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«Ein Kompromiss» mit den Taliban

Nur, wenn die Taliban mitregieren, lässt sich Afghanistan stabilisieren: Das sagt der deutsche Abgeordnete Jürgen Trittin.

Machtteilung mit der jetzigen Regierung: Wächter der Taliban während eines Journalistenbesuches im Oktober 2008 in der Unruheprovinz Helmand.
Machtteilung mit der jetzigen Regierung: Wächter der Taliban während eines Journalistenbesuches im Oktober 2008 in der Unruheprovinz Helmand.

Der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Jürgen Trittin, hält eine Stabilisierung Afghanistans auf Dauer nur für möglich, wenn auch hochrangige Kriegsherren und Taliban-Führer an der Macht beteiligt würden.

Konkret nannte Trittin im Interview der «Stuttgarter Zeitung» Gulbuddin Hekmatyar und Taliban-Führer Mullah Omar. «Was am Ende des Prozesses bestenfalls stehen wird, ist ein Kompromiss und eine Machtteilung mit jenen Kräften, von denen ein früherer US-Präsident mal gesagt hat, sie seien das Böse schlechthin, das vernichtet werden müsse», meinte der Grünen-Politiker.

Tötungen von Aufständischen «ein fataler Irrweg»

Omar und Hekmatyar stünden zwar noch immer auf der Terrorliste der Vereinten Nationen. Er sei sich aber ziemlich sicher, dass sie über kurz oder lang in Afghanistan in Form einer Machtteilung mit der jetzigen Regierung beteiligt werden müssten, sagte Trittin.

Auch aus diesem Grund seien gezielte Tötungen von Aufständischen ein fataler Irrweg. «Man muss mir mal erklären, wie man auf der einen Seite einen politischen Deal über eine Machtteilung in Afghanistan mit den Oberkommandierenden der Taliban hinbekommen möchte, wenn man gleichzeitig versucht, die mittlere Funktionärsebene der Taliban wegzuschiessen.»

Der deutschen Regierung wirft Trittin Konzeptlosigkeit vor. Die Nato habe das Ziel ausgegeben, bis 2014 die Kampftruppen abzuziehen. Die Grünen gingen davon aus, «dass das, was für die Nato gilt, auch für die Bundeswehr gilt». Die Bundesregierung weigere sich aber noch immer, über Abzugsdaten zu sprechen. «Das Ziel ‹Alle gehen, und die Deutschen machen als Letzte das Licht aus› kann ja wohl nicht ernsthaft verfolgt werden», so Trittin.

dapd/oku

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