Er ist präsent, wo immer es brennt

Shane Fitzsimmons, der Feuerwehrchef von New South Wales, ist den Australiern ein Held – und dem Premier ein Gegner.

Australiens Premier Scott Morrison (links) im Gespräch mit dem Feuerwehrchef von New South Wales Shane Fitzsimmons (rechts). Foto: Keystone

Australiens Premier Scott Morrison (links) im Gespräch mit dem Feuerwehrchef von New South Wales Shane Fitzsimmons (rechts). Foto: Keystone

In schweren Zeiten zeigt sich, wer das Zeug zum Helden hat. Nach fast drei Monaten zum Teil apokalyptischer Feuer ist den meisten Australiern klar: Ihr Premier Scott Morrison hat es nicht. Dafür feiern sie einen anderen: Shane Fitzsimmons, den Chef des Rural Fire Service (RFS), der Feuerwehr, die den lichterloh brennenden Bundesstaat New South Wales zu schützen versucht.

Seit dem verfrühten Beginn der Feuersaison ist der 50-Jährige präsent, wo immer es brennt – buchstäblich wie im weiteren Sinne. Von den Einsatzzentralen des RFS aus dirigiert er knapp tausend hauptberufliche und mehr als 70'000 freiwillige weibliche wie männliche Brandbekämpfer; der RFS gilt als die grösste Feuerwehr der Welt. Ob er sich mit Experten austauscht oder die Öffentlichkeit über die Lage informiert, stets ist Fitzsimmons konzentriert, klar im Ton, für jeden verständlich. Das weisse Hemd gebügelt, die rosigen Wangen rasiert, aber nie eitel.

Kompetenz und Empathie

Mindestens ebenso engagiert sieht man ihn draussen an einer der mehr als 150 Feuerfronten, die in New South Wales toben. Er spricht seinen Kollegen, die sich seit Wochen zwischen Flammen, Asche und Elend verausgaben, Mut zu, besucht Verletzte, tröstet jene Anwohner, die ihre Häuser verloren haben.

Der Feuerwehrchef zeigt, was dem Premier fehlt: Kompetenz sowie Empathie. Fitzsimmons’ eigener Vater, ebenfalls Feuerwehrmann, starb 2000 bei einem Einsatz. «Ehrlich gesagt hat das meinen Entschluss, Teil der Feuerwehr zu werden, bekräftigt», sagte er. «Und dafür zu sorgen, dass die Strategien, die Ausrüstung und die Arbeitsweise, die wir verfolgen, so sind, dass die Feuerwehrleute maximal gesichert sind.»

Seinen ersten Einsatz begann er 1985 als 15-Jähriger bei einer Waldbrigade im Norden Sydneys. Der RFS sah in dem jungen Fitzsimmons früh «echtes Potenzial». Der gelernte Automechaniker bildete sich fort, stieg auf, die Feuerwehr wurde sein Leben. Auch seine Frau Lisa, die als Funkerin arbeitete, lernte er dort kennen; zwei Kinder haben die beiden.

«Was zum Teufel redet ihr da?»

Politisch hielt sich Fitzsimmons bislang eher zurück, auch wenn er betonte, dass er eine effektivere Klimapolitik für genauso notwendig hält wie eine bessere Ausstattung seiner Feuerwehr. Am Sonntag jedoch platzte ihm der Kragen: Anstatt ihn persönlich zu informieren, dass die Regierung der Feuerwehr 3000 Reservisten zur Hilfe schicken werde, hatte Premier Morrison die Nachricht über die Medien verkündet. Und ein Video veröffentlicht, das ausgerechnet seine Liberal Party als Krisenmanagerin feiert.

«Ich finde diesen Mangel an professionellem Umgang sehr enttäuschend», sagte Fitzsimmons im Fernsehen. «An einem der schlimmsten Tage, die ich in New South Wales je erlebt habe, während wir unzählige Menschen evakuieren mussten, trudelten auf einmal Nachfragen zu den Militärbasen ein, und wir fragten uns nur: ‹Was zum Teufel redet ihr da?›» Zudem erinnerte er den Premier daran, dass er bereits vor Monaten mehr Geld etwa für Löschflugzeuge erbeten hatte – doch keine Zusage erhielt. Eine solche Ohrfeige vom Helden tut Morrison vermutlich doppelt weh.

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