126. Kaiser Japans wird ihn der 57-jährige Kronprinz Naruhito ablösen, sein ältester Sohn.

Obwohl in der Geschichte das japanischen Kaiserhauses fast die Hälfte der Kaiser zurück­getreten sind, um ihrem Nachfolger Platz zu machen, in den letzten 200Jahren allerdings keiner, gilt das neue Gesetz ausschliesslich für Akihito. Naruhito wird nicht abtreten dürfen. Der Zwang, bis zum Lebensende Kaiser bleiben zu müssen, tauchte Ende des 19.Jahrhunderts in den Entwürfen zum Hofamtsgesetz unter dem Meiji-Kaiser erstmals auf. Er war nach sieben Jahrhunderten der erste Kaiser, der als politisches Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Armee tatsächlich regierte.

Die Familie wurde immer kleiner

Zuvor hatten Japans Kaiser seit dem späten 12. Jahrhundert zurückgezogen als Hohepriester des Shintoismus in Kyoto gelebt. Regiert wurde Japan vom Shogun, einer Art Militärdiktator. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verlor der Kaiser jegliche Macht, seither ist er das «Symbol der japanischen Nation».

Die gegenwärtige Regierung Japans hält die Erinnerung an das imperialistische, damals rasch erstarkende Kaiserreich hoch. Doch dies ist nicht ihr Grund, Akihito den Rücktritt nur als eine einmalige Ausnahme zu erlauben. Sie sorgt sich vielmehr um den Fortbestand der ältesten Monarchie der Welt. Nach offizieller Lesart ist die dynastische Erbfolge, die auf die Sonnengöttin zurückgehen soll, in 125. Generation nie unterbrochen worden. Manche Historiker bezweifeln das. 1945 schafften die Japaner auf Druck der Alliierten den Adel ab, einzig die unmittelbare Familie des damaligen Kaisers und seine Brüder mit ihren Familien behielten den aristokratischen Status. Doch ausser Naruhito gibt es in der Familie nur noch zwei männliche Erben, seinen jüngeren Bruder, Kronprinz Fumihito, und dessen Sohn, den zehnjährigen Hisahito. Die übrigen Nachkommen Akihitos sind weiblich. Nach dem Hofamtsgesetz von 1947 kommen sie für den Thron nicht infrage. Mit der Heirat verlieren sie gar ihren Stand. Deshalb wurde die Familie in den letzten Jahren immer kleiner.

Aus Sorge um den Fortbestand der Dynastie hat das Parlament dem Abdankungsgesetz eine Resolution angehängt, die die Regierung auffordert, die Thronfolge neu zu regeln. Damit meint vor allem die Demokratische Partei, Japan solle künftig Thronfolgerinnen zulassen. Abe und seine Konservativen sind bisher strikt dagegen. Dabei wurden amtierende Kaiserinnen schon in den Entwürfen fürs Hofamtsgesetz von 1889 erwogen. Neu wäre das ohnehin nicht. In der japanischen Geschichte gab es acht historisch verbriefte Kaiserinnen und eine, die als Legende überliefert ist. Zwei von ihnen hatten das Amt sogar zweimal inne. Japans bisher letzte Kaiserin, Go-Sakuramachi, bestieg den Thron 1762 und trat als 31-Jährige 1771 wieder ab, um ihrem Neffen, der nun alt genug war, den Thron zu überlassen. Wie Go-Sakuramachi bestiegen – mit einer Ausnahme – auch die andern sieben Kaiserinnen den Thron, weil der männliche Erbe nicht bereit war. Daraus leiten die Konservativen ab, die Frauen seien bloss Regentinnen gewesen, keine vollwertigen Kaiserinnen.

Zudem hat noch nie eine Kaiserin im Amt einen männlichen Erben geboren, die Dynastie wurde später jeweils von einer Nebenlinie weitergeführt. Das ist nicht mehr möglich. Doch dass ein Sohn oder die Tochter eines bürgerlichen Vaters den Chrysanthemen-Thron besteigen würde, das können sich viele Japaner noch nicht vorstellen.

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