Fast gelyncht, dann höflich befragt

Ein indischer Kampfpilot ist in Pakistan abgeschossen und festgenommen worden. Als «Geste des Friedens» kommt er frei.

Unterschiedliche Videos: Filmaufnahmen zeigen den indischen Piloten Abhinandan Varthaman. Video: Twitter/Major Surendra Poonia und Twitter/Salman Masood

Für einen Piloten im Kampfeinsatz ist es ein schlimmes Szenario: Er wird abgeschossen und fällt dann in die Hände des Gegners. Genau das ist einem indischen Piloten passiert. Abhinandan Varthaman wurde am Mittwoch von der Luftabwehr Pakistans abgeschossen. Videos in den sozialen Medien zeigen, wie der Pilot nach dem Absturz seiner Maschine von Soldaten und Zivilisten festgesetzt wird. Varthaman wird mit Fäusten und Tritten geschlagen. Der 36-jährige Inder wäre fast gelyncht worden.

Ein anderes Video zeigt einen ganz anderen Umgang der Pakistaner mit dem abgeschossenen Piloten. Inzwischen in Gewahrsam, wird Varthaman bei einer Tasse Tee sehr höflich befragt. «Ich bin Oberstleutnant Abhinandan, Offizier der indischen Armee. Meine Dienstnummer lautet 27981», sagt Varthaman, der seit 16 Jahren der Luftwaffe Indiens angehört. Er bedankt sich bei den Soldaten, die ihn festnahmen. Sie hätten ihn vor dem wütenden Mob geschützt. Er sei «sehr beeindruckt» von der pakistanischen Armee. Über seine Mission will er aber nichts sagen. «Der Tee ist fantastisch, danke», sagt Varthaman in dem PR-Video der pakistanischen Armee.

«Ich werde gut behandelt»: Abhinandan Varthaman, indischer Kampfpilot in pakistanischem Gewahrsam. Foto: AFP

Pakistans Armeesprecher Asif Ghafoor veröffentlichte auf Twitter ein Foto des sichtbar im Gesicht verletzten Kampfpiloten. Daraufhin bestellte Indiens Aussenministerium nach eigenen Angaben den pakistanischen Botschafter ein und beschwerte sich über diese «vulgäre Darstellung» des Gefangenen, die gegen internationales Recht und die Genfer Konvention verstosse. Indien erwarte seine sofortige, sichere Rückkehr. Auf Twitter und Facebook bekundeten viele Inder ihre Solidarität mit dem Piloten.

Pakistan wird nach Angaben von Premierminister Imran Khan den indischen Piloten morgen Freitag aus dem Gewahrsam entlassen. Der Kampfpilot werde als «Geste des Friedens» freigelassen, kündigte der Regierungschef heute an.

Konflikt um Terrorunterstützung Pakistans

Indien hatte in den letzten Tagen Luftangriffe auf Ziele in Pakistan geflogen. Die Angriffe gegen eine Islamistengruppe sollen «wegen drohender Selbstmordanschläge in Indien» erfolgt sein. Pakistan reagierte mit Vergeltungsaktionen. Damit eskaliert der brisante Konflikt zwischen den verfeindeten Atommächten Indien und Pakistan. In einer martialischen Rede hat Indiens Premierminister Narendra Modi am Donnerstag seine Landsleute zur Standhaftigkeit gegen den Erzrivalen Pakistan aufgerufen. Das Volk müsse sich allen Destabilisierungsversuchen des Nachbarstaats widersetzen.

Der Konflikt zwischen Indien und Pakistan dreht sich um die umstrittene Region Kashmir sowie um mutmassliche Terrorunterstützung. Eine in Pakistan ansässige Islamistengruppe hatte einen kürzlichen Anschlag für sich reklamiert, bei dem 41 indische Sicherheitskräfte getötet wurden. Indiens Luftwaffe flog in der Nacht zum Dienstag zum ersten Mal seit 1971 Angriffe auf pakistanischem Gebiet.

vin

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt