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Elite-Einsatz endet im Fiasko

Auf den Philippinen suchte ein Sonderkommando der Polizei einen Topterroristen. Die Aktion geriet zum Gemetzel – fast 50 Elitekräfte starben.

Polizisten tragen die Leiche eines Kameraden weg, der bei Gefechten mit Rebellen in Mamasapano getötet wurde.
Polizisten tragen die Leiche eines Kameraden weg, der bei Gefechten mit Rebellen in Mamasapano getötet wurde.
Reuters
Erste Hilfe für einen verletzten Polizisten.
Erste Hilfe für einen verletzten Polizisten.
AFP
Soldaten bei Strassenkontrollen in Sultan Barongis.
Soldaten bei Strassenkontrollen in Sultan Barongis.
Reuters
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Zwischen der philippinischen Regierung und der Nationalen Moro-Befreiungsfront (Milf) besteht eigentlich eine Waffenstillstandsvereinbarung. Dennoch kam es zu heftigen Gefechten in der von den muslimischen Rebellen kontrollierten Stadt Mamasapano in der Provinz Maguindanao 960 Kilometer südlich der Hauptstadt Manila. Bei den Kämpfen mit den Rebellen kamen am letzten Sonntag 49 Polizisten ums Leben – Angehörige einer Elite-Einheit, die den Auftrag hatte, zwei mutmassliche Terroristen der Jemaah Islamiyah festzunehmen. Einer von ihnen ist der Malaysier Zulkipli bin Abdul Hir, einer der meistgesuchten Terroristen von Südostasien.

Die Anti-Terror-Aktion der philippinischen Polizei geriet zum Debakel: Sie endete mit der seit vielen Jahren höchsten Opferzahl für die philippinischen Sicherheitskräfte bei einem einzelnen Gefecht. Aufseiten der Rebellen soll es elf Tote gegeben haben.

Friedensplan auf der Kippe

Die nationale Polizei hatte ihren Einsatz mit rund 400 Spezialkräften nach Angaben der Rebellen nicht vorher angekündigt, obwohl die Waffenstillstandsvereinbarung dies vorschreibt. Milf-Chefunterhändler Mohagher Iqbal sagte, dass diese Kämpfe zu einem «grossen Problem» für den Friedensprozess werden könnten. Im Parlament in Manila ist die geplante Anhörung zur Umsetzung eines Friedensplans vorerst vertagt worden. Inzwischen untersucht die Staatsanwaltschaft die Verantwortlichkeiten und Hintergründe der Gefechte. Spekulationen zufolge sollen teilweise auch Polizisten ohne Ortskenntnisse im Einsatz gewesen sein – in einen Hinterhalt geraten, hätten sie keine Chance gehabt gegen die Übermacht der muslimischen Rebellen.

Die Polizeiverantwortlichen sprachen gemäss Medienberichten von «versehentlichen Zusammenstössen», denn die Aktion habe sich nicht gegen die Milf-Rebellen gerichtet. Beim verunglückten Einsatz gerieten die Polizisten zunächst in Gefechte mit Mitgliedern der Islamischen Freiheitskämpfer Bangsamoro, einer Abspaltung der Milf. Bangsamoro gilt als noch radikalere Organisation als die Milf. Die Rebellen liessen verlauten, dass sie in Notwehr gegen die Polizisten gehandelt hätten.

Jahrzehntelanger Konflikt

Die Milf ist die wichtigste Rebellengruppe des Landes. Im März vergangenen Jahres hatte sie einen Friedensvertrag mit der philippinischen Regierung geschlossen, der weitreichende Autonomierechte für die muslimische Bevölkerung auf Mindanao vorsieht und damit einen jahrzehntelangen Konflikt beilegen sollte. Das Rahmenabkommen sieht eine Gründung einer autonomen Region Bangsamoro vor. Seit Beginn des Rebellenaufstands in den 1970er-Jahren wurden Schätzungen zufolge rund 150'000 Menschen getötet. Die Philippinen sind mehrheitlich katholisch, die rund zehn Millionen Muslime machen etwa zehn Prozent der Bevölkerung aus.

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