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Extremisten schocken Australien mit geplanten Enthauptungen

Beim grössten Antiterroreinsatz in der Geschichte Australiens wurden 15 Verdächtige festgenommen. Extremisten wollten offenbar wahllos Passanten töten. Was treibt junge Muslime in die Arme von Extremisten?

Mögliche Tatwaffe? Ein Schwert wird als Beweisstück aus einem Haus in Sydney entfernt. (18. September 2014)
Mögliche Tatwaffe? Ein Schwert wird als Beweisstück aus einem Haus in Sydney entfernt. (18. September 2014)
AAP Image/Paul Miller, Keystone
Es handelte sich um den grössten Antiterroreinsatz in der Geschichte Australiens: Forensikmitarbeiter der Bundespolizei betreten ein Haus...
Es handelte sich um den grössten Antiterroreinsatz in der Geschichte Australiens: Forensikmitarbeiter der Bundespolizei betreten ein Haus...
David Gray, Reuters
15 Verdächtige wurden festgenommen: Ein Mann wird von der Polizei angehalten. (18. September 2014)
15 Verdächtige wurden festgenommen: Ein Mann wird von der Polizei angehalten. (18. September 2014)
Australian Federal Police, Reuters
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Wie kommt ein 22-Jähriger in Australien dazu, auch nur in Erwägung zu ziehen, Vorbeigehende auf offener Strasse in Sydney zu entführen und dann zu enthaupten?

Die Pläne für solche Terroranschläge, die die Polizei nach eigenen Angaben aufgedeckt hat, erinnern an das Verbrechen gegen den britischen Soldaten Lee Rigby. Zwei fanatische muslimische Extremisten ermordeten ihn im Mai 2013 auf offener Strasse in London.

Polizeikommandant Andrew Scipione informiert die Öffentlichkeit (Video: Storyful/The NSW Police)

Die Australier sind nach der grössten Anti-Terror-Razzia ihrer Geschichte entsetzt. Der angeklagte 22-Jährige gehörte einer radikalisierten Szene junger Muslime an. Dazu gehört auch Mohammed Ali Bariali, der sich als ranghöchster Australier in den Rängen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) brüstet.

Der 33-Jährige prahlt auf Facebook mit seiner Gewaltbereitschaft und seinem Todesmut. Der afghanischstämmige Mann war Türsteher in Sydney und wollte Schauspieler werden, ehe er sich den Extremisten anschloss. Im April 2013 reiste er nach Syrien. Von dort rekrutiert er seitdem Australier für den vermeintlich Heiligen Krieg.

Radikalisierung im Heimatland

Wie Amira Karum, und ihren Mann Tyler Casey. Die 22-jährige Amira kommt aus wohlhabendem Haus. Ihre Familie lebt im Urlauberparadies Goldküste. «Wir haben ein Haus am Strand, sie ging schwimmen und tanzen und ich habe für ihre Freunde gegrillt», sagte ihr Vater Mohammed Karum dem Sender ABC.

Vor drei Jahren habe sie plötzlich ihre muslimischen Wurzeln entdeckt und einen Gesichtsschleier angelegt. Sie heiratete einen Australier, der zum Islam übergetreten war, zog mit ihm in den Krieg nach Syrien und wurde dort im Januar getötet.

Die Radikalisierung muslimischer Jugendlicher ist auch in Australien nicht neu. Die Polizei nahm in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche Extremisten fest, die Anschläge auf australischem Boden planten, wie die Monash-Universität in einer Studie schreibt.

Wegen der geografischen Nähe hätten Extremisten aus islamischen Konfliktländern zwar eher Stützpunkte in Europa aufgebaut. Doch habe sich in Australien eine eigene extremistische Szene gebildet, die überdurchschnittlich viele Anhänger unter den dort geborenen und nicht zugewanderten Muslimen hat. «Die Radikalisierung findet verglichen mit anderen westlichen Ländern deutlich öfter hier in Australien statt», heisst es in der Studie.

Hass auf «Krieg gegen Terror»

Wie anderswo sei Hass auf den vermeintlichen Krieg der westlichen Welt gegen den Islam der Auslöser. Australiens Unterstützung für den von US-Präsident George W. Bush nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ausgerufenen «Krieg gegen den Terror» mache das Land in den Augen von Extremisten zu einem legitimen Ziel.

Konkreter Auslöser für die jetzt vereitelten Terrorpläne dürfte Frust der jungen Extremisten sein, meint der Anti-Terrorexperte Clive Williams.

«Wir wissen, dass etwa 60 Leuten, die in Syrien und im Irak kämpfen wollten, der Pass verweigert wurde - da hat sich viel Frust aufgebaut», sagte er dem Nachrichtendienst Fairfax News. «Man muss sich fragen, ob es nicht besser wäre, sie ziehen zu lassen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, wenn sie wiederkommen, statt den angestauten Frust hier zu haben.»

SDA/chk

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