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Der Drachenkönig mit der Rabenkrone

Bhutans neuer König ist endlich gekrönt. Mit 28 ist er der jüngste Monarch der Welt und Schrittmacher einer jungen Demokratie.

Jigme Khesar Namgyel Wangchuck wurde zum neuen Drachkönig gekrönt.
Jigme Khesar Namgyel Wangchuck wurde zum neuen Drachkönig gekrönt.
Keystone

Drei Astrologen waren befragt worden, des Glücks wegen. Und alle kamen zum selben Schluss, auf die Minute genau. Um 8.31 Uhr des achten Tags des neunten Monats im Jahr der männlichen Ratte ist der neue König von Bhutan, auch Drachenkönig genannt, offiziell und feierlich gekrönt worden. Es war eine späte, lange schon erwartete Krönung. Jigme Khesar Namgyel Wangchuck, 28 Jahre alt, der Welt jüngster Monarch, herrscht schon seit 2006 über das traditionalistische und verschlossene Land im Himalaja. Doch nie schienen die Sterne gewogener zu sein als an diesem Donnerstag, dem 6. November, einem historischen Tag in einem historischen Jahr für Bhutan.

Aufgesetzt hat ihm die Krone, einen roten Stoffhut mit Rabenkopf, sein leiblicher Vater, Jigme Singye Wangchuck. Der erfreut sich zwar mit 53 Jahren bester Gesundheit und treibt Sport, gelangte aber vor zwei Jahren zur unorthodoxen Überzeugung, zumal für einen Erbmonarchen, dass die Thronfolge nicht zwingend den Tod des Regierenden voraussetzt. Er selbst war 17, als er König wurde. Und so musste man schon genau hinsehen während der bunten, mit viel rotem und gelbem Stoff garnierten Zeremonie im Palast von Thimphu, der Hauptstadt, um den Vater vom Sohn unterscheiden zu können.

Der fünfte König der buddhistischen Dynastie der Wangchucks ist ledig, hat in den Vereinigten Staaten und in England studiert und gilt als moderner, junger Mann. Er wird wohl oft auf den Rat seines Vaters hören, dem er nicht nur äusserlich ähnlich sieht. Über die vergangenen drei Jahrzehnte hinweg hatte der das Land sanft modernisiert und demokratisiert. Er war es gewesen, der 1973 das Radio zuliess. Fernsehen und Internet sollten erst 1999 folgen. In den 70-er Jahren öffnete sich Bhutan den Touristen, jedoch auch das nur behutsam. Der Königsvater gab in allem das Tempo vor. Er strebte für seine 700'000 Untertanen zwar den wirtschaftlichen Wohlstand an. Er sah diesen aber nur nachhaltig gesichert, wenn darunter die alte Kultur und die Umwelt nicht litten und wenn die Bildung und das Gesundheitswesen gefördert würden. Der Erfolg seiner Philosophie sollte am Grad der so genannten „Bruttosozialfröhlichkeit“ ablesbar sein – eine stimmige Anspielung auf das Bruttosozialprodukt.

Tatsächlich wuchs das Prokopfeinkommen der Bevölkerung unter seiner Regentschaft um ein Vielfaches, und mit ihm die durchschnittliche Lebenserwartung. Ein Fünftel des Volkes lebt dennoch immer noch in grosser Armut. Als der König 2006 den Thron aufgab und die ersten freien Parlamentswahlen für 2008 anberaumte, waren alle überrascht - und längst nicht alle erfreut. Unter den vielen Royalisten herrscht die Meinung vor, allein der König könne Bhutan den Weg weisen. Nun hat das Land ein gewähltes Parlament und einen gewählten Premierminister. Doch viel Macht bleibt vorerst beim Monarchen und dessen Familie. Er steht der Armee vor und bestimmt wichtige Amtsträger. Der Chef der grössten Partei im Parlament ist ein Onkel des Königs. Zwei andere Onkel führen die Staatsholdings.

Zur Inthronisierung waren Filmstars aus Bollywood geladen und hohe Politiker aus Delhi. Die Wangchucks sind nicht bekannt für glamouröses Gebaren. Doch das Nachbarland Indien soll hofiert werden. Es ist der wichtigste Partner Bhutans, politisch wie wirtschaftlich, wichtiger als China, der andere grosse Nachbar. Bhutan beliefert das energiedurstige Indien mit Strom aus seinen Wasserkraftwerken. Diese Stromgeschäfte machen 87 Prozent des gesamten nationalen Exportvolumens aus. Da feiert man bei historischer Gelegenheit gerne gemeinsam.

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