Fahrradbomben in Indien: Polizei war gewarnt

Mindestens 16 Menschen sind bei Anschlägen in der indischen Stadt Hyderabad getötet worden. Am Tag danach wirft die Opposition Regierung und Geheimdiensten Untätigkeit vor.

Die Behörden stehen in der Kritik: Polizisten am Ort einer der Explosionen. (22. Februar 2013)

Die Behörden stehen in der Kritik: Polizisten am Ort einer der Explosionen. (22. Februar 2013)

(Bild: Keystone)

Nach den Anschlägen von Hyderabad gerät die indische Regierung zunehmend unter Druck. Wie sich herausgestellt hat, war die Polizei nach eigenen Angaben vor Anschlägen durch Islamisten in der zentralen Millionenmetropole gewarnt worden.

Die Opposition wirft der Regierung in Neu Delhi ein Versagen in der Sicherheitspolitik vor. Im vergangenen Jahr seien zwei Islamisten der Gruppe Indische Mujahedin verhört worden, die mögliche Attentatsziele in Neu Delhi, Mumbai, Hyderabad und Pune genannt hätten, sagte ein ranghoher Polizeibeamter der Nachrichtenagentur AFP. «Einer der angegebenen Orte war Dilsukh Nagar, das vergangene Nacht getroffen wurde.» Die Polizei in Hyderabad sei darüber informiert gewesen. Die Indischen Mujahedin bekannten sich in der Vergangenheit bereits zu Anschlägen.

Untätigkeit vorgeworfen

Die Vorsitzende der grössten Oppositionspartei Bharatiya Janata, Sushma Swaraj, warf der Regierung vor, trotz der Hinweise auf einen möglichen Anschlag untätig geblieben zu sein. Der kommunistische Abgeordnete Basudev Acharya kritisierte, nach jedem Anschlag sei die Rede von einem Versagen der Geheimdienste.

Die indischen Geheimdienste wurden in der Vergangenheit immer wieder kritisiert, nachdem es eine Reihe von Anschlägen gegeben hatte. Beim schwersten Anschlag durch bewaffnete Islamisten waren im November 2008 insgesamt 166 Menschen getötet worden. Zum Zeitpunkt des Anschlags vom Donnerstag waren die Behörden zudem in erhöhter Alarmbereitschaft, nachdem es nach der Hinrichtung eines der Hintermänner eines Anschlags auf das indische Parlament 2001 Proteste in der muslimisch geprägten Region Kaschmir gab.

Bomben auf Fahrrädern deponiert

Im belebten Viertel Dilsukh Nagar von Hyderabad waren am Donnerstag zwei auf Fahrrädern deponierte Bomben explodiert. Innenminister Shushil Kumar Shinde bezifferte die Zahl der Toten auf 16. Weitere 117 Menschen seien verletzt worden. Schwer verletzt wurde ein 25-Jähriger, der bereits bei einem Anschlag 2007 ein Bein einbüsste, wie sein Vater örtlichen Medien sagte. Nach Ärzteangaben drohen dem Mann nun bleibende Schäden am Rückenmark.

Zu den Anschlägen bekannte sich bislang niemand. Die Bemühungen, die Hintermänner ausfindig zu machen, erlitten am Freitag einen Rückschlag, als die Ermittler entdeckten, dass die Kabel von Überwachungskameras in der Nähe des Anschlagsorts durchtrennt waren. Indiens Aussenminister Ranjan Mathai schloss nicht aus, dass die Anschläge vom Ausland aus organisiert wurden. Erzfeind Pakistan erwähnte er dabei nicht direkt. Das Land wurde von Neu Delhi wiederholt für Anschläge verantwortlich gemacht.

Hyderabad ist eines von Indiens Zentren der Computer- und Softwareindustrie. Die Stadt hat eine starke muslimische Bevölkerung, in dem betroffenen Bezirk leben aber vor allem Hindus. In der Vergangenheit gab es immer wieder Konflikte zwischen verschiedenen Religionsgruppen.

Die Anschläge von Hyderabad wurden international verurteilt. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon erklärte, er verurteile die «blinden Attentate auf das Schärfste». US-Aussenminister John Kerry sprach den Bewohnern von Hyderabad sein Mitgefühl aus. Pakistan erklärte, «jegliche Terrorakte» seien «ungerechtfertigt, unabhängig von ihrer Motivation».

mw/AFP

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