Zum Hauptinhalt springen

Das riskante Spiel von Kim Jong-un

Nordkoreas Machthaber will um jeden Preis, dass sein Land als Atommacht anerkannt wird. Das macht diese Krise so gefährlich.

Er kann es einfach nicht lassen, der Störenfried aus Nordkorea. Eben noch hatte man den Eindruck, die beiden streitlustigen Narzissten Kim Jong-un und ­Donald Trump hätten erkannt, dass Atomwaffen ungeeignet sind für Imponiergehabe. Nun aber hat der Diktator aus Pyongyang einmal mehr nachgelegt. Um sich der internationalen Aufmerksamkeit ganz sicher zu sein, schoss er eine Rakete über Japan hinweg. Der Schock in Tokio sitzt tief, die Mission ist damit erfüllt.

Es war nur ein weiterer nordkoreanischer Raketentest, mag man beschwichtigen. Auch flog das Geschoss nicht nach Guam, was wohl Krieg mit den USA bedeutet hätte. Überhaupt, man hatte ja erwartet, dass Pyongyang auf die Manöver südkoreanischer und amerikanischer Streitkräfte reagieren würde. Allerdings nicht in dieser Kategorie: Mit dem Raketenflug über Japan, also über dem Gebiet eines US-Alliierten, spielte Kim Jong-un mit dem Risiko eines Kriegs.

Bisher waren die nordkoreanischen Raketen sorgfältig kalibriert worden, damit sie zwischen der koreanischen Halbinsel und Japan ins Meer stürzten. Nun aber nahm Kim in Kauf, dass die Rakete oder Teile ­davon – wenn auch nicht beabsichtigt – allenfalls auf Japan niedergehen, was Tokio und Washington als ­Angriff betrachten könnten. Diese Gefahr ist deshalb erheblich, weil nordkoreanische Raketen gerne ­aus­einanderbrechen. Auch die nun abgefeuerte ­Hwasong-12 soll während ihres Flugs in drei Teile zerborsten sein. Sie stürzten glücklicherweise ins Meer.

Wie US-Präsident Donald Trump auf einen Trümmerregen in Japan oder gar den Absturz eines von Splittern getroffenen Passagierflugzeugs reagieren würde, lässt sich nur erahnen. Nach dem Test wiederholte er, alle Optionen seien auf dem Tisch, auch die militärischen. Derweil beharrt Pyongyang auf dem Recht auf Selbstverteidigung, das an sich niemand infrage stellt.

Kims krankhafter Drang nach Anerkennung ­verbindet ihn mit seinem Gegenspieler. Anders als Trump geht er jedoch weit grössere Risiken ein, um für sich, für sein Regime und für Nordkorea als Atommacht diese Anerkennung zu erlangen. Das macht diese Krise so anfällig für eine ungeplante Eskalation.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch