Demonstranten bitten Trump um Hilfe

Zehntausende zogen in Hongkong am Sonntag zum US-Konsulat. Sie rufen den US-Präsidenten dazu auf, die Stadt von China zu befreien.

Mit US-Flaggen und Bildern von Donald Trump zogen die Demonstranten durch die Strassen der Metropole. (8. September 2019) Foto: Kai Pfaffenbach/Reuters

Mit US-Flaggen und Bildern von Donald Trump zogen die Demonstranten durch die Strassen der Metropole. (8. September 2019) Foto: Kai Pfaffenbach/Reuters

Trotz Zugeständnissen der Regierung ist es in Hongkong am Wochenende erneut zu Protesten für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gekommen. Zehntausende Demonstranten zogen am Sonntag zum US-Konsulat in der chinesischen Sonderverwaltungszone, um für Unterstützung der Amerikaner zu werben.

Demonstranten trugen die US-Flagge, auch die Nationalhymne der USA war zu hören. Sie forderten US-Präsident Donald Trump auf, die von China regierte Stadt zu befreien. Zuvor hatten Demonstranten am Samstag Einkaufszentren sowie U-Bahn-Stationen besetzt, wobei es auch zu Zusammenstössen mit der Polizei der chinatreuen Regierung kam.

Allerdings gab es zunächst deutlich weniger Gewalt als am vergangenen Wochenende, als die frühere britischen Kronkolonie die bislang wohl schwersten Ausschreitungen im Zuge der seit drei Monaten andauernden regierungskritischen Proteste erlebt hatte.

Die Demonstranten erhoffen sich Hilfe von Übersee. (8. September 2019) Foto: Kai Pfaffenbach/Reuters

Als Zeichen der Entspannung in Richtung der Protestbewegung hatte Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam am Mittwoch den Entwurf für ein umstrittenes Gesetz für Auslieferungen nach China komplett zurückgezogen, das die Proteste ursprünglich ausgelöst hatte. Mit dem formellen Rückzug erfüllt Lam eine Hauptforderung der Demonstranten. Aktivisten machten aber deutlich, dass ihnen das nicht reicht.

Zu weiteren Forderungen der Demonstranten gehören der Rücktritt der Regierungschefin, eine unabhängige Untersuchung übermässiger Polizeigewalt, die Freilassung von Festgenommenen und eine Rücknahme des Vorwurfs des «Aufruhrs», sowie politische Reformen und wirklich freie Wahlen.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel äusserte zum Abschluss ihres China-Besuches erneut ihre Hoffnung, dass die Konflikte in Hongkong friedlich gelöst werden. Merkel sagte am Samstag in Wuhan, alles andere wäre aus ihrer Sicht «eine Katastrophe». Man habe ihr bei diesem Thema in Peking «zugehört». Es sei wichtig, immer wieder im Gespräch zu bleiben.

Angela Merkel äusserte sich bei ihrem Besuch in Wuhan zu den Protesten in Hongkong. (6. September 2019) Foto: Clemens Bilan/Keystone

Sie fügte hinzu, Hongkong stehe zwar derzeit im Vordergrund. Es gebe in China aber auch noch andere Menschenrechtsfragen. Am Freitag hatte sie Gespräche in Peking mit Ministerpräsident Li Keqiang und Staats- und Parteichef Xi Jinping geführt, in denen auch die Proteste in Hongkong Thema waren.

Chinas Premier gab sich mit Blick auf die Lage in Hongkong zurückhaltend. Die Zentralregierung unterstütze die Regierung dort, «Gewalt und Chaos» im Rahmen der Gesetze zu beenden, sagte er.

Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China in ihrem eigenen Territorium mit einem eigenen Grundgesetz nach dem Prinzip «ein Land, zwei Systeme» autonom regiert. Die Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, geniessen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Viele fordern auch freie Wahlen, wie es ihnen einst in Aussicht gestellt worden war.

Mit einem Grossaufgebot verhinderte Hongkongs Polizei am Samstag einen neuen Protest am Hongkonger Flughafen. In Erwartung von Demonstranten, die sich für eine Protestaktion über das Internet verabredet hatten, reagierte die Polizei mit erhöhten Sicherheitsmassnahmen.

Ein Grossaufgebot der Polizei patroullierte am Samstag am Flughafen von Hongkong. (7. September 2019) Foto: Amr Abdallah Dalsh/Reuters

Hunderte Bereitschaftspolizisten patrouillierten am Flughafen und in der Umgebung, wie eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur berichtete.

Auch der Verkehr zum Flughafen wurde streng überwacht. Beamte stoppten zahlreiche Autos und Busse, die in Richtung des Flughafens unterwegs waren. Statt am Flughafen versammelten sich Demonstranten in anderen Teilen der Stadt. Ein Brennpunkt war dabei die U-Bahn-Station Prince Edward, wo wütende Protestler am Samstag die Herausgabe von Überwachungs-Videos forderten und eine Barrikade in Brand setzten. Die Polizei reagierte mit Pfefferspray. Nachdem es bereits am vergangenen Samstag an der Station zu Ausschreitungen gekommen war, machten Gerüchte die Runde, dass dabei einige Protestierende ums Leben gekommen seien.

Die Polizei versicherte daraufhin jedoch mehrfach, dass es seit Beginn der Protestwelle Anfang Juni keine Todesfälle gegeben habe. Es handele sich um «böswillige Online-Gerüchte». Dennoch legten Demonstranten Blumen vor der Station nieder.

reuters

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