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Die Buschbrände sind ein Menetekel

Trotz Bränden in Folge der Klimaerhitzung erhöht Australien seine Kohleförderung. Die Folgen kommen mit aller Macht zurück.

Kein Ort zum Leben: Ein australischer Helfer rettet auf der Känguru-Insel einen Koala vor den Buschbränden. Foto: David Mariuz (AAP, Reuters)
Kein Ort zum Leben: Ein australischer Helfer rettet auf der Känguru-Insel einen Koala vor den Buschbränden. Foto: David Mariuz (AAP, Reuters)

Dieser Freitag könnte eigentlich ein schöner Sommertag in Australiens Metropole Sydney sein. Leicht bewölkt, die Temperaturen erreichen nachmittags 30 Grad. Die Sonne wird jedoch nur durch einen dunstigen Rauchschleier zu sehen sein, noch immer brennen die Eukalyptuswälder in den nahen Blue Mountains. Dabei ist es längst nicht mehr so heiss wie vor einer Woche, als die Thermometer 43 Grad anzeigten.

Solche Temperaturen sind für australische Verhältnisse nicht ungewöhnlich – an einzelnen Tagen. Doch 2019 wurden sie zur Regel: Noch nie hat das staatliche Büro für Meteorologie in seine Aufzeichnungen ein heisseres Jahr eingetragen. Das allein wäre noch kein Grund für Alarm. Auf dem Kontinent war es immer heiss und in weiten Gebieten trocken, Buschbrände loderten in jedem Sommer, wenn auch noch nie so lange und so grossflächig wie jetzt. Aber 2019 war kein Ausnahmejahr, es markiert einen Trend.

Alle sieben vergangenen Jahre haben es in Australiens Temperatur-Top-Ten geschafft. Das ist mehr als nur Wetter, der menschengemachte Klimawandel ist längst da, auch wenn der liberalkonservative Premierminister Scott Morrison es nicht wahrhaben mag.

Ursache und Wirkung

Tatsächlich sind die verheerenden Buschbrände ein Menetekel – nicht nur für Australien. Auf der ganzen Erde wird 2019 voraussichtlich das zweitheisseste Jahr seit Beginn der Messungen gewesen sein, und das Weltrekordjahr 2016 ist noch nicht lange her. Doch nirgendwo ist der Zusammenhang zwischen den steigenden Temperaturen und den katastrophalen Folgen der Klimaerhitzung so sichtbar wie auf den spektakulären Fernsehbildern aus den Brandgebieten Australiens. Und nirgendwo kommen sich Ursache und Wirkung des Klimawandels so anschaulich nahe.

Australien ist der weltgrösste Exporteur von Kohle. Seine Bergbau-Industrie ist für die Wirtschaft des Landes wichtig und mächtig, aber auch unwillig, sich der Verantwortung für den eigenen Beitrag zur Klimakrise zu stellen. Sie hat es etwa geschafft, eine dauerhafte Bepreisung von Kohlendioxid zu verhindern, mit freundlicher Hilfe liberalkonservativer Regierungschefs wie Morrison. Der Premier ist zwar kein offener Leugner des Klimawandels, aber doch jemand, der ihn verharmlost.

Kohle wird weiter gefördert

Australien produziere nur 1,3 Prozent des weltweiten CO2-Ausstosses, wiegelt er ab – mit einem Argument, das manchen westeuropäischen Politikern ebenfalls nicht fremd ist. Auch sie sagen, der Ausstoss in ihren Ländern sei gering. Gemessen an ihrem Anteil an der Weltbevölkerung blasen Australier dreimal so viel CO2 in die Atmosphäre, wie es im Schnitt alle anderen tun. Natürlich müssten sie ihre Emissionen darum besonders stark einschränken.

In Australien passiert das Gegenteil davon. Seit 2005 hat das Land seine Kohleförderung verdoppelt und will sie in den nächsten Jahren nicht senken, sondern erhöhen. Verfeuert wird die Kohle dann zwar in den energiehungrigen Staaten China und Indien.

Die Folgen kommen aber mit aller Macht zurück, wie die Australier nun zu spüren bekommen. Sie lernen jetzt auf eine für viele von ihnen tragische Weise: Verantwortlich ist nicht nur der Brandstifter, der den trockenen Busch anzündet, sondern auch der Biedermann, der den Brennstoff reicht. In Australien stehen auf Feuerlegen bis zu 21 Jahre Haft.

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