Darf der Papst bald zum ersten Mal ins kommunistische China?

Der Vatikan und China haben nach jahrzehntelangem Streit ein Abkommen zur Ernennung von Bischöfen geschlossen.

Nach ihrer Machtübernahme hatten die Kommunisten 1949 die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan abgebrochen: Bischoff Joseph Li Shan tauft einen Mann in einer vom chinesischen Regime angerkannten katholischen Kirche in Peking. (22. September 2018)

Nach ihrer Machtübernahme hatten die Kommunisten 1949 die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan abgebrochen: Bischoff Joseph Li Shan tauft einen Mann in einer vom chinesischen Regime angerkannten katholischen Kirche in Peking. (22. September 2018)

(Bild: Keystone Mark Schiefelbein/AP)

Der Papst beginnt gerade erst seine Reise ins Baltikum, da platzt eine Sensation vom anderen Ende der Welt dazwischen: China und der Vatikan schliessen ein historisches Abkommen zur Ernennung von Bischöfen. Darf der Pontifex jetzt bald ins kommunistische China?

Der Vatikan hat nach jahrzehntelangem Streit mit China ein historisches Abkommen zur Ernennung von Bischöfen geschlossen. Das «vorläufige» Abkommen solle die Zusammenarbeit mit Peking verbessern und die gespaltene katholische Kirche in dem kommunistischen Land einen, teilte der Vatikan am Samstag mit.

Nach ihrer Machtübernahme hatten die Kommunisten 1949 die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan abgebrochen. Der Papst durfte noch nie zu einem Besuch nach China reisen. Er hat jedoch wiederholt erklärt, die Spaltung der Kirche überwinden zu wollen.

Ziel des Abkommens sei es, für die Katholiken in China Bischöfe zu haben, die sowohl in «Einheit mit Rom stehen, als auch von den chinesischen Autoritäten anerkannt werden», so Papstsprecher Greg Burke.

Mehr als zehn Millionen Katholiken

Im Streit mit Peking über die Führung der katholischen Kirche steht die Frage im Mittelpunkt, wer die Bischöfe ernennen darf. Die Staatskirche erkennt den Papst nicht als Autorität an, während ihm die Untergrundkirche die Treue hält. Von den mehr als zehn Millionen Katholiken in China entzieht sich mehr als die Hälfte der Kontrolle des Staates und steht loyal zum Papst. Vielen von ihnen werden dafür auch verfolgt.

Der Papst empfängt eine Gruppe chinesischer Katholiken im Vatikan. (18. April 2018) Bild: Gregorio Borgia/AP/Keystone

Das Abkommen sieht vor, dass der Papst sieben Bischöfe der staatlichen «patriotischen» Kirche in China anerkennt und deren Exkommunizierung aufhebt. Diese erkannten allerdings bisher den Papst nicht als oberste Autorität an. «Papst Franziskus hofft, dass mit der Entscheidung ein neuer Prozess beginnt, der die Wunden der Vergangenheit schliesst», heisst es in der Mitteilung des Vatikans.

«Das ist nicht das Ende des Prozesses»

Was der Papst im Gegenzug von der Führung in China bekommt, war zunächst unklar. Nach vorherigen Medienberichten soll Peking dem Papst künftig eine Art Mitsprache bei der Auswahl der Kandidaten für Bischofsposten der Staatskirche einräumen. Das chinesische Aussenministerium bestätigte, dass das Abkommen von Vize-Aussenminister Wang Chao und dem Unterstaatssekretär des Vatikans, Antoine Camilleri, unterzeichnet worden ist. Details wurden auch in Peking nicht genannt.

«Das ist nicht das Ende des Prozesses. Es ist der Anfang», sagte Papstsprecher Burke. «Das Ziel des Abkommens ist kein politisches, sondern ein pastorales.»

mch/sda

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