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Gericht will keinen öffentlichen Vergewaltigungs-Prozess

Bei der ersten Anhörung in Delhi wurde der Prozess-Beginn gegen die mutmasslichen Vergewaltiger und Mörder der Studentin für Donnerstag festgelegt. Das Gericht sprach sich gegen öffentliche Verhandlungen aus.

Der Prozess findet weiter hinter verschlossenen Türen statt: Ein Transporter der indischen Polizei bringt die Angeklagten zum Gerichtsgebäude ein Delhi. (24. Januar 2013)
Der Prozess findet weiter hinter verschlossenen Türen statt: Ein Transporter der indischen Polizei bringt die Angeklagten zum Gerichtsgebäude ein Delhi. (24. Januar 2013)
Keystone
Der Prozess gegen die fünf volljährigen Angeklagten soll täglich fortgeführt werden: Ein Bus der Polizei von Delhi fährt auf den Hof des Gerichts. (21. Januar 2013)
Der Prozess gegen die fünf volljährigen Angeklagten soll täglich fortgeführt werden: Ein Bus der Polizei von Delhi fährt auf den Hof des Gerichts. (21. Januar 2013)
Reuters
Schwieriges Mandat: Der Verteidiger eines der fünf Angeklagten gibt den Medien Auskunft. (21. Januar 2013)
Schwieriges Mandat: Der Verteidiger eines der fünf Angeklagten gibt den Medien Auskunft. (21. Januar 2013)
Keystone
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Nach einer kurzen ersten Anhörung ist das Verfahren gegen die fünf Vergewaltiger der indischen Studentin auf Donnerstag vertagt worden. Der Richter habe die Anwälte aufgefordert, ihre Eröffnungsplädoyers vorzubereiten, sagte der Verteidiger, V.K. Anand in Delhi. Zudem habe das Gericht zugestimmt, das Verfahren täglich fortzuführen, um die sonst in Indien üblichen Verzögerungen zu vermeiden.

Zum Prozessauftakt forderte einer der Verteidiger, das bislang geschlossene Verfahren öffentlich zu machen. «Es gibt ein gewaltiges öffentliches Interesse an diesem Fall, also sollte alles offen vor Gericht ausgetragen werden», sagte der Anwalt A.P. Singh. Der Antrag wurde jedoch angesichts der Art des Verbrechens vom Gericht ablehnt.

Auch Minderjähriger unter Verdacht

Den Angeklagten werden Mord und Vergewaltigung vorgeworfen. Sie sollen die 23-jährige Studentin am 16. Dezember in einem Bus vergewaltigt, brutal geschlagen und anschliessend nackt auf die Strasse geworfen haben. Die junge Frau erlag zwei Wochen später in einem Krankenhaus in Singapur ihren schweren Verletzungen, ihr ebenfalls misshandelter Begleiter überlebte den Überfall.

Im Falle einer Verurteilung droht den fünf Beschuldigten die Todesstrafe. Ein sechster Verdächtiger ist nach eigenen Angaben minderjährig und muss sich voraussichtlich vor einem Jugendgericht verantworten.

Frauenrechtlerin: Schnellgerichte sind positive Entwicklung

Das Verfahren am Montag begann vor einem neu eingerichteten Schnellgericht, das der in Indien grassierenden Gewalt gegen Frauen konsequenter und schneller nachgehen soll, als es bislang der Fall ist. Die fünf Beschuldigten erschienen am Montag mit vermummten Gesichtern im Gerichtssaal, um sie herum eine Phalanx von Polizisten.

Die brutale Vergewaltigung der jungen Studentin hatte in ganz Indien für grosse Empörung gesorgt und eine Debatte über gesellschaftliche Normen und eine grundlegende Reform des nachlässigen und ineffizienten Justizsystems angestossen.

Die neuen Gerichte für eine schnellere Verhandlung von Sexualverbrechen seien ein wichtiger Schritt, um einige der insgesamt 95.000 nicht abgeschlossenen Vergewaltigungsprozesse zu einem Ende zu führen, sagte die Frauenrechtlerin Ranjana Kumari. «Wir brauchen ein System, in dem Frauen schnell Gerechtigkeit zu Teil wird. Andernfalls kann es zehn, zwölf oder 14 Jahre dauern, bis der Fall überhaupt vor Gericht kommt», sagte Kumari.

Mutter des Opfers fordert Todesstrafe

Die Mutter des 23-jährigen Vergewaltigungsopfers fordert die Todesstrafe für die sechs mutmasslichen Peiniger ihrer Tochter. Auch der wohl noch minderjährige jüngste Verdächtige habe den Tod verdient, sagte die Frau kürzlich in einem Interview. Er sei der brutalste der Männer gewesen. Die Verteidiger der Beschuldigten behaupten wiederum, ihre Mandanten seien von der Polizei misshandelt und mit Schlägen zu Geständnissen gezwungen worden.

In Indien kann die Todesstrafe verhängt werden, sie wird allerdings nur selten vollstreckt. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International gab es von August 2004 bis November vergangenen Jahres keine Hinrichtung. Am 21. November 2012 wurde der einzige überlebende Täter der Anschlagsserie von Mumbai gehängt.

SDA/fko

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