Der Ex-Polizeichef muss selbst hinter Gitter

Zweites Urteil im aufsehenerregenden chinesischen Politkrimi: Wang Lijun, der ehemalige Polizeichef und Vertraute des Spitzenpolitikers Bo Xilai, ist zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Er akzeptiert die hohe Strafe.

Sein Prozess dauerte lediglich zwei Tage: Ex-Polizeichef Wang Lijun vor Gericht. (18. September 2012)

Sein Prozess dauerte lediglich zwei Tage: Ex-Polizeichef Wang Lijun vor Gericht. (18. September 2012)

(Bild: AFP)

Im Skandal um den geschassten chinesischen Politiker Bo Xilai ist dessen ehemaliger Vertrauter, Ex-Polizeichef Wang Lijun, zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Gericht im südwestlichen Chengdu habe Wang unter anderem wegen Machtmissbrauchs, Korruption und Überlaufens schuldig gesprochen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua heute.

Der Ex-Polizeichef und Vizebürgermeister der Metropole Chongqing akzeptierte die Strafe und will keine Berufung einlegen. «Die Strafe liegt in einem normalen Umfang», sagte seine Verteidigerin Wang Yuncai telefonisch der Nachrichtenagentur dpa in Peking.

Flucht ins Konsulat

Zum Abschluss des nur zweitägigen Prozesses hatte die Staatsanwaltschaft vergangene Woche für ein mildes Urteil geworben. Begründet wurde dies damit, dass der Ex-Polizeichef wesentlich zur Aufklärung des Mordes an dem britischen Geschäftsmann Neil Heywood beigetragen habe und geständig sei.

Wang hatte sich im Februar in das US-Konsulat in Chengdu geflüchtet und Asyl beantragt, nachdem er die Aussage von Gu Kailai, der Ehefrau des Spitzenpolitikers Bo Xilai, gehört hatte, wonach diese den britischen Geschäftsmann Heywood ermordet habe. Später verliess Wang das Konsulat freiwillig und sagte in dem Fall aus. Gu wurde bereits zur Todesstrafe mit Aufschub verurteilt, was einer lebenslangen Haft entspricht.

Spannungen in der Führungsspitze

Wangs spektakuläre Flucht in das US-Konsulat im Februar war der Auftakt eines Skandals, der erhebliche Spannungen in der Führungsspitze des Landes offenbarte. Die Kommunistische Partei will bei ihrem Parteikongress, der voraussichtlich im kommenden Monat stattfindet, eine Reihe von Spitzenämtern neu besetzen.

Bo, der damalige Parteichef in Chongqing, galt ursprünglich als aussichtsreicher Kandidat für einen Sitz im Politbüro. Er wird seit Monaten offenbar an einem geheimen Ort festgehalten.

Experten gehen davon aus, dass der Spitzenpolitiker möglicherweise auch angeklagt wird. Es scheint aber ungewiss, ob ein solch spektakulärer Prozess noch vor dem Parteitag stattfinden wird.

rbi/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt