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Die kleine Schwester des grossen Führers

Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un hat seine Schwester Yo-jong ins Zentralkomitee der Partei gehoben. Sie ging ebenfalls in der Schweiz zur Schule.

Dieses Bild zeigt angeblich Yo-jong bei ihrer Stimmabgabe für die Wahl des nordkoreanischen Pseudoparlaments im März des letzten Jahres. Quelle: nbconline.com
Dieses Bild zeigt angeblich Yo-jong bei ihrer Stimmabgabe für die Wahl des nordkoreanischen Pseudoparlaments im März des letzten Jahres. Quelle: nbconline.com

Yo-jong, die jüngste Tochter des vor drei Jahren verstorbenen «Geliebten Führers», soll Kim Jong-un und seinem Vater schon vor dessen Tod geholfen haben; insbesondere soll sie die Nachfolge Kims vorbereitet haben. Dazu arbeitete sie entweder im persönlichen Sekretariat des Vaters oder in der Nationalen Verteidigungskommission, der mächtigsten Institution Nordkoreas.

Sie begleitete Kim Jong-il auf manchen Inspektionstouren, allerdings im Hintergrund. Selber an die Öffentlichkeit trat sie erst während Kims Beerdigung. Als sich ihr Bruder im September einer Operation an den Füssen unterziehen musste, soll er der 27-Jährigen die Regierungsverantwortung übertragen haben, heisst es in Seoul. Verifizieren lässt sich das nicht.

Beide in einer Berner Schule

Die zwei jüngsten von Kims fünf Kindern stehen sich offenbar recht nahe. Während Kim Jong-un in den 90er-Jahren in Bern eine private Mittelschule besuchte, ging Yo-jong ab 1996 ebenfalls in eine Primarschule ganz in der Nähe. Ende 2000 kehrte sie nach der sechsten Klasse nach Pyongyang zurück. Nach Angaben des südkoreanischen Geheimdienstes wurden die beiden in der Schweiz von Ko Young-sook betreut, der Schwester ihrer Mutter Ko Young-hui.

Video: Reuters

Ko Young-sook und ihr Mann sollen 1998 in der US-Botschaft in Bern politisches Asyl beantragt haben. Seither leben sie in den USA, beschützt von der amerikanischen Regierung, die ihnen eine neue Identität und mittels kosmetischer Chirurgie neue Gesichtszüge verschafft hat. Das berichtete die südkoreanische Tageszeitung «Joongan Ilbo».

Die japanische Mutter

Ko Young-hui, die Mutter der drei jüngeren Kinder Kim Jong-ils, und ihre Schwester wurden in Osaka geboren. Auf Japanisch hiess sie Hime Takada. Ihr Vater, der während des Krieges in einer Näherei der kaiserlichen Armee arbeitete, war ein aktives Mitglied der koreanischen Gemeinde von Osaka und ein Sozialist. 1962 wurde die Familie nach Nordkorea repatriiert; gewissen Quellen zufolge nicht freiwillig. Japan habe den Vater, einen Sozialisten, loswerden wollen. Ko, die als Tänzerin der bekannten Mansudae-Truppe angehörte, lernte Kim auf einer seiner privaten Partys kennen.

Die Herkunft von Ko, mit der Kim mehr als zwanzig Jahre zusammenlebte, aber nie verheiratet war, ist in Pyongyang ein offenes Geheimnis. Es darf nicht gesagt werden, dass die Mutter des jungen Diktators aus Japan kam. Und dass sein Grossvater für die japanische Armee arbeitete schon gar nicht. Ko starb 2004 in einem Krankenhaus in Paris, wo sie zur Behandlung ihres Brustkrebses lag.

Ein Studium in Europa?

Gerüchten zufolge ist Kim Yo-jong nach dem Tod der Mutter noch einmal nach Europa gegangen, um unter einem Decknamen ein Studium abzuschliessen. Wo, ist nicht bekannt. Wie lange, auch nicht. Ein Foto aus dem Jahre 2009 zeigt sie mit Vater und Bruder auf dem Campus der Landwirtschafts-Uni in Wonsan an Nordkoreas Ostküste. Vergangenen März zeigten die Medien sie bei der Stimmabgabe für die Wahl des Volkskongresses, des nordkoreanischen Pseudoparlaments. Und seit Donnerstag hat sie auch einen Titel: Der Bericht über ihren Besuch in einem Trickfilm-Studio bezeichnet die 27-Jährige als stellvertretende Abteilungsdirektorin im Zentralkomitee.

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