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China sät Zweifel über den Ursprung des Virus

Die Regierung behauptet, US-Soldaten könnten das neue Coronavirus nach Wuhan gebracht haben. Zudem seien die USA von der Krise überfordert.

Die Regierung von Xi Jinping gibt sich überzeugt, die Krise vorbildlich gemeistert zu haben. Foto: Aly Song (Reuters)
Die Regierung von Xi Jinping gibt sich überzeugt, die Krise vorbildlich gemeistert zu haben. Foto: Aly Song (Reuters)

Die Äusserungen eines chinesischen Diplomaten auf Twitter haben die Spannungen zwischen den USA und China weiter verschärft. «Es könnte die US-Armee gewesen sein, die die Epidemie nach Wuhan gebracht hat», schrieb der Sprecher des Aussenministeriums Zhao Lijian am Donnerstag auf seinem Twitter-Kanal. «Die USA schulden uns eine Erklärung.» Die Reaktion auf den Tweet, den Zhao auf Englisch veröffentlichte, folgte prompt. Das US-Aussenministerium bestellte den chinesischen Botschafter in Washington ein.

Seit die Zahl der Neuinfizierten in China gesunken ist, versuchen die Behörden dort, die Geschichte um den Ausbruch neu zu schreiben. Die Behörden säen Zweifel daran, dass das Virus aus China stammt, und kritisieren andere Staaten, allen voran die USA, für ihren Umgang mit dem Ausbruch. Gleichzeitig rühmt es sich seines eigenen Erfolgs bei der Eindämmung. Am Freitag lieferte das Land dringend benötigte Schutzmasken und Beatmungsgeräte nach Italien. Fast zeitgleich schrieb die Staatspresse, der «ideologische Narzissmus des Westens» sei verantwortlich für die «schweren Verluste» in Europa und den USA.

Gezielte Verwirrung

Eigentlich schien klar, woher das Virus kam. Anfang Dezember wurden im Stadtteil Hankou in der zentralchinesischen Stadt Wuhan die ersten Coronavirus-Fälle entdeckt. Den ersten grösseren Ausbruch gab es rund um einen Markt. Das staatliche Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten in China hatte bereits früh Wildtiere als Quelle für den Erreger ausgemacht. Die Regierung liess den Handel landesweit verbieten. Die Lokalbehörden haben die Waren des Markts aber grossteils vernichtet, sodass der Ursprung bisher nicht eindeutig geklärt werden konnte. Um einen Imageschaden aufgrund der anfänglichen Vertuschung zu verhindern, ist für die Regierung nun ein zentraler Aspekt ihrer Propagandastrategie, Verwirrung um den Ursprungsort zu stiften.

Bei einer Pressekonferenz Ende Februar hatte der bekannte chinesische Epidemiologie Zhong Nanshan zum ersten Mal öffentlich geäussert, dass es nicht eindeutig klar sei, woher das Virus stamme. Eine Woche später schrieb die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua, China als das Ursprungsland zu stigmatisieren, sei absurd und entbehre jeder Grundlage. Inzwischen werden Journalisten und Politiker als rassistisch oder von Vorurteilen verblendet verunglimpft, wenn sie Wuhan als Epizentrum bezeichnen. Die Strategie der Regierung hat Methode. Die Kommunistische Partei stellt Kritik an ihrer Alleinparteienherrschaft häufig als Angriff auf die Menschen in China dar, um ein Gemeinschaftsgefühl von«wir gegen die» zu kreieren.

Eine aus China stammende Frau mit Symptomen sei in US-Spitälern nicht getestetworden. Also flog sie krank nach Hause, berichteten die Staatsmedien.

Gegenüber den USA ist der Ton bereits seit Wochen ruppig. In einem Artikel der Xinhua drohte Peking Washington, keine Medikamente mehr zu liefern. In dieser Woche legte nun Zhao nach. Auf Twitter forderte er die US-Regierung auf, transparent zu sein: «Wann gab es den ersten Patienten?», fragte er auf dem in China gesperrten Kurznachrichtendienst. Die Theorie dahinter: Die US-Armee hätte das Virus bei ihrer Teilnahme an den Military World Games in Wuhan im Oktober eingeschleppt. Rund zwei Monate, bevor dort der bisher offiziell erste Fall Anfang Dezember entdeckt wurde. Für eine Verbindung zwischen dem Ausbruch in Wuhan und den USA spricht bisher nichts. Im chinesischen Internet wird das Gerücht trotzdem befeuert. Sonst werden Falschnachrichten dort schnell gelöscht und ungewollte Debatten unterbunden.

Allerdings hat auch die US-Politik neue Spannungen provoziert. So wiederholte ein republikanischer Senator öffentlich die Verschwörungstheorie, die bereits seit einigen Wochen durchs Netz wabert: Danach soll das Virus aus einem biochemischen Labor des chinesischen Militärs stammen. Ausser Frage steht, dass Peking Ende Januar nach einem anfänglichen Zögern mit umfangreichen Massnahmen reagiert hat, um den Ausbruch in China einzudämmen. Durch die landesweite Stilllegung von Fabriken, Geschäften und Schulen konnte die Zahl der Neuinfizierten gesenkt werden.

Jetzt importierte Fälle

Nun vermeldet China vor allem importierte Fälle aus dem Ausland. Der Unmut über die anfänglichen Versäumnisse und Repressionen gegen Ärzte, die der Epidemie früh auf die Spur gekommen waren, ist in China aber weiter gross. Kurz bevor die Stadt am 23. Januar abgeriegelt wurde, verliessen noch mindestens fünf Millionen Menschen Wuhan. Parteichef Xi hat inzwischen selbst erklärt, seit dem 7. Januar von dem Ausbruch zu wissen. Öffentlich äusserte er sich aber erst zwei Wochen später – mehr als sechs Wochen nachdem es nachweislich mindestens den ersten Fall in der Stadt gab. Die Regierung zensiert Kritik an diesem Vorgehen weiter.

Chinas Staatsmedien konzentrieren sich nun auf Berichte über die Lage im Ausland. Am Wochenende wurde über eine chinesischstämmige Frau mit Covid-19-Symptomen berichtet. Sie habe vergeblich versucht, sich in den USA in drei Krankenhäusern testen zu lassen. Dann flog sie erkrankt nach China, um Hilfe zu bekommen. Das sei ein Beleg für die Unfähigkeit der USA in der Krise, so die Staatsmedien.

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