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Bo Xilai bezeichnet seine Frau als «geistig gestört»

Der frühere chinesische Spitzenpolitiker wehrt sich auch am zweiten Prozesstag vehement gegen alle Anschuldigungen seitens seiner Gattin.

Entgeht der Todesstrafe: Bo Xilai steht in Handschellen zwischen Polizisten im Gerichtssaal. (22. September 2013)
Entgeht der Todesstrafe: Bo Xilai steht in Handschellen zwischen Polizisten im Gerichtssaal. (22. September 2013)
Keystone
Hat den Prozess verloren: Bo Xilai nimmt das Urteil entgegen. (22. September 2013)
Hat den Prozess verloren: Bo Xilai nimmt das Urteil entgegen. (22. September 2013)
AFP
... liessen die Behörden das Gerichtsgebäude weiträumig absperren.
... liessen die Behörden das Gerichtsgebäude weiträumig absperren.
AP Photo/Ng Han Guan
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In dem aufsehenerregenden Prozess gegen den gefallenen chinesischen Politstar Bo Xilai hat am zweiten Tag Gu Kailai ihren Ehemann schwer belastet. In ihrer Zeugenaussage, die auf Video abgespielt wurde, sagte Gu Kailai aus, ein befreundeter Geschäftsmann habe ihrer Familie viele teure Geschenke gemacht – darunter eine Villa bei Nizza im Wert von umgerechnet 2,25 Millionen Euro, Flugtickets ins Ausland sowie teure Abendessen und einen Segway-Scooter für ihren Sohn.

Bo, der sich bereits am Vortag überraschend vehement zu Wehr gesetzt hatte, bezeichnete seine Frau daraufhin als «verrückt». Gu sagte in dem Video zunächst, ihr Mann hätte über Zahlungen und Geschenke des Geschäftsmanns Xu Ming «Bescheid wissen müssen». Auf Nachfrage sagte die nervös und blass aussehende Gefangene: «Ich habe es ihm gesagt.» Das Video mit der Aussage der einstigen Wirtschaftsanwältin wurde im Internet veröffentlicht, wo es innerhalb einer Stunde mehr als eine Million Mal angeklickt wurde.

«Frau geistig gestört»

Bo sagte dem Gericht am Freitag, seine Frau sei geistig instabil. Sie habe nach dem Mord an Heywood gesagt, sie habe sich dabei «heroisch» gefühlt. In dem Video sagte Gu, sie habe gefürchtet, dass Heywood ihren Sohn Bo Guagua entführen und ermorden würde. «Sie ist nun verrückt und erzählt oft Lügen», sagte Bo anschliessend. «Die Ermittler haben riesigen Druck auf sie ausgeübt, um mich blosszustellen, als sie geistig gestört war.»

Ehefrau Gu sagte indes in dem Verhörvideo, sie sei nicht von den Ermittlern unter Druck gesetzt worden. Sie berichtete, dass sie geplant habe, die Villa bei Nizza über eine Firma zu kaufen, um die Eigentumsverhältnisse zu verschleiern und Steuerzahlungen zu umgehen. Sie sollte demnach vermietet werden, um ihrem Sohn Bo Guagua ein regelmässiges Einkommen zu verschaffen. «Diese Idee fand Unterstützung bei Bo Xilai», sagte sie. Er sei über den Immobiliendeal stets im Bilde gewesen.

Zu ihrem Motiv für den Mord an Heywood liess sich Gu ebenfalls ein. Dieser habe sie zur Zahlung eines Entgelts gedrängt und deswegen auch ihren Sohn bedroht. Sie habe befürchtet, dieser könne entführt und getötet werden.

Bo hatte bereits den ersten Verhandlungstag in der ostchinesischen Stadt Jinan zur Abrechnung mit seinen Anklägern genutzt. Er wies die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück und bezeichnete belastende Zeugenaussagen vor Gericht als «lächerlich».

Den als Zeugen geladenen Geschäftsmann Tang Xiaolin nannte er einen «tollwütigen Hund», der «seine Seele verkauft» habe. In seiner Stellungnahme zu den Geschenken von Xu Ming sagte Bo, er sei sich ihrer nicht bewusst gewesen.

Safe mit Bargeld

Bereits gestern legte die Anklage belastende Aussagen Gus vor. Demnach verfügte das Paar über einen Tresor, in dem grössere Mengen Bargeld in Dollar und Yen lagerten.

Ebenfalls gegen den Angeklagten vorgebracht hatte die Staatsanwaltschaft französische Gerichtsdokumente. Diese zeigen, dass eine malerische Villa an der Côte d'Azur lange Zeit von einem Vertrauten Bos verwaltet wurde. Bo soll die Villa vom Geschäftsmann Xu Ming als Geschenk erhalten haben.

«Lächerlich»

Bo hatte den ersten Verhandlungstag zur Abrechnung mit seinen Anklägern genutzt. Er wies er die Vorwürfe der Korruption, Bestechung und des Amtsmissbrauchs zurück und verspottete belastende Zeugenaussagen vor Gericht als «lächerlich». Beobachter erwarten einen kurzen Schauprozess, mit dem die Staatsführung ein Exempel für ihren verschärften Kampf gegen Korruption statuieren will. Überraschend war, dass sich Bo überaus kämpferisch gab.

Der nicht nur in China mit grossem Interesse verfolgte Prozess wird von einem massiven Sicherheitsaufgebot begleitet. Auch heute sperrte die Polizei die Strassen rings um das Justizgebäude in Jinan in der östlichen Provinz Shandong ab.

Massives Sicherheitsaufgebot

Bo war früher Chef der Kommunistischen Partei im südwest-chinesischen Chongqing und gehörte als eines von 25 Politbüro-Mitgliedern zur Führungselite des Landes. Laut der von staatlichen Medien wiedergegebenen Anklageschrift soll er «seine Position ausgenutzt haben», um Vorteile für Bekannte herauszuschlagen. Zudem habe er sich mit einer «sehr grossen Menge» an Geld sowie Immobilien bestechen lassen und «grosse Summen öffentlicher Gelder veruntreut».

(AFP/sda/AP)

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