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Ein Land freut sich über die Zypernkrise

In der Türkei wurden Zyprioten bislang als reich und arrogant wahrgenommen. Nun herrscht offene Schadenfreude. Die gemeinsamen Bodenschätze will Ankara auf keinen Fall im Rettungsfonds sehen.

Jahrelanger Streit: Parade zur Feier der türkischen Militärintervention von 1974 in Noden Zyperns. (20. Juli 2011)
Jahrelanger Streit: Parade zur Feier der türkischen Militärintervention von 1974 in Noden Zyperns. (20. Juli 2011)

Die finanzielle Katastrophe der Zyprioten ist der Triumph der Türkei. Mitleid können die griechischen Bewohner der geteilten Insel aus Ankara nicht erwarten. Stattdessen kommen von der türkischen Regierung scharfe Warnungen davor, dass die Republik Zypern nicht versuchen solle, die Ausbeutung von Gasvorkommen im Mittelmeer vor der Insel zur Grundlage einer finanziellen Sanierung zu machen.

«Im Land kein Geld, die Geschäfte stehen still», beschrieb die türkische Tageszeitung «Hürriyet» die Lage im griechischen Teil der Insel vor einigen Tagen. Türken in Istanbul zeigen offene Schadenfreude über die Krise der bisher als wohlhabend und arrogant empfundenen griechischen Zyprioten. Dass aus Ankara ein Angebot zur Einführung der Türkischen Lira gemacht wurde, wird in Nikosia als hämische Provokation bezeichnet.

Zypriotische Wiedervereinigung in weiter Ferne

Auf der türkischen Seite der Insel ist die Sicht differenzierter. Viele Türken arbeiten im griechischen Teil der Insel, seit die Trennungslinie 2003 geöffnet wurde, und haben auch Konten bei zypriotischen Banken. 80'000 bis 111'000 türkische Zyprioten sollen sich einen EU-Pass der griechischen Seite besorgt haben.

Im Norden Zyperns gibt es seit einer türkischen Militärintervention 1974 die international nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern. Im Süden liegt die Republik Zypern, die aber die ganze Insel international vertritt und auch Mitglied der EU ist.

Der Streit um eine Wiedervereinigung und ein neues politisches System für die gesamte Insel hat Generationen internationaler Vermittler verschlissen. Seit auf der griechischen Seite Gas gefunden wurde, ist der Konflikt – der für die Türkei ein Haupthindernis in den Beitrittsverhandlungen mit der EU ist – um eine wirtschaftliche Dimension erweitert. 2011 war ein Erdgasvorkommen unter dem Meeresboden südlich von Zypern entdeckt worden.

Keine Sanierung über das Gas

In scharfer Form hat die türkische Regierung Zypern davor gewarnt, die Finanzkrise mit dem Verkauf der zwischen beiden Seiten beanspruchten Gasvorkommen bewältigen zu wollen. Vorschläge in diese Richtung waren bei den gescheiterten Bemühungen Nikosias um Rettungsgelder aus Russland laut geworden.

Die Türkei sei entschlossen, die eigenen Rechte und die Interessen der türkischen Zyprioten auf der geteilten Insel zu schützen, teilte das Aussenministerium in Ankara dazu mit. Die Idee der griechischen Zyprioten, Werte aus Bodenschätzen der Insel in einen Rettungsfonds einzubringen, habe «grundlegende Rechte der türkischen Zyprioten, die Mitbesitzer der Insel sind», ignoriert, warnte das Ministerium. Die Überlegungen seien Ausdruck einer gefährlichen Illusion, alleiniger Besitzer der Insel zu sein, was zu einer neuen Krise in der Region führe könne.

Israel als wackliger Partner

Bei der Ausbeutung der Gasvorkommen hat die Republik Zypern bisher auf eine Zusammenarbeit mit Israel gesetzt. Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel lagen bis vor wenigen Tagen auf Eis, nachdem das israelische Militär die türkische Seefähre «Mavi Marmara» auf Fahrt Richtung Gazastreifen gestürmt und Soldaten neun türkische Aktivisten getötet hatten.

Die Entschuldigung des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanyahu für den Angriff hat die Weichen für eine Versöhnung mit der Türkei gestellt. Für Gasgeschäfte der Republik Zypern mit Israel, die sich offen gegen erklärte Interessen der Türkei richten, könnte sich die politische Wende als schlechte Nachricht erweisen.

Ankara hat deutlich gemacht, dass im Streit ums Gas alle Register gezogen werden. Das bekam am Mittwoch auch der italienische Gasversorger ENI zu spüren. Weil das Unternehmen Pläne für eine Ausbeutung der Gasvorkommen vor Zypern vorantreibe, habe Ankara alle geplanten Projekte mit ENI in der Türkei gestoppt, teilte der türkische Energieminister Taner Yildiz mit.

(SDA)

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