Er soll Hongkong unter Kontrolle bringen

Luo Huining ist hochrangiger Parteikader. Er gefällt Chinas Chefs wegen seiner linientreuen Gnadenlosigkeit.

Er war schon Parteichef in Tibet, darum hält man ihn auch für den richtigen Mann, um für Ruhe in Hongkong zu sorgen: Luo Huining. Foto: Thomas Peter (Reuters)

Er war schon Parteichef in Tibet, darum hält man ihn auch für den richtigen Mann, um für Ruhe in Hongkong zu sorgen: Luo Huining. Foto: Thomas Peter (Reuters)

Sein neuer Job dürfte Luo umfassende Kompetenzen bringen, beliebt macht ihn die Position aber nicht. Die Vertretung der Zentralregierung ist in Hongkong den meisten Menschen verhasst. Um zu seinem Arbeitsplatz zu kommen, muss Luo wohl künftig regelmässig über Absperrungen klettern. Mehrfach haben Demonstranten versucht, die De-facto-Botschaft Pekings zu stürmen. Seitdem gleicht das Hochhaus im Zentrum Hongkongs einer Burg, die von Polizisten umstellt ist.

Der frühere Chef der Kommunistischen Partei in der Provinz Shanxi im Norden Chinas ist seit seiner Jugend Parteisoldat. Der Parteikader hat während der Kulturrevolution in einer Stahlfabrik gearbeitet. Als die Universitäten nach dem Jahrzehnt des Chaos wieder geöffnet wurden, studierte er und promovierte in Wirtschaft.

Nach seinem Abschluss kletterte Luo die Parteihierarchie empor. Vor zehn Jahren übernahm er das Regierungsamt in der tibetisch geprägten Provinz Qinghai, drei Jahre später wurde er im Geburtsort des Dalai Lama Parteichef. Mit seinem Amtsantritt 2016 in Shanxi dürfte er Präsident Xi Jinping auf sich aufmerksam gemacht haben. Dieser hatte 2012 mit einer Antikorruptionskampagne der Vetternwirtschaft den Kampf angesagt.

Die Berufung eines Spitzenkaders wie Luo zeigt, wie wichtig der Partei eine Lösung in Hongkong ist.

In Shanxi soll Luo gemäss Xis Aufforderung weder Tiger noch Fliege verschont haben. Seine Gnadenlosigkeit gegenüber den Parteifunktionären, unter denen sogar Vertraute des ehemaligen Präsidenten Hu Jintao gewesen sein sollen, scheint in Peking einigen gefallen zu haben.

Es sei diese Durchsetzungskraft, die ihn nun für den Job in Hongkong qualifiziere, heisst es. Der Protest in Hongkong gilt als eine der grössten politischen Krisen der vergangenen Dekaden im Land. Die Berufung eines Spitzenkaders wie Luo zeigt, wie wichtig der Partei eine Lösung ist.

Offenbar traut man Luo nicht nur zu, die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Für ihn spricht wohl auch, dass er bisher kaum Beziehungen zu Hongkong hat. Sein Vorgänger Wang Zhimin, der kaum mehr als zwei Jahre im Amt blieb, soll zu enge Beziehungen zu den Wirtschaftsbossen Hongkongs gepflegt haben.

Luo reiste als neuer Direktor bereits in seinen ersten Tagen im Amt von Hongkong ins benachbarte Shenzhen. Dort soll es um engere Kooperation mit dem Festland gegangen sein. Die Eingliederung Hongkongs in die Nation, unter Luo soll sie gelingen.

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